Politik & Gesellschaft

Marie Lajus kritisiert Tausende Festnahmen bei Schülerblockaden

Die frühere Präfektin Marie Lajus kritisiert die französische Polizeitaktik bei Schülerblockaden. Rund 6.000 Festnahmen seien Ausdruck einer ausufernden Praxis, sagte sie bei Franceinfo.

Paris – 08.10.2026: Die frühere Präfektin Marie Lajus hat die französische Polizeipraxis bei Blockaden von Gymnasien scharf kritisiert. In der Franceinfo-Sendung "C Ce Soir" sprach die heutige Richterin am Rechnungshof von rund 6.000 Festnahmen. Frankreich befinde sich in einem regelrechten "Festnahmewahn", sagte Lajus mit Blick auf den staatlichen Umgang mit Protesten an Lycées.

Die Zahl wurde zunächst nicht durch eine öffentlich zugängliche Behördenstatistik bestätigt. Lajus führte sie in der Sendung als Beleg für eine Entwicklung an, bei der Festnahmen zunehmend zum bestimmenden Mittel der Aufrechterhaltung öffentlicher Ordnung geworden seien. Ihre Kritik gilt damit weniger einzelnen Einsätzen als der grundsätzlichen Ausrichtung der Polizeitaktik.

Lajus kennt den Sicherheitsapparat aus eigener Anschauung. Bevor sie an den Rechnungshof wechselte, war sie Polizeikommissarin und Präfektin. Sie bestreitet nicht, dass Einsatzkräfte bei Gewalttaten, Sachbeschädigungen oder Angriffen eingreifen müssen. Eine Grenze sei jedoch überschritten, wenn die Festnahme selbst zur vorherrschenden Antwort auf Protest werde.

Nach ihrer Darstellung wurde die französische Einsatzdoktrin zunächst an die wachsende Präsenz gewaltbereiter Störer bei Demonstrationen angepasst. Polizeikräfte sollten Ausschreitungen früher unterbinden und mögliche Täter gezielt aus Menschenmengen herauslösen. Diese Logik habe ihren ursprünglichen Anwendungsbereich inzwischen weit überschritten, sagte Lajus. Die hohe Zahl der Festnahmen bei Schülerblockaden sei Ausdruck dieser Verschiebung.

Ihre Vorwürfe richten sich nicht pauschal gegen einzelne Polizistinnen und Polizisten, sondern gegen politische und operative Vorgaben. Gerade bei Jugendlichen könne eine Festnahme erhebliche Folgen haben, selbst wenn das Verfahren später eingestellt werde oder ohne Verurteilung ende. Deshalb müsse die Verhältnismäßigkeit jeder Maßnahme besonders sorgfältig geprüft werden.

Lajus verwies zudem auf den Einsatz von Gummigeschosswaffen, die in Frankreich als "Lanceurs de balles de défense" bezeichnet werden. Bei der Verwendung dieser sogenannten LBD nehme das Land unter Demokratien eine Sonderstellung ein, erklärte sie. Ob einzelne Einsätze rechtmäßig waren, lässt sich aus ihren Ausführungen nicht ableiten.

Blockaden an Schulen stellen Behörden vor eine schwierige Aufgabe: Sie müssen den Zugang zum Unterricht sichern und zugleich das Demonstrationsrecht der Jugendlichen achten. Minderjährige, Lehrkräfte, Eltern und Einsatzkräfte treffen dabei häufig auf engem Raum aufeinander. Lajus verlangt keine Nachsicht gegenüber Gewalttätern. Sie fordert vielmehr, Festnahmen und den Einsatz von LBD wieder konsequent an Notwendigkeit und Verhältnismäßigkeit auszurichten. Eine Stellungnahme der zuständigen Behörden zu der von ihr genannten Zahl lag am Abend des 8. Oktober nicht vor.

Quellen

  • Franceinfo
  • C Ce Soir

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

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