Wirtschaft

Medef-Chef fordert unbezahlte Karenztage bei Krankschreibungen

Medef-Präsident Patrick Martin will verhindern, dass bestimmte kurze Krankheitszeiten von der Krankenversicherung, Zusatzversicherungen oder Arbeitgebern vergütet werden. Eine entsprechende Gesetzesinitiative gibt es bislang nicht.

Paris – 22.09.2026: Der französische Arbeitgeberverband Medef fordert zwingende, unbezahlte Karenztage bei kurzen Krankschreibungen. Verbandspräsident Patrick Martin sagte am Montag im Sender France 2, bestimmte Zeiten der Arbeitsunfähigkeit sollten weder von der gesetzlichen Krankenversicherung noch von Zusatzversicherungen oder Arbeitgebern vergütet werden. Er verspricht sich davon eine Verhaltensänderung und niedrigere Ausgaben.

Martin sprach von Karenztagen "öffentlicher Ordnung". Gemeint ist eine gesetzliche Regel, die nicht durch Tarifverträge, Betriebsvereinbarungen oder private Zusatzversicherungen zugunsten der Beschäftigten umgangen werden könnte. Anders als bei einer gewöhnlichen Wartezeit bliebe der Verdienstausfall damit zwingend bestehen. Der Medef-Präsident bezog seinen Vorschlag auf kurze Fehlzeiten und grenzte ihn von schweren Erkrankungen ab.

Der Vorstoß fällt in eine Phase strengerer Kontrollen. Seit dem 1. September 2026 müssen Ärzte bei einer Krankschreibung den medizinischen Grund angeben. Erstbescheinigungen sind grundsätzlich auf 31 Tage begrenzt, Verlängerungen auf jeweils 62 Tage. Bei medizinisch begründeten Ausnahmen, etwa schweren oder chronischen Erkrankungen, dürfen diese Höchstdauern überschritten werden.

Hintergrund sind steigende Ausgaben für Krankengeld. Nach Angaben der Sozialversicherung zahlte die allgemeine Krankenversicherung 2025 knapp 11,3 Milliarden Euro für krankheitsbedingte Fehlzeiten. Das entsprach rund elf Prozent der ambulanten Ausgaben innerhalb des nationalen Ausgabenziels der Krankenversicherung. Im Jahr 2014 hatten die Kosten noch bei 6,8 Milliarden Euro gelegen.

Die Sozialversicherung führt den Anstieg auf mehrere Faktoren zurück: Die Erwerbsbevölkerung wächst und wird älter, Fehlzeiten dauern im Durchschnitt länger, zugleich erhöhen steigende Löhne die ausgezahlten Beträge. Außerdem werden Krankschreibungen häufiger in Anspruch genommen. Die Ausgaben legten 2025 mit 2,3 Prozent zwar langsamer zu als 2024; das Volumen der Leistungen wuchs jedoch weiter um 3,5 Prozent.

Der Medef verfolgt diese Linie seit Längerem. Martin hatte bereits im Mai 2025 vor dem Wirtschaftsausschuss der Nationalversammlung zusätzliche Karenztage bei kurzen Krankmeldungen verlangt. Der neue Vorschlag reicht weiter, weil auch Arbeitgeber oder Zusatzversicherungen die entstehende Einkommenslücke nicht schließen dürften.

Für Beschäftigte wären die Folgen unmittelbar: Je nach Dauer der Karenzzeit verlören sie einen Teil ihres Einkommens, sofern das Gesetz keine sozialen oder medizinischen Ausnahmen vorsähe. Wie viele Tage Martin vorsieht und nach welchen Kriterien sie gelten sollen, führte er nicht aus. Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten unterliegen eigenen Regeln und werden von den seit September geltenden Vorgaben für gewöhnliche Krankschreibungen nicht erfasst. Eine Gesetzesinitiative der Regierung lag am 22. September nicht vor.

Quellen

  • Franceinfo
  • Assurance Maladie
  • Direction de la Sécurité sociale
  • Medef

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

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