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Mit Polizeiuniform und falschen Papieren: Die filmreife Flucht aus dem Gefängnis von Villepinte

Es klingt wie eine Szene aus einem Kriminalfilm – doch sie spielte sich tatsächlich in einer Pariser Haftanstalt ab. In der Nacht des Wochenendes vom 7. März 2026 verschwand ein als besonders gefährlich eingestufter Häftling aus der Untersuchungshaftanstalt von Villepinte im Département Seine-Saint-Denis. Kein Tunnel, kein Hubschrauber, kein Schusswechsel. Stattdessen eine Flucht, die fast schon…

Illustration Pixabay

Es klingt wie eine Szene aus einem Kriminalfilm – doch sie spielte sich tatsächlich in einer Pariser Haftanstalt ab.

In der Nacht des Wochenendes vom 7. März 2026 verschwand ein als besonders gefährlich eingestufter Häftling aus der Untersuchungshaftanstalt von Villepinte im Département Seine-Saint-Denis. Kein Tunnel, kein Hubschrauber, kein Schusswechsel. Stattdessen eine Flucht, die fast schon unverschämt simpel wirkt: Der Gefangene ging schlicht durch das Haupttor.

Der Mann heißt Ilyas Kherbouch, 21 Jahre alt, in Polizeikreisen unter dem Spitznamen „Ganito“ bekannt. Ermittler gehen davon aus, dass Komplizen des Häftlings sich als Polizisten verkleideten und ihn "offiziell" aus dem Gefängnis abholten. Eine Inszenierung, so präzise vorbereitet, dass sie zunächst niemandem verdächtig erschien.

Die Geschichte sorgt inzwischen für heftige Diskussionen in Justiz, Politik und bei den Gewerkschaften der Gefängnisbediensteten.

Der Plan selbst wirkt fast banal – gerade darin lag seine Stärke.

Nach bisherigen Erkenntnissen tauchten zwei oder drei Männer in Polizeiuniform an der Pforte der Haftanstalt auf. Sie erklärten, sie seien im Auftrag der Justiz gekommen, um einen Gefangenen zu einer sogenannten „Extraction judiciaire“ abzuholen – also zu einem gerichtlichen Termin außerhalb der Anstalt.

Solche Transporte gehören zum Alltag eines Gefängnisses. Mehrmals täglich verlassen Häftlinge unter Bewachung die Mauern, etwa für Verhöre, medizinische Termine oder Gerichtsverhandlungen.

Die angeblichen Polizisten legten ein Dokument vor, das wie ein offizieller richterlicher Auftrag aussah. In Wahrheit handelte es sich um eine Fälschung.

Doch die Papiere wirkten überzeugend.

Das Personal folgte der Routine: Der Gefangene wurde durchsucht, mit Handschellen versehen und den vermeintlichen Beamten übergeben. Dann öffnete sich das Tor.

Und weg war er.

Erst rund zwei Tage später bemerkte die Gefängnisverwaltung, dass etwas nicht stimmte. Zu diesem Zeitpunkt hatten der Häftling und seine Helfer längst einen komfortablen Vorsprung.

Der Gesuchte gilt keineswegs als Kleinkrimineller.

Trotz seines jungen Alters hatte Ilyas Kherbouch bereits eine beachtliche Liste schwerer Delikte angesammelt: Raubüberfälle in organisierter Bande, Entführungen, Freiheitsberaubung, Einbrüche und sogenannte Home-Jackings – brutale Überfälle auf Menschen in ihren eigenen Wohnungen.

Ermittler ordnen ihn kriminellen Netzwerken zu, die im Großraum Paris aktiv sind.

Mehrere Urteile hatten sich über die Jahre angesammelt. Zusammengerechnet hätte seine Haftzeit bis in die Mitte der 2030er-Jahre reichen können.

Die Ironie der Geschichte wirkt fast zynisch: Nur einen Tag vor seiner spektakulären Flucht hatte ein Gericht ihn in einem weiteren Verfahren erneut zu einer Haftstrafe verurteilt.

Mit anderen Worten: Freiheit stand für ihn in weiter Ferne.

Für die Gefängnisverwaltung ist der Vorfall eine peinliche Niederlage.

Die Haftanstalt von Villepinte gehört zu den Einrichtungen, die seit Jahren unter chronischer Überbelegung leiden. Der Alltag der Beamten folgt einem dichten Rhythmus aus Kontrollen, Transfers, Gerichtsterminen und medizinischen Ausführungen.

Routine kann Sicherheit schaffen.

Oder sie untergraben.

Genau diese Routine scheinen die Komplizen des Flüchtigen ausgenutzt zu haben. Wenn Uniform, Auftreten und Papier stimmen, stellt im stressigen Alltag kaum jemand jede Kleinigkeit infrage.

„Ein ziemlicher Schlag ins Gesicht“, sagen Vertreter der Gefängnisgewerkschaften – und man spürt zwischen den Zeilen: Die Sache tut weh.

Die Justiz reagierte umgehend. Eine nationale Fahndung läuft inzwischen auf Hochtouren. Polizeibehörden überwachen Grenzübergänge, Bahnhöfe und wichtige Verkehrsachsen.

Auch eine Flucht ins Ausland gilt als möglich.

Die Ermittlungen liegen mittlerweile bei einer spezialisierten Pariser Staatsanwaltschaft für organisierte Kriminalität. Sie prüft, ob hinter der Aktion ein größeres Netzwerk steckt.

Frankreich kennt spektakuläre Gefängnisausbrüche: mit Sprengstoff gesprengte Tore, bewaffnete Überfälle auf Gefangenentransporter oder Hubschrauber, die plötzlich über Gefängnishöfen auftauchen.

Doch die Flucht von Villepinte wirkt anders.

Fast schon minimalistisch.

Kein Lärm, kein Chaos, keine Gewalt. Nur eine Uniform, ein gefälschtes Dokument – und die Selbstverständlichkeit, mit der jemand auftritt, der behauptet, im Auftrag des Staates zu handeln.

Man könnte fast sagen: Die Täuschung öffnete das Tor.

Und manchmal reicht genau das.

Von C. Hatty

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