SONNTAG, 19. JULI 2026 Anmelden / Beitreten Mitgliedskonto
Zurück

Aktuell · 07.07.2026 00:47

Macron übergibt 23 in Frankreich konservierte syrische Kunstwerke bei Besuch in Damaskus

Bei seinem Besuch in Syrien hat Präsident Emmanuel Macron 23 in Frankreich konservierte Kulturobjekte an das Nationale Museum von Damaskus zurückgegeben und Gespräche mit der neuen syrischen Führung aufgenommen.

Damaskus – 06.07.2026: Bei seinem offiziellen Besuch in Damaskus hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am Montag 23 syrische Kunst- und Kulturobjekte an die syrischen Behörden übergeben. Die Stücke wurden dem Nationalmuseum von Damaskus überreicht. Der Élysée-Palast hatte die Rückgabe im Vorfeld bestätigt und sie als Teil einer kulturpolitischen Zusammenarbeit mit Syrien beschrieben. Nach Angaben der französischen Seite decken die Objekte Epochen von prähistorischen Funden bis zur abbasidischen Zeit ab und veranschaulichen die lange Kontinuität der syrischen Kulturgeschichte.

Die betreffenden Artefakte waren vor Ausbruch des syrischen Bürgerkriegs in Frankreich gelandet und wurden dort aus konservatorischen Gründen gesichert. Fachliche Partner hatten ihre Stabilisierung und Dokumentation begleitet. Paris betont, die Rückgabe erfolge in Abstimmung mit Museen und Restaurierungsinstitutionen, damit die Objekte künftig unter geeigneten Bedingungen gelagert und gezeigt werden können. Syrische Stellen kündigten an, die Stücke in eine neu konzipierte Dauerausstellung des Nationalmuseums einzubinden.

Der Termin ist eingebettet in einen politisch heiklen Besuch: Macron trifft in Damaskus den amtierenden Präsidenten Ahmad al-Sharaa sowie Vertreter der Zivilgesellschaft. Begleitet wird er von einer kleinen Wirtschafts- und Kulturdelegation. Beobachter sehen darin ein Signal vorsichtiger Öffnung gegenüber der neuen syrischen Führung nach den politischen Umbrüchen der vergangenen Jahre. Themen der Gespräche sind nach französischen Angaben Sicherheit, regionale Stabilität, humanitäre Unterstützung und der Schutz gefährdeter Kulturgüter.

In Frankreich und international stößt die Reise auf unterschiedliche Reaktionen. Kritiker warnen vor einer verfrühten Normalisierung ohne überprüfbare Zusagen zu Menschenrechten, Rechtsstaatlichkeit und dem Umgang mit Gefangenen. Befürworter verweisen auf Chancen, durch direkten Dialog humanitäre Zugänge zu erleichtern, den Schutz von Stätten wie Palmyra zu verbessern und den zivilen Wiederaufbau zu unterstützen. Aus dem Umfeld des Élysée heißt es, Paris setze auf „pragmatische Diplomatie“, bei der Kulturkooperation als vertrauensbildende Maßnahme diene.

Kulturpolitisch reiht sich die Übergabe in jüngere französische Restitutionsinitiativen ein, bei denen Objekte an Herkunftsländer zurückkehrten. Anders als bei klar dokumentierten Kolonialentnahmen ist die syrische Lage jedoch komplex: Konfliktfolgen, zerstörte Infrastruktur, unsichere Provenienzen und der Bedarf an konservatorischer Ausstattung erschweren die langfristige Sicherung. Fachleute regen bilaterale Arbeitsgruppen, gemeinsame Inventare und transparente Digitalarchive an, um Herkunftswege, Restaurierungsstände und Leihmodalitäten nachvollziehbar zu machen. Die nun erfolgte Rückgabe bleibt symbolisch bedeutsam, ersetzt aber nicht die systematische Klärung weiterer Bestände, die sich in europäischen Depots befinden oder durch illegale Grabungen in Umlauf kamen.

Quellen

  • Franceinfo
  • AFP (via Nampa)
  • ICI Beyrouth

Nachrichten per E-Mail erhalten

Mit dem kostenlosen Mitgliedskonto von France Premium legen Sie fest, welche Hinweise Sie per E-Mail bekommen möchten: sofort bei wichtigen Meldungen oder als ruhige Tageszusammenfassung.

  • News und Tageszeitung nach Ihren Interessen
  • Wetter- und Verkehrshinweise für gewählte Regionen
  • Fußball-Liveereignisse zu ausgewählten Teams
  • Rezepte, Kultur, Veranstaltungen und Premium-Hinweise
Newsletter bestellen

Die Anmeldung ist kostenlos. Sie können Ihre Auswahl jederzeit im Mitgliedskonto ändern oder abbestellen.