Wirtschaft

Norwegen treibt Erschließung des größten europäischen Vorkommens seltener Erden voran

Das Fen-Feld in der südnorwegischen Region Telemark soll Europas Abhängigkeit von chinesischen Rohstoff- und Magnetlieferungen verringern. Vor dem industriellen Abbau stehen jedoch Genehmigungen, Pilotbetrieb, Finanzierung und der Aufbau geeigneter Verarbeitungskapazitäten.

Ulefoss – 01.08.2026: Norwegen treibt die Erschließung des Fen-Feldes in Telemark voran, das nach aktualisierten geologischen Daten als größte bestätigte Lagerstätte seltener Erden Europas gilt. Die Regierung in Oslo behandelt das Projekt als industrie- und sicherheitspolitisches Vorhaben. Es soll europäische Lieferketten für strategische Rohstoffe widerstandsfähiger machen. Ein regulärer Bergwerksbetrieb hat allerdings noch nicht begonnen.

Die Norwegische Geologische Untersuchung NGU beziffert die Ressource im Fen-Komplex auf 1,083 Milliarden Tonnen Erz mit einem durchschnittlichen Anteil von 1,31 Prozent Seltenen-Erden-Oxiden. Darin enthalten sind 0,24 Prozent Neodym- und Praseodymoxide. Diese Metalle werden für leistungsfähige Dauermagnete benötigt, wie sie in Elektromotoren, Windkraftanlagen, Elektronik und bestimmten Verteidigungssystemen zum Einsatz kommen.

Am 22. April 2026 beschloss die norwegische Regierung, für das Gebiet einen staatlichen Raumordnungsplan auszuarbeiten. Sie reagierte damit auf einen Antrag der Kommune Nome und schuf ein Instrument, um Flächennutzung, Infrastruktur und Genehmigungsverfahren zentral zu koordinieren. Ministerpräsident Jonas Gahr Støre verband den Schritt ausdrücklich mit Europas Versorgungssicherheit und der Wettbewerbsfähigkeit der norwegischen Industrie.

Der Betreiber Rare Earths Norway verfügt für Teile des Feldes über ein Ausbeutungsrecht, befindet sich jedoch weiterhin in der Vorbereitungsphase. Beim norwegischen Umweltamt beantragte das Unternehmen im März die Genehmigung für eine Pilotanlage in Ulefoss. Dort sollen über drei Jahre insgesamt 6.000 Tonnen Erz verarbeitet werden. Auf diese Weise will das Unternehmen die Gewinnung eines Konzentrats erproben und die technischen Abläufe optimieren.

Die wirtschaftliche Hürde liegt weniger im Auffinden des Rohstoffs als in dessen Aufbereitung. Die einzelnen seltenen Erden müssen mit aufwendigen Verfahren voneinander getrennt und anschließend zu marktfähigen Produkten verarbeitet werden. Ein am 19. Juni veröffentlichter Bericht für das norwegische Handels- und Industrieministerium bezeichnet Verarbeitung und Raffination als besonders verwundbare Stufen der globalen Rohstoffketten. Eine Mine allein könnte Europas Abhängigkeit deshalb nur begrenzt verringern.

Nach Angaben der norwegischen Regierung entfallen rund 70 Prozent der weltweiten Förderung seltener Erden auf China. Zugleich verfügt das Land über einen erheblichen Anteil der Verarbeitungskapazitäten. Das Fen-Projekt soll daher möglichst eine zusammenhängende Wertschöpfungskette vom Erz bis zu Vorprodukten für Magnete ermöglichen. Für Norwegen wäre dies auch industriepolitisch bedeutsam: Erst die Weiterverarbeitung schafft höherwertige Produkte und dauerhafte Absatzbeziehungen.

Ob daraus ein tragfähiger europäischer Lieferweg entsteht, hängt von hohen Investitionen, Umweltauflagen, gesellschaftlicher Akzeptanz und ausreichender Energieversorgung ab. Über den Antrag für die Pilotanlage hat das Umweltamt nach dem auf seiner Anhörungsseite veröffentlichten Stand noch nicht entschieden.

Quellen

  • Franceinfo
  • Norwegische Regierung – Handels- und Fischereiministerium
  • Norwegisches Umweltamt
  • Norwegische Geologische Untersuchung NGU

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

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