Politik & Gesellschaft

Opfervertreter kritisiert Treffen des Papstes mit Missbrauchsbetroffenen

Vor dem Gespräch von Papst Leo XIV. mit sieben Betroffenen sexueller Gewalt in Lourdes fordert Arnaud Gallais konkrete Konsequenzen statt einer vertraulichen Begegnung ohne verbindliche Zusagen.

Lourdes – 27.09.2026: Kurz vor einem vertraulichen Treffen von Papst Leo XIV. mit sieben Betroffenen sexueller Gewalt in der katholischen Kirche hat der Opfervertreter Arnaud Gallais deutliche Kritik geäußert. Der Vorsitzende des Vereins MOUV'Enfants hält die Begegnung in Lourdes für unzureichend. Gegenüber Franceinfo sprach er von einem "Skandal ohne Namen" und verlangte konkrete Konsequenzen.

Das Gespräch ist für Sonntag während der Frankreichreise des Papstes vorgesehen. Nach Angaben des Vatikans soll Leo XIV. am späten Nachmittag sieben Menschen empfangen, die sexuelle Gewalt durch Geistliche oder andere kirchliche Verantwortliche erlebt haben. Die Begegnung findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Mehrere Teilnehmer erklärten vorab, sie nähmen als Einzelpersonen teil und sprächen nicht für alle Betroffenen.

Gallais kritisiert vor allem, dass die Kirche aus seiner Sicht weiterhin keine Antwort gibt, die dem Ausmaß der Taten und ihren Folgen gerecht wird. Eine persönliche Audienz könne für einzelne Betroffene wichtig sein, dürfe aber nicht den Eindruck erwecken, damit sei die institutionelle Verantwortung erfüllt. MOUV'Enfants setzt sich für den Schutz von Kindern und für Menschen ein, die sexuelle Gewalt erfahren haben.

Der Wallfahrtsort Lourdes war bereits mehrfach Schauplatz kirchlicher Stellungnahmen zum Umgang mit Missbrauch. Für Betroffene geht es jedoch vor allem darum, ob auf Worte überprüfbare Verfahren folgen: Zugang zu Akten, unabhängige Aufarbeitung, langfristige Unterstützung und die Zusammenarbeit mit staatlichen Ermittlungsbehörden, sobald Hinweise auf Straftaten vorliegen.

In Frankreich dokumentierte die unabhängige Kommission zu sexuellem Missbrauch in der Kirche, CIASE, im Jahr 2021 das Ausmaß der Gewalt über mehrere Jahrzehnte. Sie schätzte, dass seit 1950 mehrere Hunderttausend Minderjährige im Umfeld der katholischen Kirche sexuelle Gewalt erfahren haben könnten. Die Kommission forderte Anerkennung und Entschädigung der Betroffenen sowie tiefgreifende Veränderungen kirchlicher Strukturen.

Unter den sieben Gesprächsteilnehmern sind Medienberichten zufolge Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen kirchlicher Gewalt. Genannt wurden Fälle aus dem Umfeld der katholischen Schule Notre-Dame de Bétharram sowie der Fall des früheren Priesters Bernard Preynat in Lyon. Zwei Teilnehmer wollen anonym bleiben. Öffentliche Aufmerksamkeit kann Betroffenen Gehör verschaffen, sie aber zugleich einer erheblichen Belastung aussetzen.

Gallais wurde nach Angaben seines Vereins selbst von einem Priester missbraucht. Seine Kritik richtet sich daher nicht grundsätzlich gegen das Gespräch, sondern gegen dessen begrenzten Rahmen. Ob Leo XIV. über die Begegnung hinaus konkrete Zusagen machen wird, war am Sonntagvormittag nicht bekannt.

Quellen

  • Franceinfo
  • Associated Press
  • Vatican News
  • MOUV'Enfants
  • AFP

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

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