Politik & Gesellschaft

Nach Zugunglück bei Rouen wird die Notbremsung des Lokführers untersucht

Vier Tage nach der Entgleisung eines Regionalzugs bei Cléon mit 44 Verletzten rekonstruiert die Justiz die letzten Sekunden vor dem Aufprall. Der Lokführer hatte ein Schienenstück auf dem Gleis bemerkt und eine Notbremsung eingeleitet.

Cléon – 15.09.2026: Vier Tage nach der Entgleisung eines Regionalzugs auf der Strecke Rouen-Caen untersuchen die Ermittler die wenigen Sekunden vor dem Aufprall. Der Zug war am Freitag, 11. September, gegen 19.45 Uhr südlich von Rouen bei Cléon im Département Seine-Maritime aus den Schienen geraten. Von 186 Reisenden wurden 44 verletzt.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Rouen bemerkte der Lokführer unmittelbar vor dem Unfall ein Schienenstück, das leicht quer auf einem Gleis gelegen haben soll. Daraufhin leitete er eine Notbremsung ein. Staatsanwalt Sébastien Gallois erklärte am Montag, diese Reaktion habe wahrscheinlich verhindert, dass der Unfall noch schwerere Folgen hatte. Alkohol- und Drogentests beim Lokführer fielen negativ aus.

Die Ermittlungen konzentrieren sich auf ein etwa fünf Meter langes und mehrere Hundert Kilogramm schweres Schienenstück. Nach bisherigem Stand könnte es die Entgleisung verursacht haben. Ungeklärt ist, wie das Teil auf die Strecke gelangte. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen der Verletzungen der Fahrgäste; mit den Untersuchungen ist die Kriminalpolizei von Rouen betraut.

Besonders wichtig ist die zeitliche Abfolge vor dem Unfall. Nach Informationen aus dem Bahnsektor war die Strecke kurz zuvor noch von anderen Zügen befahren worden. Etwa eine Stunde vor der Entgleisung passierte ein Zug die Stelle in derselben Richtung, rund 30 Minuten zuvor fuhr ein weiterer Zug in der Gegenrichtung vorbei. Nun müssen Spurensicherung, technische Gutachten und Zeugenbefragungen klären, ob das Hindernis erst danach auf das Gleis gelangte.

Für einen vorsätzlichen Hintergrund gibt es bislang keine gesicherten Belege. Innenminister Laurent Nuñez hatte am Sonntag vor voreiligen Schlussfolgerungen gewarnt: Zu diesem Zeitpunkt werde keine Spur bevorzugt oder ausgeschlossen. Auch die Staatsanwaltschaft verweist darauf, dass die Herkunft des Schienenstücks weiterhin unbekannt ist. Von einem Anschlag oder einer gezielten Tat kann daher derzeit nicht gesprochen werden.

Die am schwersten verletzte Reisende, eine 18-Jährige, wird weiterhin im Krankenhaus behandelt. Nach Angaben des Staatsanwalts besteht jedoch keine Sorge mehr, dass sie in Lebensgefahr schwebt oder eine schwere dauerhafte Beeinträchtigung zurückbehält. Drei weitere Verletzte waren am Samstag noch in stationärer Behandlung. Auf der Bahnverbindung zwischen Rouen und Elbeuf gelten wegen der Arbeiten am Unfallort weiterhin Einschränkungen.

Parallel zu den strafrechtlichen Ermittlungen untersucht die französische Staatsbahn SNCF die beschädigte Strecke und die entgleisten Zugteile. Bergung und technische Begutachtung können erst nach der Freigabe des Unfallorts vollständig fortgesetzt werden. Die Regionalgesellschaft SNCF Normandie erklärte, ihre Mitarbeiter unterstützten die Behörden. Vor der Wiederaufnahme des regulären Verkehrs müsse die Sicherheit der Anlagen gewährleistet sein.

Quellen

  • Franceinfo
  • Agence France-Presse
  • SNCF Nomad Train
  • TF1 Info
  • Le Monde

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).