Aktuell · 03.07.2026 02:25
Nach Brandtragödie von Crans-Montana: Ehepaar Moretti plant Wiederbetrieb zweier Lokale über Dritte
Sie prüfen eine Auslagerung an einen externen Betreiber, Bewilligungen liegen laut Berichten noch nicht vor. Angehörige protestieren, die Staatsanwaltschaft ermittelt weiter wegen Fahrlässigkeitsdelikten.
Crans-Montana – 02.07.2026: In Crans-Montana sorgt die Perspektive einer teilweisen Rückkehr der Gastronomieaktivitäten von Jacques und Jessica Moretti für scharfe Kontroversen. Nach dem verheerenden Brand im Nachtlokal Le Constellation, bei dem in der Silvesternacht 41 Menschen starben und zahlreiche Gäste verletzt wurden, unternehmen die Morettis laut übereinstimmenden Medienberichten Schritte, um zwei weitere Lokale in der Region wieder betreiben zu lassen – allerdings nicht mehr in eigener Regie.
Nach Angaben ihrer Anwälte wurde eine neue Gesellschaft gegründet, die als externe Betreiberin fungieren soll. Die Eheleute behielten demnach die Liegenschaften, die Bewirtschaftung würde an Dritte übergehen. Diese Konstruktion sei rechtlich zulässig, sofern kantonale Bewilligungen vorlägen und alle Auflagen erfüllt würden, heißt es aus dem Verteidigerumfeld. Konkrete Betriebsbewilligungen für die betroffenen Lokale liegen nach derzeitigem Kenntnisstand jedoch nicht vor; zuständig sind die Behörden des Kantons Wallis und die lokalen Bau- und Sicherheitsstellen.
Der Vorstoß trifft auf heftigen Widerstand. Angehörige der Opfer, Anwohnerinnen und Anwohner sowie Opfervertreter kritisieren den Zeitpunkt als unsensibel und verweisen auf anhaltende Trauerarbeit. Eine Online-Petition, die eine Wiederaufnahme der Geschäfte der Familie verhindern will, sammelte binnen kurzer Zeit zehntausende Unterschriften. Auch mehrere Klägervertreter warnen vor einer zusätzlichen psychischen Belastung der Betroffenen, solange die strafrechtliche Aufarbeitung nicht abgeschlossen ist.
Die Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis ermittelt weiter gegen die Betreiber des Constellation. Gegen Jacques und Jessica Moretti laufen Verfahren wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Brandstiftung und fahrlässiger Körperverletzung. Parallel prüfen die Behörden technische und organisatorische Fragen des Brandschutzes. In kantonalen Registern verzeichnete Gesellschaftseintragungen an Adressen der Lokale werden in Medien als Hinweis auf neue Rechtsformen oder Pachtmodelle gewertet; daraus ergebe sich jedoch noch keine Betriebsbewilligung.
Für eine mögliche Wiedereröffnung wären neben gastgewerblichen Lizenzen strenge Sicherheits- und Brandschutzauflagen maßgeblich, etwa Evakuierungswege, Kapazitätsgrenzen, Alarmsysteme und regelmäßige Kontrollen. Erfahrungsgemäß binden die Gemeinden und der Kanton bei sensiblen Fällen auch Polizei, Feuerwehr und Baukontrollen ein. Ob es dazu kommt, hängt vom Fortgang der Strafuntersuchung und vom Ergebnis der behördlichen Prüfungen ab.
Im Ort bleibt die Stimmung angespannt. Trauerfeiern, Mahnwachen und provisorische Gedenkorte prägen das Bild seit Monaten. Viele hoffen auf Klarheit zu Ursache, Verantwortlichkeiten und künftigen Sicherheitsstandards. Bis zu belastbaren Entscheiden der Behörden bleibt offen, ob und wann die beiden weiteren Betriebe wieder Gäste empfangen dürfen.
Quellen
- franceinfo
- Le Parisien
- Euronews
- Associated Press
- Le Monde