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Neonazis marschierten durch Paris – Scharfe Kritik an Regierung und Justiz

Ein Samstag im Mai, mitten in Paris. Die Sonne scheint, Touristen flanieren an der Seine – und rund tausend Rechtsextreme ziehen mit keltischen Kreuzen, martialischen Sprüchen und teils offenem Nazi-Gehabe durch die Straßen. Was nach einem düsteren Kapitel der Vergangenheit klingt, war Realität am 10. Mai 2025. Organisiert wurde der Aufmarsch vom sogenannten „Comité du…

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Ein Samstag im Mai, mitten in Paris. Die Sonne scheint, Touristen flanieren an der Seine – und rund tausend Rechtsextreme ziehen mit keltischen Kreuzen, martialischen Sprüchen und teils offenem Nazi-Gehabe durch die Straßen. Was nach einem düsteren Kapitel der Vergangenheit klingt, war Realität am 10. Mai 2025. Organisiert wurde der Aufmarsch vom sogenannten „Comité du 9 mai“, einer neofaschistischen Gruppe, die jährlich den Tod eines Aktivisten der extremen Rechten von 1994 glorifiziert.

Doch in diesem Jahr ist etwas anders.

Während die Bilder des Aufmarschs durchs Netz kursieren, entbrennt eine landesweite Debatte – über Meinungsfreiheit, staatliches Wegsehen und die scheinbare Ohnmacht gegenüber dem Hass auf offener Straße.

https://twitter.com/PanettonePazzo/status/1921231105337823466

Justiz soll ermitteln – doch warum erst jetzt?

Innenminister Bruno Retailleau zeigte sich angesichts der martialischen Szenen besorgt. Mehr noch: Er kündigte an, die Justiz einzuschalten. Videos zeigten, wie Demonstranten keltische Kreuze trugen, die eng mit rechtsextremer Symbolik verknüpft sind, T-Shirts mit NS-Ästhetik zur Schau stellten und – erschütternd deutlich – ein Hakenkreuz als Tätowierung auf dem Arm eines Teilnehmers prangte.

Retailleau meldete diese Beobachtungen gemäß Artikel 40 der Strafprozessordnung – das ist der rechtliche Weg, wenn ein Amtsträger von möglichen Straftaten erfährt.

Doch die Frage bleibt: Warum wurde die Demonstration nicht verhindert?

https://twitter.com/Mediavenir/status/1920898251315662861

Verbot aufgehoben – ein juristischer Bumerang?

Tatsächlich hatte die Pariser Polizeipräfektur das neofaschistische Gedenken zunächst untersagt. Die Begründung: Gefahr für die öffentliche Ordnung. Eigentlich logisch, möchte man meinen.

Aber das Pariser Verwaltungsgericht machte dem einen Strich durch die Rechnung. Mit Verweis auf die Veranstaltung im Vorjahr – die damals ohne größere Vorfälle über die Bühne ging – setzte das Gericht das Verbot außer Kraft. Der Aufmarsch durfte stattfinden.

Diese Entscheidung wirkt nun wie ein Schlag ins Gesicht für viele – insbesondere für jene, die sich klar gegen rechtsextreme Ideologien stellen.

https://twitter.com/libe/status/1789604417647280225

Empörung auf der Linken – Doppelstandards?

Linke und grüne Politiker*innen reagierten prompt – und lautstark. Thomas Portes von La France insoumise sprach von einem „stillen Einverständnis“ des Innenministers. Seine Parteikollegin Manon Aubry erinnerte daran, dass am selben Tag eine antifaschistische Gegendemonstration untersagt wurde. Ein Detail, das den bitteren Beigeschmack noch verstärkt.

Sandrine Rousseau, Abgeordnete der Grünen, stellte eine zentrale Frage: Wie kann es sein, dass in Paris wieder Nazisymbole gezeigt werden – und der Staat schaut einfach zu?

Wer soll da noch verstehen, wo die Grenze der Meinungsfreiheit liegt?

Symbolpolitik statt Konsequenz?

Die Reaktionen aus der Regierung wirken auf viele Beobachter wie Symbolpolitik. Ein später Hinweis an die Justiz, ein paar medienwirksame Aussagen – und dann? Wenn der Rechtsstaat nicht in der Lage ist, solche Aufmärsche zu verhindern oder zumindest sofort zu sanktionieren, sendet das ein fatales Signal.

Natürlich: Es gibt das Recht auf Versammlungsfreiheit. Doch auch dieses hat Grenzen. Und die scheinen hier deutlich überschritten worden zu sein.

Was bedeutet das für die französische Gesellschaft?

Frankreich steht an einem Scheideweg. Zwischen konsequentem Eintreten für demokratische Werte – und einem Staat, der es nicht schafft, seine roten Linien zu verteidigen. Wenn neonazistische Gruppen ihre Parolen und Symbole ungestraft auf Pariser Boulevards präsentieren dürfen, stellt sich unweigerlich die Frage: Wie wachsam ist unsere Demokratie noch?

Die politische Debatte dürfte also weitergehen. Und mit ihr die Auseinandersetzung über die vielzitierte „wehrhafte Demokratie“. Denn eines ist klar: Schweigen – egal ob auf der Straße oder im Justizpalast – hilft nur denen, die unsere Grundwerte verachten.

Von Andreas M. Brucker