Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat sich in einem eindringlichen Appell für das Ende des Leidens der Zivilbevölkerung in Gaza ausgesprochen. In einem Telefongespräch mit dem israelischen Premierminister Benyamin Nétanyahou am Dienstag betonte Macron: „Das Martyrium, das die Zivilbevölkerung Gazas derzeit erlebt, muss ein Ende haben.“ Gleichzeitig forderte er die sofortige Öffnung aller Grenzübergänge für humanitäre Hilfe – eine Maßnahme, die er als überlebenswichtig bezeichnete.
Blockierte Hilfe, dringender Appell
Der französische Präsident schilderte seine Eindrücke von einem Besuch in der ägyptischen Grenzstadt Al-Arisch, die derzeit als logistisches Zentrum für Hilfslieferungen nach Gaza dient. „Die Hilfe ist auf der anderen Seite der Grenze blockiert“, so Macron. Seine Forderung ist klar: Sie muss schnellstmöglich bei den Menschen ankommen, die sie am dringendsten benötigen.
Mit Blick auf die anhaltenden Kämpfe in Gaza sprach Macron sich erneut für einen sofortigen Waffenstillstand aus. Dies sei – seiner Ansicht nach – der einzige Weg, die noch immer vom Hamas festgehaltenen Geiseln zu befreien.
Nétanyahous Ablehnung: Keine Belohnung für Terrorismus
Der israelische Regierungschef zeigte sich wenig kompromissbereit. Laut Angaben seines Büros erklärte Benyamin Nétanyahou gegenüber Macron, die Errichtung eines palästinensischen Staates wäre „eine enorme Belohnung für den Terrorismus“. Ein klarer Seitenhieb auf die Hamas, die seit dem Überfall auf Israel im Oktober 2023 international als Hauptakteur der Eskalation gilt und von der EU, den USA und weiteren Staaten als Terrororganisation eingestuft wird.
Frankreichs diplomatische Offensive
Macron verfolgt unterdessen einen ambitionierten Plan: Im Juni möchte er bei einer UN-Konferenz in New York – gemeinsam mit Saudi-Arabien – eine neue diplomatische Initiative anstoßen. Ziel sei es, eine „Reihe von Anerkennungen“ sowohl eines palästinensischen Staates als auch Israels auf den Weg zu bringen. Der französische Präsident bezeichnet dies als „einzigen Weg zu Frieden und Stabilität in der Region“.
Seine Linie ist eindeutig: Ohne politische Perspektive für die Palästinenser ist kein dauerhafter Frieden möglich.
Zwei Stimmen, zwei Welten
Das Telefongespräch zwischen Macron und Nétanyahou verdeutlicht die wachsenden Spannungen zwischen Israels Regierung und einem Teil der internationalen Gemeinschaft – besonders was den Umgang mit der Zivilbevölkerung und die langfristige Lösung des Konflikts betrifft. Während Paris zunehmend auf diplomatische Schritte und humanitäre Korridore setzt, bleibt Tel Aviv auf einer Linie der militärischen Entschlossenheit und Sicherheitspriorität.
Die Frage bleibt: Wie lange hält diese politische Gratwanderung noch, ohne dass sie in einer noch tieferen Krise endet?
Catherine H.