Politik & Gesellschaft

Neue Pegasus-Indizien belasten Marokko im Fall französischer Minister

Eine internationale Recherche liefert neue technische und personelle Anhaltspunkte dafür, dass der marokkanische Inlandsgeheimdienst Pegasus gegen französische Regierungsmitglieder, Journalisten und Oppositionelle eingesetzt haben könnte. Die Veröffentlichungen fallen mit dem Besuch von Premierminister Sebastien Lecornu…

Rabat – 17.07.2026: Neue Recherchen eines von Forbidden Stories koordinierten Medienkonsortiums erhärten den Verdacht, dass marokkanische Sicherheitsdienste die Spionagesoftware Pegasus gegen politische und gesellschaftliche Zielpersonen im In- und Ausland eingesetzt haben. Die am 16. Juli veröffentlichten Erkenntnisse betreffen auch Frankreich. Sie erscheinen zu einem politisch heiklen Zeitpunkt: Premierminister Sebastien Lecornu hielt sich mit mehreren Regierungsmitgliedern zu einem hochrangigen bilateralen Treffen in Rabat auf.

Im Zentrum stehen bislang unveröffentlichte Unterlagen des israelischen Herstellers NSO Group, technische Analysen sowie die Aussagen eines ehemaligen Mitarbeiters der marokkanischen Direction generale de la surveillance du territoire, kurz DGST. Der unter dem Pseudonym Safir auftretende Informant beschreibt, dass die DGST Pegasus seit 2017 genutzt habe. Seine Angaben wurden nach Darstellung der beteiligten Redaktionen durch interne Dokumente, Zielwahldaten und weitere ehemalige Geheimdienstmitarbeiter gestützt.

Besonders relevant für das französische Verfahren sind technische Übereinstimmungen. Die nationale Agentur für die Sicherheit der Informationssysteme, ANSSI, hatte Mobiltelefone mehrerer französischer Regierungsmitglieder untersucht. Dabei festgestellte digitale Spuren entsprechen nach den neuen Recherchen Kennungen, die auch auf Telefonen marokkanischer Journalisten, Menschenrechtsverteidiger und Oppositioneller gefunden wurden. Solche Kennungen können Angriffsinfrastrukturen einem bestimmten Pegasus-Kunden zuordnen.

Zu den in Frankreich betroffenen oder als Ziel ausgewaehlten Politikern zaehlen demnach Sebastien Lecornu, die frühere Verteidigungsministerin Florence Parly, Jacqueline Gourault, Julien Denormandie, Emmanuelle Wargon und Francois de Rugy. Auch der damalige Staatschef Emmanuel Macron war nach früheren Enthuellungen als Ziel erfasst worden. Die neuen Unterlagen legen zudem nahe, dass der NSO-interne Kundenname Morgan für Marokko stand. Dies ist ein weiteres Indiz, keine gerichtliche Feststellung.

Die Affaere hat eine institutionelle und diplomatische Dimension. Die französische Justiz ermittelt seit den Enthuellungen des Pegasus-Projekts von 2021 weiter. Der Untersuchungsrichter Serge Tournaire liess Anfang 2026 die früheren NSO-Manager Omri Lavie und Shalev Hulio als assistierte Zeugen vernehmen. Nach Angaben aus dem Verfahren beriefen sie sich bei Fragen zu Kunden und Funktionsweise der Software auf israelische Rechtsvorschriften.

Marokko weist seit Jahren zurück, Pegasus erworben oder zur Ausspionierung von Kritikern und auslaendischen Amtstraegern verwendet zu haben. Auch NSO Group bestreitet eine Verantwortung für missbraeuchliche Einsätze durch Kunden. Die nun vorgelegten Elemente ersetzen kein rechtskraeftiges Urteil. Sie erhoehen jedoch den Druck auf die laufende französische Untersuchung und werfen einen Schatten auf die sicherheitspolitische Zusammenarbeit beider Staaten.

Der Fall illustriert zugleich die Grenzen klassischer Rechtshilfe bei grenzüberschreitender Cyberüberwachung. Frankreich und Marokko arbeiten in der Bekaempfung des Drogenhandels und in Sicherheitsfragen eng zusammen. Gerade deshalb duerfte Paris das Thema diplomatisch vorsichtig behandeln. Für die Justiz bleibt entscheidend, ob sich die technische Zuordnung, die Zeugenaussagen und die NSO-Unterlagen zu einer gerichtsfesten Beweiskette verbinden lassen.

Quellen

  • Le Monde
  • The Guardian
  • Franceinfo
  • Forbidden Stories

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

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