Ein kleiner Ort in den Seealpen, kaum mehr als ein paar Häuser entlang der kurvigen Straße durch das Roya-Tal – und plötzlich ein Tatort.
Am Donnerstagnachmittag erschütterte ein brutaler Messerangriff das Dorf Fontan im Département Alpes-Maritimes. Eine freiwillige Feuerwehrfrau, 46 Jahre alt, wurde dort schwer verletzt. Der mutmaßliche Täter ist seither verschwunden.
Der Angriff ereignete sich gegen 14.40 Uhr in oder unmittelbar an der Feuerwehrkaserne des Ortes. Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler betrat ein Mann das Gelände und griff die Feuerwehrfrau unvermittelt an. Mit einem Messer fügte er ihr einen Stich in den Bauch zu. Hinweise auf ein Motiv existieren bislang nicht.
Die Szene muss sich innerhalb weniger Sekunden abgespielt haben.
Lokale Medien berichten, der Angreifer habe die Feuerwehrfrau zunächst niedergeschlagen, bevor er zustach. Danach verschwand er sofort – zu Fuß oder mit einem Fahrzeug, darüber herrscht noch keine Klarheit.
Die 1979 geborene Frau erlitt sehr schwere Verletzungen. Dennoch gibt es eine erste vorsichtige Entwarnung: Lebensgefahr besteht nach Angaben der Behörden nicht. Rettungskräfte brachten sie per Hubschrauber in das Krankenhaus Pasteur 2 in Nizza, wo Ärzte sie operativ versorgten.
In der kleinen Gemeinde Fontan, die nur wenige Hundert Einwohner zählt, verbreitete sich die Nachricht wie ein Lauffeuer. Wer dort lebt, kennt sich – oft seit Jahrzehnten. Eine Attacke mitten an der Feuerwehrstation wirkt daher wie ein Schock, der durch das ganze Tal hallt.
Die Staatsanwaltschaft in Nizza leitete umgehend Ermittlungen wegen versuchten Totschlags an einer Feuerwehrangehörigen ein. Zuständig ist die Ermittlungsbrigade der Gendarmerie in Menton.
Gleich nach der Tat begann eine groß angelegte Fahndung. Streifenwagen, Ermittler und Suchtrupps durchkämmten die Umgebung, Straßenkontrollen folgten. Bislang ohne Erfolg. Identität und Beweggründe des Täters bleiben unbekannt.
Die Präfektur der Alpes-Maritimes verurteilte den Angriff scharf und sprach von einer „abscheulichen Tat“. Ziel der Gewalt sei eine Frau gewesen, die im Dienst der Rettung stand – also jemand, der anderen hilft, wenn’s brennt, kracht oder schlicht dringend Hilfe nötig ist.
Auch lokale Politiker meldeten sich zu Wort. Ihre Botschaft: Solidarität mit der verletzten Feuerwehrfrau und mit den Einsatzkräften insgesamt.
Der Vorfall rührt an ein empfindliches Thema.
Seit einigen Jahren schlagen Rettungsdienste in Frankreich Alarm, weil Übergriffe auf Einsatzkräfte häufiger auftreten. Feuerwehrleute, Polizisten oder medizinisches Personal berichten von Beleidigungen, Angriffen und Bedrohungen während Einsätzen.
Fontan zeigt eine besonders verstörende Dimension dieser Entwicklung: Der Angriff geschah nicht auf offener Straße, sondern an einem Ort, der eigentlich Schutz bieten soll – einer Feuerwache.
Für viele Feuerwehrleute besitzt dieser Ort eine beinahe symbolische Bedeutung. Hier beginnt der Einsatz, hier endet er. Hier stehen die Fahrzeuge bereit, hier hängen die Helme an den Haken.
Und genau dort, mitten im Alltag eines kleinen Dorfes, eskalierte die Gewalt.
Die Fahndung nach dem Täter läuft weiterhin auf Hochtouren.
Im Roya-Tal hoffen viele Menschen nun auf eine schnelle Festnahme – und vor allem darauf, dass die verletzte Feuerwehrfrau bald wieder auf die Beine kommt.
Autor: Daniel Ivers