Paris – 25.09.2026: Die französische Schauspielerin Marina Vlady ist am Donnerstag, dem 24. September, im Alter von 88 Jahren gestorben. Nach Angaben ihrer Familie starb sie zu Hause, umgeben von Angehörigen und ihren Tieren. Über fast sieben Jahrzehnte hinweg hatte sie das europäische Kino geprägt: mit einer Eleganz, die nie bloße Oberfläche blieb, und mit Figuren, deren Eigensinn sich gegen die Erwartungen ihrer Umgebung behauptete.
Geboren wurde sie am 10. Mai 1938 in Clichy als Catherine Marina de Poliakoff-Baïdaroff. Ihre Eltern waren russische Künstler im französischen Exil. Schon als Kind stand Vlady vor der Kamera. Von frühen italienischen Produktionen führte ihr Weg rasch zu Regisseuren, die ihr Temperament, ihre klare Stimme und die eigentümliche Verbindung von Anmut und Widerstandskraft zu nutzen wussten.
Ein erster Markstein war André Cayattes "Avant le déluge" von 1954. Als junge Frau, die in eine Straftat hineingezogen wird, verkörperte Vlady die moralische Unruhe der Nachkriegsjugend. Die Rolle brachte ihr den Prix Suzanne-Bianchetti ein und machte aus dem früh entdeckten Talent eine anerkannte Darstellerin.
In Robert Hosseins "Les salauds vont en enfer" von 1955 zeigte sie eine kühle, gefährliche Sinnlichkeit. Der Film begründete zugleich ihre künstlerische Verbindung mit Hossein, den sie später heiratete. In "Toi le venin" wurde sie 1959 erneut zur rätselhaften Projektionsfläche männlicher Begierden. Doch Vlady ließ stets erkennen, dass ihre Figuren eigene Absichten verfolgten.
Für viele bleibt sie vor allem die Titelheldin in Jean Delannoys "La Princesse de Clèves" von 1961. Die Verfilmung des Romans von Madame de La Fayette verlangte Zurückhaltung statt großer Gesten. Vlady spielte die Prinzessin nicht als entrückte Muse, sondern als Frau, deren Aufrichtigkeit im höfischen Regelwerk zur Zumutung wird.
Mit Marco Ferreris "Le Lit conjugal" wechselte sie 1963 ins bitterkomische Fach. Für ihre Darstellung in der italienisch-französischen Satire erhielt sie bei den Filmfestspielen von Cannes den Preis als beste Darstellerin. In Orson Welles' "Falstaff" spielte sie anschließend Kate Percy, eine kleine, aber präzise gesetzte Rolle.
Jean-Luc Godards "Deux ou trois choses que je sais d'elle" von 1967 gehört ebenfalls zu ihren bedeutendsten Arbeiten. Als Juliette Jeanson bewegte sich Vlady durch eine von Konsum und Städtebau geprägte Vorstadtwelt, die Godard zugleich beobachtete und zerlegte. Später arbeitete sie unter anderem mit Bertrand Tavernier, Jacques Rouffio und Ettore Scola. Ihr Werk umfasste daneben Fernsehen, Gesang und Bücher; im Kino hinterließ sie ihre stärksten Spuren.
Quellen
- Franceinfo
- TV5Monde unter Berufung auf Agence France-Presse
- Festival de Cannes
- Cinémathèque française
- Le Monde
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