Montpellier – 03.08.2026: Im Pathé Odysseum hat sich Christopher Nolans "Odyssee" in ein seltenes Kinoritual verwandelt. Das Haus ist derzeit das einzige in Frankreich, das den Film als IMAX-70-mm-Kopie vorführt. Der Saal mit 222 Plätzen ist nach Angaben von Franceinfo bis in den September ausverkauft. Für eine Filmfassung von fast drei Stunden Dauer nehmen Besucher weite Anreisen in Kauf.
Aus Spanien, Italien und der Schweiz kommen Zuschauer nach Montpellier, ebenso aus Marseille, Lyon und Paris. Die Stadt am Mittelmeer wird damit für einige Wochen zum Anziehungspunkt des analogen Großbildkinos. Es ist eine Reise zu einer Vorführtechnik, deren Voraussetzungen im üblichen Multiplexbetrieb nahezu verschwunden sind: gewaltige Filmrollen, ein spezieller Projektor und Personal, das eine mechanisch anspruchsvolle Kopie sicher bedienen kann.
IMAX 70 mm bezeichnet keine besonders hochauflösende digitale Projektion. Gezeigt wird ein großformatiger Filmstreifen, der horizontal durch den Projektor läuft und pro Bild 15 Perforationslöcher besitzt. Dadurch steht eine deutlich größere Bildfläche zur Verfügung als beim verbreiteten 35-mm-Film. Auf einer entsprechend gebauten Leinwand kann das Seitenverhältnis bis zu 1,43:1 betragen; das Bild öffnet sich stärker in der Höhe und füllt einen größeren Teil des Blickfelds.
Nolan hat seine Verfilmung des homerischen Epos vollständig mit IMAX-Filmkameras gedreht. Nach Angaben des Unternehmens IMAX ist "The Odyssey" der erste abendfüllende Kinofilm, der durchgehend in diesem Verfahren entstand. Eine weiterentwickelte Kameratechnik sollte Aufnahmen von Dialogszenen mit synchronem Ton erleichtern, ohne auf die besondere Bildwirkung des Großformats zu verzichten. Der Regisseur verbindet die antike Irrfahrt des Odysseus damit mit einer betont materiellen Vorstellung vom Kino.
Der Andrang in Montpellier fügt sich in ein internationales Bild. IMAX meldete zum Kinostart am 17. Juli 2026 Rekordumsätze und einen ungewöhnlich hohen Anteil des Formats am weltweiten Einspielergebnis. Weltweit verfügen nur wenige Säle über die nötige Infrastruktur. In der Europäischen Union gehören neben Montpellier auch Brüssel und Prag zu den wenigen Orten, an denen eine IMAX-70-mm-Projektion angeboten wird.
Dass die Karten bis September vergriffen sind, erzählt ebenso von technischer Knappheit wie von Kinobegeisterung. Digitale Säle können einen Film nahezu beliebig oft und zeitgleich zeigen; die analoge Großkopie verlangt dagegen einen geeigneten Raum, eine besondere Maschine und eine präzise Vorführung. Dadurch erhält das Pathé Odysseum für diesen Sommer eine Sonderstellung im französischen Kinonetz. Der Andrang gilt einer konkreten Aufführungsform: Nolans "Odyssee" ist in Montpellier auf dem Filmformat zu sehen, für das sie aufgenommen wurde.
Quellen
- Franceinfo
- IMAX
- Associated Press
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).