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Alle Artikel · 09.05.2025 06:03

Marine Le Pen fällt – was nun mit dem Rassemblement National?

Marine Le Pen – einst das Aushängeschild der französischen Rechten – ist nicht mehr wählbar. Ein Pariser Gericht verurteilte sie Ende März 2025 wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder zu vier Jahren Haft, davon zwei unter...

Marine Le Pen – einst das Aushängeschild der französischen Rechten – ist nicht mehr wählbar. Ein Pariser Gericht verurteilte sie Ende März 2025 wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder zu vier Jahren Haft, davon zwei unter elektronischer Überwachung, sowie zu fünf Jahren Ineligibilität. Eine Bombe im französischen Politbetrieb – und ein Einschnitt mit Folgen weit über Frankreich hinaus.

Der Vorwurf: Scheinbeschäftigung europäischer Parlamentsassistenten in ihrer Zeit als EU-Abgeordnete. Der Fall schwelte seit Jahren, doch mit dem Urteil ist nun juristisch – und politisch – ein Schlussstrich gezogen. Zumindest vorerst.

Denn Le Pen gibt sich kämpferisch. „Ich verschwinde nicht wegen eines Urteils, das noch angefochten wird“, erklärte sie trotzig. Der Gang in die Berufung sei beschlossene Sache – ein möglicher Prozess im Sommer 2026 könnte theoretisch alles ändern. Aber bis dahin? Verboten, sich zur Präsidentschaftswahl 2027 aufzustellen. Ein Desaster für die Partei, deren Gesicht und Führungsperson sie seit über zehn Jahren war.

Ein Vakuum an der Spitze

Im Rassemblement National (RN) herrscht Unruhe. Wer könnte Le Pen ersetzen? Ihr Aufstieg war nicht nur politisches Kalkül, sondern auch familiäres Erbe. Als Tochter von Jean-Marie Le Pen führte sie die Partei in den Mainstream, modernisierte das Image, glättete die radikalen Kanten – ohne das rechte Fundament zu verlieren.

Doch ein überzeugender Nachfolger fehlt. Jordan Bardella, aktueller Parteipräsident, gilt als mögliche Option. Jung, rhetorisch talentiert, medienaffin – aber ohne Le Pens Charisma oder ihren Bekanntheitsgrad. In ländlichen Regionen mag er punkten, doch ob er das Momentum in urbanen Milieus halten kann? Fraglich.

Internationale Solidarität – und nationale Spaltung

Das Urteil löste nicht nur in Frankreich Wellen aus. Unterstützung kam prompt von rechtsnationalen Schwergewichten wie Viktor Orbán, Matteo Salvini und Donald Trump. Sie sprachen von einer „politischen Justiz“, einer „verfolgten Patriotin“. Worte, die polarisieren – und gleichzeitig mobilisieren.

In Frankreich selbst gingen die Emotionen hoch. Auf den Straßen: Proteste, teils wütend, teils jubelnd. Während Le-Pen-Anhänger von einem Justizskandal sprachen, atmeten ihre Gegner auf – ein Symbol der Spaltung in der französischen Gesellschaft. Demokratie in Gefahr oder endlich Gerechtigkeit? Jeder scheint seine eigene Wahrheit zu haben.

Die Partei am Scheideweg

Ohne ihre Anführerin steht der RN vor einer Zerreißprobe. Die Herausforderung: den Spagat zwischen Protestpartei und Regierungsoption zu meistern. Das Urteil hat die Frage nach der Ausrichtung neu entfacht – konservative Linie mit klarem Bruch zur Vergangenheit oder Rückfall in radikale Narrative?

Die nächsten Kommunalwahlen 2026 werden der Lackmustest. Hält der Erfolg der Partei auch ohne Le Pen an? Kann ein neuer Kandidat glaubwürdig in ihre Fußstapfen treten – oder bröckelt die Einigkeit unter der Oberfläche?

Politische Konsequenzen

Frankreichs politische Landschaft sortiert sich neu. Präsident Macron hat bereits signalisiert, dass man die Entscheidung der Justiz respektiere, wolle sich aber nicht in laufende Verfahren einmischen. Hinter den Kulissen dürfte man jedoch aufatmen – ein potenzieller Rivale weniger für 2027.

Und die anderen Parteien? Beobachten genau. Die Republikaner wittern Morgenluft, die Sozialisten hoffen auf ein Comeback, die Linke bleibt fragmentiert – wie so oft. Doch eines ist klar: Die Le-Pen-Ära scheint vorbei. Zumindest auf dem Papier.

Ein Erdbeben mit Nachbeben

Noch ist nicht abzusehen, welche langfristigen Folgen das Urteil wirklich haben wird. Wird Marine Le Pen in der Berufung freigesprochen und triumphal zurückkehren? Oder war dies der Anfang vom Ende ihrer politischen Laufbahn?

Politik in Frankreich war selten langweilig – doch mit diesem Urteil hat sich das Spiel verändert. Und das Feld neu sortiert.

Vielleicht fragen sich viele: War das der letzte Akt einer Politikerin, die Frankreichs Rechte neu definierte – oder nur das Vorspiel für ein noch größeres Comeback?

Eines ist sicher: Es bleibt spannend.

Von C. Hatty

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