Die kleine Gemeinde Olley im Departement Meurthe-et-Moselle hat endlich das, was ihr seit fast tausend Jahren gefehlt hat: einen offiziellen Namen für ihre Einwohner. Nach einem kreativen und historischen Prozess, bei dem die Dorfgemeinschaft ihre Identität reflektierte, dürfen die rund 230 Bewohner sich nun stolz die „Culs brûlés“ nennen – zu Deutsch „Die Verbrannten Hintern“. Was steckt hinter diesem ungewöhnlichen Namen?
Eine Reise in die Vergangenheit – und ein mutiger Name
Die Wahl eines „Gentilé“, also eines offiziellen Namens für die Bewohner, klingt erstmal nach einem Detail, das die Welt nicht verändern wird. Doch für die Einwohner von Olley bedeutet es weit mehr – eine Anerkennung ihrer Geschichte und ihrer Gemeinschaft. Denn die Bezeichnung „Culs brûlés“ ist nicht willkürlich gewählt, sondern tief verwurzelt in der Vergangenheit des Dorfes.
Im Mittelalter war Olley für die Herstellung von Lampenöl bekannt. Diese Öle wurden in einfachen Ton- und Metallgefäßen erhitzt, oft so lange, bis das Öl am Boden brannte und sich eine dicke, rußige Schicht bildete. Der Spitzname „Culs brûlés“ bezieht sich genau auf dieses Bild – die verbrannten Böden, die von der mühsamen Arbeit der Dorfbewohner zeugten. Damals als Scherz und vielleicht auch mit einem Augenzwinkern verwendet, hat der Ausdruck die Jahrhunderte überlebt und wird nun als offizielle Bezeichnung eingeführt.
Die Entscheidung der Bürger
Über zwei Wochen hinweg hatten die Einwohner die Möglichkeit, aus acht Vorschlägen ihren Favoriten zu wählen. 89 der etwa 230 Dorfbewohner gaben ihre Stimme ab, was zeigt, dass dieser Name für viele ein Herzensanliegen war. Fast die Hälfte entschied sich für „Culs brûlés“. Bürgermeister David Buono, der die Bedeutung dieser Bezeichnung ebenfalls schätzt, brachte die Stimmung auf den Punkt: „Der Einfluss der Geschichte hat gesiegt. Die Einwohner wollten mit Stolz diesen Spitznamen übernehmen.“
Dieser Name wird nun nicht nur ein Stück Alltag für die Bewohner, sondern auch offiziell in den Dokumenten des Rathauses festgehalten. In der nächsten Sitzung des Gemeinderats soll die Entscheidung offiziell bestätigt und zur Präfektur weitergeleitet werden – dann ist es amtlich.
Was bedeutet ein Name wirklich?
Natürlich sorgt der Name auch für Schmunzeln – denn nicht jeder Tag bringt eine kleine Gemeinde dazu, sich selbst ein wenig aufs Korn zu nehmen und dennoch mit historischer Würde aufzutreten. Ein Spitzname, der auf den ersten Blick humorvoll klingt, zeigt aber eben auch, wie sehr ein Dorf seine Wurzeln und seine Vergangenheit schätzt.
Namen sind schließlich mehr als bloße Etiketten. Sie verbinden Menschen mit ihrem Herkunftsort, erzählen Geschichten und tragen Erinnerungen weiter. Im Falle von Olley könnte man fast sagen: Die „Culs brûlés“ sind stolz darauf, ihre Vergangenheit zu zeigen – mit einem Augenzwinkern und einem Hauch von Selbstironie.