Frankreich

Nur noch zwölf Monate Arbeitslosengeld?

Der französische Präsidentschaftswahlkampf 2027 bekommt ein Thema, das erfahrungsgemäß zuverlässig für Streit sorgt: das Arbeitslosengeld. Édouard Philippe, ehemaliger Premierminister und Kandidat für den Élysée, möchte die maximale Bezugsdauer für Arbeitslose unter 50 Jahren von derzeit 18 auf zwölf Monate verkürzen. Sein Vorbild liegt auf der anderen Rheinseite. „Wie Deutschland“, lautet im Kern Philippes Argument. Dort…

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Der französische Präsidentschaftswahlkampf 2027 bekommt ein Thema, das erfahrungsgemäß zuverlässig für Streit sorgt: das Arbeitslosengeld. Édouard Philippe, ehemaliger Premierminister und Kandidat für den Élysée, möchte die maximale Bezugsdauer für Arbeitslose unter 50 Jahren von derzeit 18 auf zwölf Monate verkürzen.

Sein Vorbild liegt auf der anderen Rheinseite.

„Wie Deutschland“, lautet im Kern Philippes Argument. Dort erhalten Arbeitslose unter 50 Jahren bei ausreichenden Beitragszeiten tatsächlich höchstens zwölf Monate Arbeitslosengeld.

Für Philippe steckt dahinter eine klare politische Botschaft: Frankreich müsse Arbeit stärker fördern, die Rückkehr in Beschäftigung beschleunigen und gleichzeitig die Ausgaben der Arbeitslosenversicherung begrenzen.

Das klingt einfach.

Doch genau da beginnt die Debatte.

Sechs Monate weniger Sicherheit

Für einen Arbeitslosen unter 50 Jahren würde Philippes Modell die maximale Absicherung um ein Drittel verkürzen. Nach zwölf statt 18 Monaten wäre Schluss mit dem regulären Arbeitslosengeld.

Befürworter sehen darin einen stärkeren Anreiz zur Jobsuche. Gerade in Branchen, die händeringend Personal suchen, erscheint ihnen eine lange Bezugsdauer wenig sinnvoll.

Warum also anderthalb Jahre Leistungen zahlen, wenn gleichzeitig Restaurants, Handwerksbetriebe, Pflegeeinrichtungen oder Industrieunternehmen Arbeitskräfte suchen?

Die Gegenfrage lautet allerdings: Liegt lange Arbeitslosigkeit tatsächlich daran, dass Betroffene nicht ausreichend suchen?

Genau daran zweifeln Kritiker.

Viele Menschen finden deutlich vor Ablauf ihrer Ansprüche eine neue Stelle. Wer länger als zwölf Monate ohne Arbeit bleibt, kämpft häufiger mit speziellen Problemen: fehlenden Qualifikationen, gesundheitlichen Einschränkungen, einem Berufswechsel oder schlicht einem regionalen Arbeitsmarkt, auf dem passende Stellen fehlen.

Da hilft zusätzlicher finanzieller Druck nicht automatisch.

Deutschland ist mehr als zwölf Monate

Auch der Vergleich mit Deutschland braucht ein bisschen Kleingedrucktes.

Ja, das deutsche Arbeitslosengeld endet für unter 50-Jährige normalerweise spätestens nach zwölf Monaten. Doch dieses Detail allein bildet noch kein „deutsches Modell“.

Arbeitsvermittlung, Weiterbildung, Tarifstrukturen, Sozialleistungen und der Übergang in eine bedürftigkeitsabhängige Grundsicherung gehören ebenfalls zum System.

Man kann also nicht einfach zwölf Monate aus Berlin herausnehmen und in Paris einsetzen — jedenfalls nicht, ohne den Rest anzuschauen.

Frankreichs Arbeitslosenversicherung durchlief zudem bereits mehrere Reformen. Die maximale Bezugsdauer für jüngere Arbeitslose sank schon von 24 auf 18 Monate. Philippe schlägt nun den nächsten Schritt vor.

Und der hätte politische Sprengkraft.

Ein Vorgeschmack auf 2027

Die Initiative zeigt, wohin Philippe wirtschaftspolitisch möchte: weniger öffentliche Ausgaben, stärkere Arbeitsanreize und Reformen, die Frankreich näher an nordeuropäische Modelle führen sollen.

Seine Anhänger dürften darin wirtschaftliche Vernunft erkennen.

Gewerkschaften und politische Gegner hingegen dürften fragen, ob ausgerechnet Menschen ohne Arbeitsplatz einen zusätzlichen Beitrag zur Sanierung der Staatsfinanzen leisten sollen.

Damit steht hinter den zwölf Monaten eine viel größere Frage.

Wie großzügig soll ein Sozialstaat Menschen absichern, die ihren Arbeitsplatz verlieren — und ab welchem Punkt soll finanzieller Druck die Rückkehr in Beschäftigung beschleunigen?

Darüber wird Frankreich im Präsidentschaftswahlkampf noch ausführlich streiten.

Édouard Philippe hat jedenfalls eine Zahl geliefert, die sich jeder merken kann:

Zwölf Monate.

Manchmal reicht eine einzige Zahl, um einen ziemlich großen politischen Konflikt zu eröffnen.

Ein Artikel von M. Legrand

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