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Naturpark Loire-Anjou-Touraine: Ein Streifzug durch das grüne Herz Frankreichs

Eingebettet zwischen den majestätischen Flüssen Loire und Vienne, öffnet sich im Westen Frankreichs ein Kleinod der Natur und Kultur – der Naturpark Loire-Anjou-Touraine. Mit sanften Hügellandschaften, märchenhaften Schlössern und charmanten Dörfern wirkt dieser Ort wie ein lebendiges Gemälde. Wer hierherkommt, wird nicht nur mit unberührter Natur belohnt, sondern auch mit einer Reise durch die Geschichte.…

Foto Andrea Villiers

Eingebettet zwischen den majestätischen Flüssen Loire und Vienne, öffnet sich im Westen Frankreichs ein Kleinod der Natur und Kultur – der Naturpark Loire-Anjou-Touraine. Mit sanften Hügellandschaften, märchenhaften Schlössern und charmanten Dörfern wirkt dieser Ort wie ein lebendiges Gemälde. Wer hierherkommt, wird nicht nur mit unberührter Natur belohnt, sondern auch mit einer Reise durch die Geschichte. Doch was genau macht diesen Naturpark so besonders?

Ein Überblick über den Naturpark Loire-Anjou-Touraine

Der Parc naturel régional Loire-Anjou-Touraine erstreckt sich über rund 270.000 Hektar, eine Fläche, die größer als die Stadt Paris ist. Gegründet wurde der Park im Jahr 1996, um das einzigartige Ökosystem und die kulturellen Schätze entlang der Loire zu schützen und gleichzeitig nachhaltig zu entwickeln. Die Vielfalt des Parks zeigt sich in seinen dichten Wäldern, klaren Flüssen und weiten Weinbergen – und natürlich in den atemberaubenden historischen Gebäuden, die seit Jahrhunderten das Landschaftsbild prägen.

Mit über 100 Gemeinden, die an den Park angrenzen oder zu ihm gehören, und zwei Hauptstädten – Angers und Tours – gibt es viel zu entdecken. Doch was sind die besten Orte, um diesen Park wirklich zu erleben?

Station 1: Die Stadt Saumur – Reitkunst und unterirdische Welten

Saumur ist der ideale Startpunkt für eine Erkundungstour durch den Naturpark. Das Städtchen ist berühmt für seine historische Reitschule, die Cadre Noir, deren Geschichte bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht. Hier wird die klassische französische Reitkunst gepflegt, und bei den Vorführungen zeigt die Elite der französischen Reiter spektakuläre Dressur-Kunststücke. Ein wahrer Augenschmaus!

Wer Saumur verlässt, um die umliegende Natur zu erkunden, sollte unbedingt auch einen Blick in die unterirdische Welt der „Tuffeau“-Steine werfen. Der weiche Kalkstein, der hier abgebaut wird, war einst das Baumaterial für die meisten Schlösser der Region. Heute verstecken sich in diesen geheimnisvollen Höhlen oft Weinkeller – und ein Besuch bietet nicht nur die Gelegenheit, mehr über die Geologie der Region zu erfahren, sondern auch, einen exzellenten Tropfen der lokalen Weingüter zu genießen.

Station 2: Chinon – Auf den Spuren von Jeanne d'Arc

Die malerische Stadt Chinon liegt am Fluss Vienne und beeindruckt durch ihre mittelalterliche Architektur. Doch der wahre Star von Chinon ist die imposante Festung, die über der Stadt thront. Hier, in der Festung von Chinon, traf Jeanne d'Arc 1429 auf Karl VII., um ihn zu überzeugen, die französische Krone zurückzuerobern – ein historischer Moment, der die Geschicke Frankreichs veränderte.

Ein Spaziergang durch Chinon ist wie ein Streifzug durch vergangene Jahrhunderte. Die verwinkelten Gassen, die alten Fachwerkhäuser und die kleinen, urigen Cafés verleihen dem Städtchen einen besonderen Charme. Und wer die Stufen zur Burg erklimmt, wird mit einem Blick über die Vienne und die umliegenden Weingärten belohnt – ein echtes Postkartenmotiv.

Station 3: Fontevraud-l’Abbaye – Ruhe und Mystik im Kloster

Das Kloster Fontevraud ist nicht nur ein spiritueller Ort, sondern auch eines der größten und am besten erhaltenen Klöster Europas. Die Abtei wurde im Jahr 1101 gegründet und diente nicht nur als religiöser Rückzugsort, sondern auch als letzte Ruhestätte für einige der mächtigsten Herrscher des Mittelalters, darunter Richard Löwenherz und seine Mutter Eleonore von Aquitanien.

Die weitläufige Anlage strahlt eine beruhigende Stille aus. Die gotischen Hallen, die prachtvollen Wandmalereien und die grünen Gärten laden dazu ein, die Hektik des Alltags hinter sich zu lassen und in eine andere Zeit einzutauchen. Besonders bei Sonnenuntergang – wenn das Licht die alten Mauern in warme Farben taucht – ist dieser Ort magisch. Warum also nicht ein wenig verweilen und die Atmosphäre aufsaugen?

Station 4: Schloss Ussé – das Märchenschloss an der Loire

Nur wenige Kilometer entfernt liegt das Schloss Ussé – ein Schloss, das so romantisch und märchenhaft aussieht, dass es als Inspiration für Dornröschens Schloss diente. Mit seinen Türmchen, Erkern und Zinnen scheint es direkt einem Märchen entsprungen zu sein.

Die Innenräume des Schlosses sind ebenso beeindruckend wie die Außenfassade. Opulente Möbel, riesige Wandteppiche und kunstvolle Gemälde zieren die Säle, und die Gärten des Schlosses – angelegt von keinem Geringeren als André Le Nôtre, dem Gartenarchitekten von Versailles – laden zum Verweilen ein. In den Sommermonaten finden im Schloss auch oft Ausstellungen und Veranstaltungen statt, die das Schloss noch lebendiger machen.

Kulturelle Highlights – Tradition und Handwerk

Die Region rund um den Naturpark Loire-Anjou-Touraine ist reich an handwerklicher Tradition. Von Weinkellereien bis hin zu kleinen Handwerksbetrieben findet man hier eine Fülle an lokalem Können und Wissen. Besonders das Kunsthandwerk hat einen hohen Stellenwert, und in den kleinen Dörfern und Städten des Naturparks kann man erfahrenen Handwerkern über die Schulter schauen. In Saumur etwa gibt es Werkstätten, die sich auf Tuffeau-Skulpturen spezialisiert haben, und in Montsoreau werden nach wie vor Korbwaren in traditioneller Technik gefertigt.

Besonders hervorzuheben ist die Kunst der Textilherstellung und des Stoffdrucks, die in der Region seit Jahrhunderten gepflegt wird. Das bekannte „Indienne“-Muster, ein traditionelles florales Design, wird hier oft noch auf Stoffe gedruckt und zu Dekorationsartikeln verarbeitet.

Kulinarische Köstlichkeiten – Wein, Ziegenkäse und Saumagen

Die französische Küche ist weit über die Grenzen bekannt, und die Region Loire-Anjou-Touraine bietet einige ganz besondere Genüsse. Die Weine der Loire, darunter die weißen Chenin Blanc und die roten Cabernet Franc, sind weltberühmt. Ein Besuch in einem der vielen Weingüter ist fast schon Pflicht – und natürlich darf eine Verkostung nicht fehlen.

Ein weiteres Highlight ist der berühmte „Chavignol“-Ziegenkäse, der in der Region rund um den Naturpark hergestellt wird. Er ist besonders mild und cremig, mit einem leicht nussigen Geschmack. Dazu passt ein Glas Chenin Blanc perfekt. Oder soll es lieber der „Rillons“ sein? Diese deftige Delikatesse, ähnlich wie Speck, stammt aus der Gegend und wird oft als kleiner Snack zwischendurch gereicht.

Für diejenigen, die es deftig mögen, gibt es in der Region den „Saumagen“, ein typisches Gericht, das aus einer Mischung von Fleisch und Gemüse besteht und im Schweinemagen gegart wird. Ein Gericht mit Geschichte – und mit einem kräftigen Geschmack, den man unbedingt probieren sollte.

Empfehlungen und Tipps für eine unvergessliche Reise

Der Naturpark Loire-Anjou-Touraine ist ein Paradies für Geschichtsfreunde, Naturfreunde und Genießer. Die besten Monate für einen Besuch sind der Frühling und der Herbst, wenn das Wetter mild ist und die Natur in voller Pracht steht. Für längere Aufenthalte bieten viele Weingüter und Landhäuser charmante Unterkünfte an – oft mit herzlicher Gastfreundschaft und selbstgemachtem Frühstück.

Ein Tipp für Abenteuerlustige: Mieten Sie sich ein Fahrrad und radeln Sie entlang der Loire – der Radweg „Loire à Vélo“ führt direkt durch den Naturpark und verbindet die schönsten Orte miteinander. Wer sich nach einer erholsamen Auszeit sehnt, kann auch ein Paddelboot mieten und die Loire vom Wasser aus entdecken.

Und wer sich schließlich auf den Rückweg macht, wird feststellen, dass dieser Ort ein Stückchen seines Herzens behalten hat.

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