Lourdes – 04.09.2026: Drei Wochen vor dem Besuch von Papst Leo XIV in Frankreich sorgt die geplante Begegnung mit Betroffenen sexueller Gewalt in der katholischen Kirche für scharfe Kritik. Der Papst soll am 27. September in Lourdes sieben Opfer in einem nicht öffentlichen Rahmen treffen. Mehrere Verbände sehen sich durch die begrenzte Auswahl und die ausbleibende Antwort auf eigene Gesprächswünsche übergangen.
Die Französische Bischofskonferenz bestätigte, dass sieben Personen empfangen werden sollen. Die kleine Zahl begründet sie damit, dass persönliche Gespräche möglich sein müssten. Auch die Auswahl der Teilnehmenden liegt bei der Bischofskonferenz. Im offiziellen Reiseprogramm war die Begegnung zunächst nur allgemein angekündigt worden; nun steht fest, dass sie während des Aufenthalts in Lourdes stattfinden soll.
Besonders enttäuscht reagierte das Kollektiv der Betroffenen von Notre-Dame de Bétharram. Die Gruppe hatte nach eigenen Angaben bereits im Juli 2025 um eine Audienz beim Papst gebeten. Diese Bitte wurde abgelehnt. Der Zusammenschluss wollte dem Kirchenoberhaupt Vorschläge zur Aufarbeitung, zur Wiedergutmachung und zum Schutz von Kindern vorlegen.
Bétharram, eine katholische Bildungseinrichtung in den Pyrenäen, ist seit 2025 Gegenstand zahlreicher Berichte über frühere körperliche und sexuelle Gewalt. Eine unabhängige Untersuchungskommission arbeitet die Vorwürfe auf. Das Kollektiv zählt nach eigenen Angaben mehr als 200 Betroffene. Sein Sprecher Alain Esquerre kritisierte öffentlich, eine einzelne eingeladene Person könne weder den Zusammenschluss noch dessen Forderungen vertreten.
Die Bischofskonferenz bot dem Kollektiv an, seine Vorschläge schriftlich an den Papst zu übermitteln. Für die Betroffenen ist das kein gleichwertiger Ersatz für ein direktes Gespräch. Ihre Kritik richtet sich weniger gegen die Begegnung mit den sieben ausgewählten Personen als gegen das Verfahren: Kirchliche Stellen entschieden, wer gehört werde, während organisierte Gruppen außen vor blieben.
Der Besuch von Leo XIV dauert vom 25. bis zum 28. September 2026. Neben Terminen in Paris, darunter bei der UNESCO, führt die Reise den Papst nach Lourdes und Metz. Die Begegnung mit Betroffenen sexueller Gewalt gehört zu den sensibelsten Punkten des Programms. Der Vatikan hatte bei der Ankündigung der Reise erklärt, Betroffene sollten an den Vorbereitungen beteiligt werden.
Das Vertrauen vieler Betroffener in die kirchliche Aufarbeitung ist weiterhin beschädigt. Der Bericht der unabhängigen französischen Untersuchungskommission zu sexuellem Missbrauch in der Kirche dokumentierte 2021 das Ausmaß der Gewalt über Jahrzehnte. Die Kritik am Papsttreffen knüpft daran an: Die Verbände verlangen neben persönlicher Anerkennung transparente Auswahlentscheidungen, verbindliche Beteiligung und dauerhafte Ansprechpartner.
Quellen
- Franceinfo
- Französische Bischofskonferenz
- Vatican News
- Le Progrès
- Libération
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).