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Neue Fronten, alte Versprechen: Frankreichs strategischer Schulterschluss mit der Ukraine

Inmitten eines sich zuspitzenden Krieges hat der französische Präsident Emmanuel Macron am Sonntag, dem 7. September 2025, ein ausführliches Telefongespräch mit seinem ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj geführt. Anlass war ein massiver russischer Luftangriff auf Kiew, bei dem unter anderem das Regierungsviertel der ukrainischen Hauptstadt getroffen wurde. Die Konversation der beiden Staatschefs unterstreicht nicht nur Frankreichs…

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Inmitten eines sich zuspitzenden Krieges hat der französische Präsident Emmanuel Macron am Sonntag, dem 7. September 2025, ein ausführliches Telefongespräch mit seinem ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj geführt. Anlass war ein massiver russischer Luftangriff auf Kiew, bei dem unter anderem das Regierungsviertel der ukrainischen Hauptstadt getroffen wurde. Die Konversation der beiden Staatschefs unterstreicht nicht nur Frankreichs andauernde politische und militärische Unterstützung für die Ukraine, sondern auch eine geopolitische Neuverortung Europas – weg von strategischer Ambiguität, hin zu klarer sicherheitspolitischer Positionierung.

Eskalation in der Ukraine: Der Krieg kennt keine Pause

Russlands jüngste Angriffswelle vom 5. September zielte mit Präzisionsraketen auf strategische Infrastrukturen, darunter das Regierungsgebäude in Kiew. Laut ukrainischen Quellen handelte es sich um einen der massivsten Angriffe seit Beginn der Invasion im Februar 2022. Der symbolische Gehalt der Attacke ist ebenso unübersehbar wie ihre operative Absicht: Moskau will die Resilienz der ukrainischen Regierung untergraben und den internationalen Rückhalt testen.

Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Schon wenige Stunden nach dem Angriff rief Paris zu einem Sondertreffen der sogenannten „Koalition der Freiwilligen“. 26 Staaten – darunter neben Frankreich auch Großbritannien, Deutschland, Polen und Kanada – bekräftigten in einer gemeinsamen Erklärung ihr langfristiges Engagement für die ukrainische Sicherheit. Diese Zusage geht über humanitäre und militärische Hilfe hinaus: Diskutiert wird aktuell der Aufbau einer multinationalen Sicherheitsarchitektur, einer Art „strategischer Rückversicherung“ für die Nachkriegszeit.

„Koalition der Freiwilligen“: Ein Ersatz für die NATO?

Die Entstehung der „Koalition der Freiwilligen“ markiert eine neue Phase westlicher Koordination in der Ukraine-Frage. Entstanden am Rande des NATO-Gipfels 2024 in Washington, versteht sich dieses Format als flexibel, politisch reaktionsfähig und nicht an einstimmige Bündnisentscheidungen gebunden. Für Präsident Macron ist dieses Konstrukt ein ideales Mittel, um Frankreichs geopolitische Autonomie zu wahren und zugleich konkrete Verantwortung zu übernehmen.

In der Telefonschaltung mit Selenskyj betonte Macron laut Élysée-Palast erneut Frankreichs Bereitschaft, langfristige Sicherheitsgarantien für die Ukraine mitzugestalten. Dies umfasst laut französischen Regierungsquellen unter anderem Ausbildungshilfen, Aufklärungskapazitäten, Cyberabwehr – und perspektivisch auch die Stationierung französischer Berater in der Ostukraine. Eine Truppenentsendung ist bisher zwar nicht offiziell angedacht, wird in sicherheitspolitischen Kreisen jedoch zunehmend diskutiert, sollte die russische Offensive an Intensität gewinnen.

Frankreichs Ukraine-Politik: Vom Spagat zur Strategie

Frankreichs Haltung zum Krieg in der Ukraine hat seit 2022 eine bemerkenswerte Wandlung vollzogen. Während Macron zu Beginn des Krieges durch seinen Dialogkurs mit Wladimir Putin für Irritationen in Osteuropa sorgte, hat sich Paris seither klarer positioniert. Der Paradigmenwechsel wurde spätestens mit der Lieferung von SCALP-Marschflugkörpern und der Unterstützung ukrainischer Truppen bei der Minenräumung deutlich.

Dabei spielt auch innenpolitischer Druck eine Rolle. Die anhaltende Kritik der konservativen Opposition am angeblich „unentschlossenen“ Kurs der Regierung hat in Kombination mit der sicherheitspolitischen Verschiebung im europäischen Raum zu einer beschleunigten Neuausrichtung geführt. Nicht zuletzt geht es für Macron auch um Frankreichs Rolle in einer sich wandelnden Weltordnung – als nukleare Macht, ständiges Mitglied im UN-Sicherheitsrat und als treibende Kraft einer europäischen Sicherheitsarchitektur.

Eine neue Phase europäischer Verantwortung

Der Krieg in der Ukraine hat gezeigt, dass Europas sicherheitspolitische Abhängigkeit von den USA strategische Risiken birgt. Die Ungewissheit über den Ausgang der US-Wahlen 2024 – in denen isolationistische Stimmen erneut an Einfluss gewannen – hat in europäischen Hauptstädten das Bewusstsein gestärkt, dass kollektive Selbstverteidigung mehr Eigenverantwortung erfordert.

Frankreich sieht sich hier als Brückenbauer zwischen visionärer Strategie und operativer Realpolitik. Die Gespräche mit Selenskyj und die französische Führungsrolle in der „Koalition der Freiwilligen“ sind Ausdruck dieses Anspruchs. Gleichzeitig wird damit auch das Signal gesendet, dass Europa bereit ist, nicht nur Solidarität zu bekunden, sondern auch strategische Kapazitäten zu bündeln – jenseits des NATO-Rahmens, aber in enger Abstimmung mit transatlantischen Partnern.

Die symbolträchtige Telefonschalte zwischen Macron und Selenskyj am 7. September war also mehr als nur ein Austausch über die aktuelle Lage. Sie war Ausdruck eines strategischen Realismus, der auf langfristige Stabilität in Osteuropa zielt. Frankreich sieht sich nicht mehr nur als Unterstützer der Ukraine – sondern als Mitgestalter einer europäischen Nachkriegsordnung, in der Sicherheit nicht mehr vorausgesetzt, sondern aktiv gestaltet wird.

Autor: P. Tiko

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