Frankreich

Nach Sturm Austen: In der Bretagne bangen Händler um ihre Waren

Der Sturm Austen hinterlässt in der Bretagne umgestürzte Bäume, beschädigte Stromleitungen und große Sorgen. Zehntausende Haushalte sitzen am Freitagabend noch immer im Dunkeln. Besonders hart trifft der Stromausfall Lebensmittelhändler, deren Kühltruhen längst nicht mehr zuverlässig arbeiten. Für manche geht es inzwischen um Waren im Wert von mehreren Zehntausend Euro. Ein Supermarkt im bretonischen Lannion. Die…

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Der Sturm Austen hinterlässt in der Bretagne umgestürzte Bäume, beschädigte Stromleitungen und große Sorgen. Zehntausende Haushalte sitzen am Freitagabend noch immer im Dunkeln. Besonders hart trifft der Stromausfall Lebensmittelhändler, deren Kühltruhen längst nicht mehr zuverlässig arbeiten. Für manche geht es inzwischen um Waren im Wert von mehreren Zehntausend Euro.

Ein Supermarkt im bretonischen Lannion. Die Türen bleiben geschlossen, das elektrische Rollgitter rührt sich nicht. Drinnen lagern Lebensmittel, die eigentlich längst über die Ladentheke gehen sollten. Doch ohne Strom steht der Betrieb still. Und während draußen die Aufräumarbeiten nach Sturm Austen beginnen, läuft drinnen die Zeit gegen die Händler.

Denn Fleisch, Fisch, Milchprodukte und andere empfindliche Waren vertragen keine längeren Unterbrechungen der Kühlung.

Wie lange bleibt die Ware noch genießbar, wenn die Kühlanlagen schweigen?

Für einen Supermarktbetreiber in Lannion im Département Côtes d’Armor steht einiges auf dem Spiel. Zwischen 15.000 und 20.000 Euro könnte ihn der Stromausfall kosten, falls die Versorgung nicht rechtzeitig zurückkehrt. Noch handelt es sich um einen befürchteten Schaden, nicht um eine endgültige Bilanz.

Doch allein diese Aussicht reicht, um aus einem ohnehin schwierigen Freitag einen wirtschaftlichen Albtraum zu machen.

Zehntausende Bretonen weiterhin ohne Strom

Sturm Austen fegte in der Nacht zum Freitag, dem 23. Oktober, über die Bretagne hinweg. Heftige Böen rissen Äste von den Bäumen, beschädigten Leitungen und blockierten Straßen. Besonders entlang der Küste erreichten die Windgeschwindigkeiten zwischen 120 und 140 Kilometer pro Stunde.

Am Freitagmorgen meldete der Stromnetzbetreiber Enedis zunächst 128.000 Haushalte ohne Elektrizität in der Bretagne. Gegen Mittag stieg diese Zahl auf rund 148.500.

In der gesamten betroffenen Großregion Nordwestfrankreichs lag die Zahl zeitweise sogar bei knapp 289.000 Haushalten.

Bis 18 Uhr entspannte sich die Lage in der Bretagne spürbar. Dennoch blieben dort noch 65.800 Haushalte ohne Strom. Über sämtliche betroffenen Regionen hinweg waren es weiterhin rund 242.000.

Hinter diesen Zahlen stecken Familien ohne warmes Abendessen, ältere Menschen in dunklen Wohnungen und Geschäftsleute, die auf ihre stillstehenden Kühlgeräte blicken.

Ein Sturm zieht innerhalb weniger Stunden weiter. Seine Folgen bleiben oft tagelang.

Wenn jede Minute Geld kostet

Für Lebensmittelgeschäfte bedeutet ein Stromausfall weit mehr als eine vorübergehend geschlossene Kasse.

Ohne funktionierende Kühlung steigen die Temperaturen in empfindlichen Warenbeständen. Je länger dieser Zustand anhält, desto größer das Risiko, dass Lebensmittel aus Sicherheitsgründen entsorgt werden müssen.

Dabei entscheidet nicht allein die Dauer des Ausfalls. Auch die tatsächlichen Lagertemperaturen, die Art der Produkte und die Bedingungen während der Unterbrechung spielen eine Rolle.

Ein Händler verliert unter Umständen doppelt: Erst bleiben die Kunden aus, anschließend landet ein Teil der bereits bezahlten Ware im Müll.

Das tut weh.

Besonders kleinere Geschäfte verfügen nicht immer über Notstromaggregate oder ausreichende finanzielle Reserven. Ein einziger verlorener Warenbestand belastet ihre wirtschaftliche Situation erheblich.

Und wer ersetzt den Schaden, wenn der Sturm längst weitergezogen ist?

Ob Versicherungen einspringen, hängt von den jeweiligen Verträgen, den versicherten Risiken und den konkreten Umständen ab. Für betroffene Geschäftsleute beginnt deshalb nach der Wiederherstellung der Stromversorgung möglicherweise schon die nächste Herausforderung: Schäden dokumentieren, Bestände kontrollieren und finanzielle Verluste beziffern.

Reparaturtrupps kämpfen gegen die Folgen des Sturms

Enedis mobilisierte mehr als 2.000 Beschäftigte und zusätzliche Kräfte von Partnerunternehmen. Mehrere Hundert Techniker der schnellen Eingreiftruppe FIRE sollten die Reparaturarbeiten unterstützen.

Doch vielerorts erschweren umgestürzte Bäume, beschädigte Straßen und gefährliche Wetterbedingungen den Zugang zu den Stromleitungen.

Gerade die im Oktober noch dicht belaubten Bäume boten den heftigen Windböen eine große Angriffsfläche.

Auch der Bahnverkehr geriet durcheinander. In der Bretagne fielen Verbindungen aus, in der benachbarten Normandie mussten Strecken zeitweise gesperrt bleiben. Weitere Einschränkungen waren für Samstag angekündigt.

Nicht nur Geschäfte leiden unter den Unterbrechungen. Dienstleister sagen Termine ab, Bewohner suchen geöffnete Cafés und Läden auf, um sich aufzuwärmen oder wenigstens einen heißen Kaffee zu bekommen.

Ein kleines Stück Normalität inmitten des Chaos.

Das bange Warten auf den Strom

Am Freitagabend steht noch nicht fest, wann sämtliche betroffenen Haushalte wieder zuverlässig versorgt sind. Enedis nennt keinen verbindlichen Termin für die vollständige Wiederherstellung.

Für die Händler zählt deshalb jede Stunde.

In Lannion und anderen betroffenen Orten entscheidet sich erst nach der Rückkehr des Stroms, welche Vorräte noch verkauft werden dürfen und welche endgültig verloren sind.

Draußen legt sich der Wind langsam. Auf den Straßen beginnen die Aufräumarbeiten, und nach und nach kehrt Licht in die Häuser zurück.

Doch hinter mancher geschlossenen Ladentür bleibt die Sorge.

Denn manchmal hinterlässt ein Sturm seine tiefsten Spuren nicht auf den Straßen, sondern in den Kassenbüchern der Menschen, die dort ihren Lebensunterhalt verdienen.

Ein Artikel von M. Legrand

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