À la une · 29.07.2024 08:18
Lucie Castets: Große Steuerreform als zentrales Vorhaben
Lucie Castets, die Kandidatin des Linksbündnisses „Nouveau Front populaire“ (NFP) für das Amt der Premierministerin, hat in einem Interview mit dem Wirtschaftsblatt „La Tribune“ am 28. Juli ihre Pläne für eine umfassende Steuerreform vorgestellt....
Lucie Castets, die Kandidatin des Linksbündnisses „Nouveau Front populaire“ (NFP) für das Amt der Premierministerin, hat in einem Interview mit dem Wirtschaftsblatt „La Tribune“ am 28. Juli ihre Pläne für eine umfassende Steuerreform vorgestellt. Falls sie zur Premierministerin ernannt wird, plant sie, bis 2027 Steuereinnahmen in Höhe von 150 Milliarden Euro zu generieren.
Castets hat klare Vorstellungen: „Mein primäres Ziel ist nicht die Einhaltung des europäischen Stabilitätspakts, der das Haushaltsdefizit auf 3 % begrenzt. Dieser wurde schlecht neu verhandelt. Frankreich wird eine neue Diskussion vorschlagen“, erklärt sie. Dieser entschlossene Schritt kommt, nachdem Frankreich von der Europäischen Kommission wegen eines Defizits von 5,5 % des BIP im Jahr 2023 als Land mit einem übermäßigen öffentlichen Defizit eingestuft wurde – das erlaubte Defizit wurde seit der Aussetzung der Haushaltsregeln während der Covid-Krise 2020 nicht mehr erreicht.
Steuererleichterungen für viele Haushalte
Die Steuerreform von Lucie Castets soll vor allem die Progressivität der Einkommenssteuer erhöhen, die auf 14 Stufen ausgeweitet wird. „Das bedeutet eine Steuererleichterung für einen Großteil der Haushalte“, versichert sie. Diese Maßnahme steht im Einklang mit dem Programm des NFP und soll den Bürgern spürbare finanzielle Entlastung bringen. Aber was ist mit den Wohlhabenden und Unternehmen?
Hier zeigt sich Castets ebenso entschlossen. Sie will, dass auch „Steuerflüchtlinge ihre Steuern an den französischen Fiskus zahlen, so wie es amerikanische Expats gegenüber dem US-Fiskus tun“. Zudem plant sie eine Erweiterung der Vermögensbesteuerung und die Wiedereinführung der Vermögensteuer (ISF).
Für Unternehmen schlägt Castets vor, die „kostenintensivsten Maßnahmen“ wie überdimensionierte Beitragsreduzierungen zu beenden. Das zeigt, dass sie eine Neuausrichtung der Unternehmensbesteuerung im Auge hat – eine, die sich mehr an den tatsächlichen Bedürfnissen und Leistungen orientiert.
Ein Blick auf die langfristigen Auswirkungen
Was könnte eine solche große Steuerreform für Frankreich bedeuten? Die angestrebten 150 Milliarden Euro sollen sowohl zur Finanzierung de Umsetzung des NFP-Programms als auch zur Reduzierung des Staatsdefizits beitragen. Das könnte Frankreich in eine finanziell stabilere Zukunft führen – vorausgesetzt, die Maßnahmen greifen wie geplant.
Doch es gibt natürlich auch Herausforderungen und Kritiker. Die Diskussion um die Einhaltung des europäischen Stabilitätspakts könnte sich intensivieren, ebenso wie die Reaktionen der Wirtschaft und der wohlhabenden Schichten, die von den neuen Steuervorschriften betroffen sein werden.
Ein neues Kapitel für Frankreich?
Lucie Castets steht am Anfang ihrer politischen Karriere und hat bereits deutliche Akzente gesetzt. Ihre Pläne könnten ein neues Kapitel für Frankreich einläuten – eines, in dem soziale Gerechtigkeit und finanzielle Verantwortung Hand in Hand gehen. Wird sie es schaffen, ihre Vision in die Tat umzusetzen und Frankreich in eine neue Ära der Steuerpolitik zu führen? Die kommenden Jahre werden es zeigen.
Mit Spannung bleibt abzuwarten, wie sich die politische Landschaft Frankreichs in den kommenden Wochen entwickelt und welche konkreten Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden können. Castets hat die Messlatte hoch gelegt – nun liegt es an ihr und ihrem Team, die ambitionierten Pläne Wirklichkeit werden zu lassen.
Voraussetzung bleibt natürlich ihre Ernennung durch Präsident Macron!