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Nord-Pas-de-Calais auf der Kinoleinwand: Vom vergessenen Landstrich zum neuen Film-Hotspot

Hollywood hat das Marvel Cinematic Universe – und Frankreich? Da könnte man fast vom „Nord-Pas-de-Calais Cinematic Universe“ sprechen. Die einst von wirtschaftlichem Niedergang geprägte Region boomt heute auf der großen Leinwand und räumt bei den César-Nominierungen kräftig ab. Mit Filmen wie L’Amour ouf und En fanfare, die zusammen sieben Millionen Zuschauer begeisterten und 20 Nominierungen…

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Hollywood hat das Marvel Cinematic Universe – und Frankreich? Da könnte man fast vom „Nord-Pas-de-Calais Cinematic Universe“ sprechen. Die einst von wirtschaftlichem Niedergang geprägte Region boomt heute auf der großen Leinwand und räumt bei den César-Nominierungen kräftig ab. Mit Filmen wie L’Amour ouf und En fanfare, die zusammen sieben Millionen Zuschauer begeisterten und 20 Nominierungen erhielten, zeigt sich, dass Nordfrankreich sich erfolgreich als Filmstandort etabliert hat. Doch dieser Erfolg kam nicht über Nacht.

Vom Schatten der Vergangenheit zum Kino-Erfolg

Die Kehrtwende begann 1993 mit Germinal von Claude Berri. Das damals teuerste französische Filmprojekt wurde – statt wie zuvor üblich in Osteuropa – direkt in der Bergbauregion gedreht. Eine mutige Entscheidung, die half, die Filmbranche in der Gegend aufzubauen. Doch nicht alle waren begeistert: Viele Einheimische warfen dem Film vor, das Nord-Pas-de-Calais erneut als armen, von Kohle und Silikose geprägten Ort darzustellen. Lange Zeit verweigerten Politiker Drehgenehmigungen, aus Angst vor weiterer Stigmatisierung.

Doch in den 2000er-Jahren änderte sich das Bild. Ein Wendepunkt? Bienvenue chez les Ch’tis von Dany Boon (2008). Trotz vieler Klischees über den Norden zog der Film 20 Millionen Franzosen ins Kino – und veränderte die Wahrnehmung der Region. Seitdem floriert die Filmindustrie vor Ort: Ein Drittel aller Filme, die je im Nord-Pas-de-Calais gedreht wurden, entstanden nach 2013.

Von „HPI“ bis „Blade Runner-les-Bains“ – das visuelle Potenzial des Nordens

Der Reiz der Region liegt in ihrer Vielfalt: von historischen Backsteinbauten bis hin zu postindustriellen Landschaften, die an dystopische Filme erinnern. Die Krimiserie HPI, die in Lille spielt, sorgte für einen Ansturm neuer Drehprojekte. „Produzenten riefen mich an und sagten: ‚Wow, es ist ja wirklich schön bei euch!‘“, erzählt Godefroy Vujicic, Leiter der Filmförderung Pictanovo.

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel ist der Thriller Six jours, der in Dunkerque entstand. Regisseur Juan Carlos Medina beschreibt einen Schlüsselmoment: „Wir drehten auf der Digue du Braek bei Sturm und sahen plötzlich ein Bild wie aus Blade Runner: Auf der einen Seite Sanddünen, auf der anderen ein gigantisches Arcelor-Mittal-Werk. Das Paradies neben der Hölle – wie eine japanische Zeichnung.“

https://www.youtube.com/watch?v=R6WYFnLNMa0

Dunkerque als Film-Hochburg

Dunkerque hat sich besonders geschickt positioniert und zählt mittlerweile 100 Drehtage pro Jahr. Die Stadtverwaltung hat eine eigene Filmstelle gegründet, die Produktionsfirmen gezielt anlockt. Das funktionierte so gut, dass zwei Filme beinahe in derselben Tankstelle gedreht wurden – bis man in letzter Minute bemerkte, dass Gilles Lellouche dort gerade Szenen für L’Amour ouf aufgenommen hatte.

Die Stadt profitierte bereits vom Blockbuster Dunkirk (2017) von Christopher Nolan. „Im Gegensatz zu Steven Spielberg, der 30 Jahre zuvor für Saving Private Ryan die Normandie in Irland nachbaute, hat Nolan hier gedreht“, erklärt eine Stadtvertreterin stolz.

Zukunft: Horrorfilme und Superhelden aus dem Norden?

Auch das Genre-Kino entdeckt die Region: 2023 erschien der Horrorfilm Gueules noires, in dem Bergarbeiter ein Alien-Sarkophag unter Tage freilegen. Was fehlt? Eine romantische Komödie in einer Maroilles-Käserei oder ein Superheld in Kohlenstaub-Kostüm?

Produzenten freuen sich über die wirtschaftlichen Vorteile. Drehs in Paris sind teuer, alternative Drehorte wie Nordfrankreich werden immer attraktiver. Wer weiß, vielleicht dreht Tom Cruise eines Tages Mission Impossible: Dunkerque?

Von C. Hatty

https://www.youtube.com/watch?v=57qRIKhHYE4

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