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Aktuell · 05.07.2026 08:44

Mit Arsène Lupin und Emma Bovary unterwegs: Ein literarischer Frankreichführer

Ein neues Buch kartiert die Schauplätze großer Romane: Ismaël Jude und Marie-Clémence Régnier laden dazu ein, Frankreich über Figuren und Fiktionen zu bereisen.

Paris – 05.07.2026: Wer in diesem Sommer seine Ferien nicht nur nach Sonne, Strand und Champagner plant, sondern nach literarischer Neugier, findet nun einen ungewöhnlichen Begleiter. "En France, sur les pas des personnages de roman" zeichnet eine Landkarte der Fiktionen: Orte, an denen Figuren – von Arsène Lupin bis Emma Bovary – zu Hause sind oder ihre Spuren hinterlassen haben. Der Band erscheint bei Éditions Autrement und wendet sich an Reisende ebenso wie an Leserinnen und Leser, die bekannte Schauplätze neu entdecken wollen.

Die Herausgeber Ismaël Jude und Marie-Clémence Régnier bündeln erzählerische Geografie und kulturhistorische Miniaturen. Mit 42 Karten und siebzehn thematischen Rundgängen zeigen sie nicht nur, wo Szenen spielen; sie machen sichtbar, wie Romane Landschaften deuten, formen und mit Bedeutungen aufladen. So wird die Normandie nicht bloß als Küstenstreifen beschrieben, sondern als dichter Raum literarischer Imaginationen – von Flauberts Provinz bis zu Küstenabenteuern.

Das Konzept verbindet Tourismus und Literaturwissenschaft: Kompakte Einführungstexte öffnen den Blick für Werk, Zeit und Tonfall, kurze Kontexte verorten Autorinnen und Autoren, Karten markieren reale Schauplätze ebenso wie literarische Topoi. Dadurch entsteht ein Doppelblick: Man wandert mit Karte und zugleich mit der Stimme des Romans im Ohr. Das vermeidet Kulissenhaftigkeit und schärft den Sinn für die Wechselwirkung zwischen Landschaft und Erzählung.

Praktisch gedacht ist das Buch als ideenreicher Begleiter für alle, die Muße mit Neugier verbinden. Es liefert Routen, Hinweise auf Orte, die sich erschließen lassen, und Anregungen für Abstecher abseits naheliegender Sehenswürdigkeiten. Für Bibliophile bietet es obendrein eine Leseliste – Werke, die man vor Ort wiederlesen oder erstmals aufschlagen möchte. Wer Frankreich bereist, kann so die Patina der Texte mit der Gegenwart der Orte abgleichen und eigene Lesespuren hinterlassen.

Der Band spricht auch jene an, die Kultur als Teil regionaler Identität verstehen: Welche Bilder haben Klassiker geprägt, welche Gegenden leben von Erinnerungen an Romanfiguren, und wie verändern Neuinterpretationen die Wahrnehmung? Solche Fragen durchziehen die Auswahl, ohne belehrend zu werden. Stattdessen dominiert ein Ton des Einladens: Die Karten öffnen Wege, die man zu Fuß, mit dem Zug oder im Kopf gehen kann.

Dass in diesem Sommer Lesungen und Gespräche rund um das Thema geplant sind, unterstreicht das Interesse an einer Literatur, die über Karten und Wege erfahrbar wird. "En France, sur les pas des personnages de roman" richtet sich damit an neugierige Reisende, an Schulklassen auf Exkursion und an Stadtflaneure gleichermaßen. Wer seine Route an Fiktionen ausrichtet, entdeckt Frankreich in Nuancen – und liest das Land, während er es bereist.

Quellen

  • franceinfo
  • Diploweb
  • JDS (Le Journal des spectacles)

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