Egal, wie man zu Traditionen steht, an Weihnachten ist man manchem althergebrachten Brauch nicht abgeneigt. Das fängt beim Essen an ... darüber habe ich dir letzte Woche schon berichtet.
Heute möchte ich etwas über den Weihnachtsbaum hinzufügen: Sein Ursprung liegt in Deutschland. Dort war er anfangs nur Reichen zugänglich, weil es zu wenige Tannen und Fichten für alle gab. Erst als man ab dem 19. Jahrhundert die Wälder aufforstete, wurden die Bäume nach und nach für alle erschwinglich. Tannen oder Fichten fanden als Weihnachtsbaum mit Lichterschmuck (damals noch mit echten Kerzen – und den Gefahren, die das barg!) ihren Einzug in deutsche Haushalte, von wo aus sich dieser Brauch weiter in der (christlichen) Welt ausbreitete. In Frankreich ist auch der Brauch weit verbreitet, Stechpalmen- und Mistelzweige aufzuhängen oder den Tisch damit zu schmücken. Die Zweige sollen Glück bringen.
Daneben gibt es speziell in Frankreich regionale Bräuche, von denen ich einige erwähnen möchte.
Über die Region in Osten, die deutsche Bräuche beibehalten hat, habe ich schon geschrieben. Dazu gehört z. B. auch der 6. Dezember, der Nikolaustag.
In einigen Regionen (Gironde, Korsika, ...) gehören große Feuer im Freien, les feux de Noël, zu Weihnachten. Dabei ging es ursprünglich um Licht in der Zeit der Wintersonnenwende, der dunkelsten Zeit des Jahres, und um Rituale, um Böses abzuwenden. Auf Korsika wurden so viele Holzscheite verbrannt, wie Mitglieder in einer Familie waren. Das größte Scheit sollte möglichst lange brennen, günstigstenfalls bis zum Neujahrstag. Über das Rituelle hinaus wurde dadurch auch Holzkohle gewonnen.
Die Krippen, die in Frankreich aufgestellt werden, sind seit Anfang des 20. Jahrhunderts oft bestückt mit santons, das sind „kleine Heilige“, die aus dem roten Ocker der Provence hergestellt und kunstvoll bemalt sind. Die Figuren stellen nicht nur die Heilige Familie dar, sondern alle Menschen, die für dörfliches Leben wichtig sind: Bauern, Müller, Bäcker und Bäckerin, ... selbst Tiere wie Schweine und beladene Lastesel sind dabei.

Die Provence hat daneben noch den ihr eigenen Brauch der 13 desserts, symbolisch für die Teilnehmer am letzten Abendmahl Christi, Jesus und die zwölf Jünger. Die 13 Desserts variieren von Ort zu Ort, bestehen aber grundsätzlich aus Trockenfrüchten, verschiedenen Marzipanarten und der pompe à l’huile, einer Art Rührkuchen mit Orangenblütenwasser. Auf dem Tisch dieser 13 Desserts darf ein Stechpalmenzweig so wenig fehlen wie der blé de la Sainte Barbe („Barbaraweizen“), den man am 4. Dezember, dem Barbaratag, eingesät hat.
Eher kurios zu nennen sind folgende Bräuche:
In Le Mans bekommen auch die Tiere im Zoo Weihnachtsgeschenke. Schön eingepackte Leckereien werden von den Zoobewohnern aufgerissen und wahrscheinlich zum Teil mit der Verpackung vertilgt ...
In einigen Regionen fällt der Weihnachtsmann buchstäblich vom Himmel: In Douai (Nord) seilt er sich von einem hohen Turm ab, in den Alpes Maritimes kommt er schon mal mit dem Gleitschirm aus den Bergen angeflogen und landet am Strand.
Wem das alles zu „rustikal“ ist, der, die kann in Paris Designer-Weihnachtsbäume von namhaften Modeschöpfern (z. B. von Chanel, Gaultier, Louis Vuitton) erwerben, um ein mehr urbanes Weihnachtsfest zu feiern. Die „Bäume“, die zwar originell sind, aber nichts mehr mit Natur zu tun haben, werden zugunsten einer Krebsforschungsstiftung versteigert.
Ich wünsche dir schöne Weihnachtstage, egal, wo, wie und mit wem du feierst – gräm dich nicht über mögliche Restriktionen, freu dich über das Fest und auf die länger werdenden Tage, und vor allem: bleib gesund!
Deine Elisa
PS: In Frankreich gibt es außer in 3 Departements im Osten (Moselle, Bas-Rhin, Haut-Rhin) nur einen Weihnachtsfeiertag. Im Jahr 2021 zum Beispiel ärgerten sich die Deutschen, dass die Feiertage ausgerechnet aufs Wochenende fielen, und in Frankreich freute man sich, dass nach dem einen Feiertag noch der Sonntag kam ;-)