Wer im Zentrum von Beauvais einen Parkplatz sucht, braucht Geduld. Besonders an Markttagen gleicht die Suche einem Geduldsspiel, das mitunter bis zu 30 Minuten dauert. Mit einem neuen digitalen Ansatz will die Stadt in der nordfranzösischen Region Oise nun gegensteuern: Eine KI-gestützte Anwendung soll Autofahrer gezielt zu freien Parkplätzen lotsen – schnell, datenschutzfreundlich und kostenwirksam.
Smarte Laternenmasten und datensparsame Analyse
Herzstück des Systems sind Sensoren, die auf Laternen in der Innenstadt montiert wurden. Statt klassischer Videotechnik oder GPS-Tracking kommen Kameras zum Einsatz, die regelmäßig Aufnahmen der Straße liefern. Eine künstliche Intelligenz analysiert diese Bilder in Echtzeit und erkennt, welche Parkflächen unbesetzt sind. Die Information erscheint unmittelbar in der kostenlosen App "Macaron", die Autofahrern verfügbare Plätze in ihrer Nähe anzeigt.
Das System unterscheidet sich dabei fundamental von vielen bisherigen Smart-City-Lösungen: Es arbeitet strikt anonymisiert. Die KI identifiziert keine Fahrzeugtypen, speichert keine Nummernschilder und verarbeitet keine personenbezogenen Daten. "Die Nummernschilder werden automatisch unkenntlich gemacht. Die einzige Information, die übertragen wird, ist, ob die Parklücke frei oder besetzt ist", betont Samir Boutamdja, der Gründer der App. Die Technologie erfasst also lediglich Fahrzeugformen, aber keine Identitätsmerkmale – ein entscheidender Punkt in Zeiten wachsender Datenschutzbedenken.
Entlastung für Autofahrer und Stadtverwaltung
Aktuell umfasst das Pilotprojekt in Beauvais 360 von insgesamt 28.000 öffentlichen Stellplätzen in der Innenstadt. Die Stadtverwaltung beziffert die laufenden Kosten auf "einige zehntausend Euro jährlich" – ein vergleichsweise geringer Aufwand angesichts des potenziellen Nutzens: weniger Verkehr durch Parkplatzsuchende, geringerer CO₂-Ausstoß, zufriedene Bürger und neue Planungsdaten für den städtischen Raum.
Denn auch für die Stadtverwaltung bringt die Anwendung Vorteile. Statt regelmäßig Mitarbeiter zur Erhebung von Auslastungsdaten durch die Straßen zu schicken, erhält die Behörde automatisiert belastbare Informationen über das Parkplatzverhalten. "Diese Daten fließen direkt in unsere Überlegungen zur Umgestaltung von Straßen und Verkehrsführung ein", erklärt Pierre Tachon, Mobilitätsdirektor der Stadt Beauvais. Insbesondere in mittelgroßen Städten wie Beauvais – mit rund 56.000 Einwohnern – erlaubt das eine datenbasierte und flexible Verkehrsplanung, ohne in großdimensionierte Infrastrukturprojekte investieren zu müssen.
Eine Lösung mit Vorbildcharakter?
Frankreichweit nutzen bislang rund 30 Kommunen die Anwendung "Macaron". Der Ansatz könnte auch über Landesgrenzen hinweg auf Interesse stoßen – insbesondere dort, wo der städtische Parkraum knapp, aber klassische Lösungen wie Tiefgaragenbau oder Verkehrsberuhigung an politische oder finanzielle Grenzen stoßen. In Zeiten urbaner Verdichtung, wachsender Klimasensibilität und digitaler Umbrüche erscheint die Kombination aus smarter Technik und minimalinvasiver Datennutzung als zukunftsweisend.
Ob das System langfristig flächendeckend eingesetzt wird, hängt dabei nicht nur von der technologischen Robustheit, sondern auch von der politischen Bereitschaft ab, neue Formen der Verkehrssteuerung zu akzeptieren. In Beauvais jedenfalls denkt die Stadtverwaltung bereits über eine Ausweitung des Modells nach – ein kleiner, aber vielversprechender Schritt hin zu mehr Effizienz im Alltag und nachhaltigerem urbanem Leben.
Autor: Daniel Ivers