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À la une · 26.02.2026 08:29

„Man erholt sich nicht davon“ – Betrügereien rund um Autozulassungen zwingen französische Werkstätten in die Knie

Sie wollten ihren Kunden einen Gefallen tun. Ein zusätzlicher Service, unkompliziert, kundenfreundlich, fast schon selbstverständlich. Heute stehen viele von ihnen vor leeren Konten, schlaflosen Nächten und der bangen Frage, ob der eigene Betrieb die...

Sie wollten ihren Kunden einen Gefallen tun. Ein zusätzlicher Service, unkompliziert, kundenfreundlich, fast schon selbstverständlich. Heute stehen viele von ihnen vor leeren Konten, schlaflosen Nächten und der bangen Frage, ob der eigene Betrieb die nächsten Monate übersteht.

In ganz Frankreich schlagen Autowerkstätten Alarm. Eine Welle raffinierter Betrügereien rund um die Fahrzeugzulassung – die berühmte „Carte Grise“ – bringt selbst solide geführte Betriebe ins Wanken.

Seit der vollständigen Digitalisierung der Zulassungsverfahren über das staatliche System zur Fahrzeugregistrierung, das sogenannte SIV, dürfen autorisierte Kfz-Profis die Formalitäten für ihre Kunden direkt abwickeln. Was nach moderner Verwaltung klingt, entpuppt sich in der Praxis als riskantes Spiel. Denn der Garagist tritt finanziell in Vorleistung: Er streckt die Zulassungssteuer vor, kassiert den Betrag vom Kunden und schließt den Vorgang online ab.

Genau hier setzen die Betrüger an.

Gefälschte Bankschecks, manipulierte Überweisungen, gestohlene Identitäten, täuschend echte Dokumente – das Arsenal ist breit. Die Masche folgt stets demselben Muster: Ein Käufer tritt selbstbewusst auf, oft gut vorbereitet, manchmal sogar charmant. Das Fahrzeug, nicht selten ein neuwertiger Transporter oder ein hochpreisiger SUV, soll schnell zugelassen werden. Zeitdruck gehört zur Inszenierung.

Auf den ersten Blick wirkt alles seriös. Die Zahlung scheint erfolgt. Die Zulassung läuft durch. Das Fahrzeug verlässt den Hof.

Und dann, Tage später, die Ernüchterung: Der Scheck platzt. Die Überweisung existierte nie. Die Identität war erfunden. Das Auto ist verschwunden – ins Ausland verkauft oder unter neuer Tarnung weitergereicht. Zurück bleibt der Garagist. Und eine Steuerschuld gegenüber dem Staat, die unerbittlich eingefordert wird.

„Davon erholt man sich nicht“, sagt ein Werkstattinhaber aus Nordfrankreich, der innerhalb weniger Wochen rund 40.000 Euro verlor. Für kleine Betriebe entspricht das mehreren Monatsgewinnen. In einer Branche mit ohnehin engen Margen genügt ein solcher Schlag, um die Existenz zu gefährden.

Besonders perfide: Manche Täter geben sich als angebliche Vermittlungsplattformen für Zulassungen aus. Sie bieten Werkstätten administrative Unterstützung an, kassieren Gelder und verschwinden. Am Ende steht erneut der offiziell registrierte Betrieb in der Verantwortung.

Der juristische Rahmen zeigt sich unerbittlich. Wer als autorisierter Profi eine Zulassung bestätigt, trägt die finanzielle Haftung. Die Steuer gilt als geschuldet, unabhängig von der Betrugsmasche. Für viele Handwerker fühlt sich das wie ein Schlag ins Gesicht an. Sie übernehmen eine staatliche Aufgabe – ohne staatliches Sicherheitsnetz.

Dabei steht die Branche ohnehin unter Druck. Energiekosten steigen, der Wandel zur Elektromobilität erfordert Investitionen, Hersteller erhöhen Anforderungen. Und jetzt das.

Die Reaktion fällt spürbar aus. Zahlreiche Garagen verweigern inzwischen die Zulassungsabwicklung für unbekannte Kunden. Andere akzeptieren ausschließlich unwiderrufliche Überweisungen oder warten den tatsächlichen Geldeingang ab, bevor sie die Anmeldung bestätigen. Das verzögert Fahrzeugübergaben, sorgt für Frust – und bremst den ohnehin volatilen Gebrauchtwagenmarkt.

Zwischen Werkbank und Computerterminal fühlen sich viele Unternehmer allein gelassen. Sie reparieren Motoren, wechseln Getriebe, beraten Kunden. Doch plötzlich jonglieren sie mit Identitätsprüfungen und Zahlungsrisiken wie eine Bankfiliale.

Manche sprechen von einem Systemfehler. Die Digitalisierung vereinfache Abläufe für Bürger, verlagere das Risiko jedoch auf private Serviceanbieter. Ohne Anpassung der Schutzmechanismen entsteht ein gefährliches Ungleichgewicht.

Die Forderungen liegen auf dem Tisch: Garantiefonds gegen Betrug, klarere Haftungsregeln, strengere Kontrolle von Zahlungswegen. Ob und wann politische Antworten folgen, bleibt offen.

Für viele Betroffene zählt nur die Gegenwart. Ein paar betrügerische Vorgänge reichen aus, um einen soliden Handwerksbetrieb in die roten Zahlen zu treiben. Und wenn ein Werkstattmeister sagt, „davon erholt man sich nicht“, dann klingt das nicht nach Dramatisierung. Sondern nach nüchterner Bilanz.

Daniel Ivers

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