Der Prozess rund um den legendären Überfall auf Kim Kardashian in einem Pariser Luxushotel hat einen Höhepunkt erreicht: Am Mittwoch, den 21. Mai 2025, forderte die Staatsanwaltschaft harte Strafen für die mutmaßlichen Drahtzieher – allen voran Aomar Aït Khedache, 69 Jahre alt, angeblich der Kopf hinter dem spektakulären Coup.
Ein Überfall wie aus einem Hollywood-Streifen
Es war die Nacht vom 2. auf den 3. Oktober 2016 – Paris im Glanz der Fashion Week. Inmitten der Glitzerwelt: Fünf bewaffnete Männer mit Masken drangen in die Hotelsuite von Kim Kardashian ein, fesselten sie und raubten Schmuck im Wert von rund 9 Millionen Euro. Darunter eine Verlobungsring im Wert von 3,5 Millionen – ein glitzerndes Symbol, das über Nacht verschwand.
Die Täter wussten genau, was sie taten. Sie hatten Insiderinformationen, kannten die Wege von Kardashian, ihre Routine. Ein klar geplanter Coup – nicht etwa ein spontaner Einbruch.
„Omar der Alte“ – ein Routinier unter Verdacht
Im Zentrum des Prozesses steht Aomar Aït Khedache, genannt „Omar der Alte“. Ein Name, der in französischen Polizeikreisen seit Jahrzehnten bekannt ist. Er selbst gestand, beim Überfall beteiligt gewesen zu sein. Doch den Vorwurf, er sei der Drahtzieher, weist er zurück. Laut seiner Darstellung handelte er im Auftrag eines mysteriösen Mister „X“ oder „Ben“ – einer Figur, die bislang nicht identifiziert wurde.
Die Staatsanwältin Anne-Dominique Merville sieht das anders. Sie beschreibt Aït Khedache als Koordinator, Strippenzieher und Verkäufer der gestohlenen Ware – in Belgien soll der Schmuck über dunkle Kanäle verschwunden sein. Für sie steht fest: Auch wenn der Mann gesundheitlich angeschlagen sei, müsse er für seine Rolle zur Verantwortung gezogen werden.
Auch die Komplizen sollen büßen
Neben dem Hauptangeklagten stehen weitere Männer vor Gericht, die allesamt nicht mehr die Jüngsten sind – und genau deshalb in den Medien die Bezeichnung „Papys braqueurs“ erhielten.
Yunice Abbas, 71, gab zu, bei dem Überfall Schmiere gestanden zu haben. Didier Dubreucq, 69, soll sogar selbst die Suite betreten haben. Für beide fordert die Staatsanwaltschaft jeweils zehn Jahre Haft. Aït Khedaches Sohn Harminy, der als Fahrer fungierte, könnte mit acht Jahren davonkommen. Weitere Mittäter, die Logistik lieferten oder Informationen weitergaben, erwarten sechs bis sieben Jahre Gefängnis.
Alt, aber alles andere als harmlos
Der Prozess zeigt ein interessantes Phänomen der französischen Unterwelt: Das Alter schützt nicht vor krimineller Energie. Im Gegenteil – hier nutzten erfahrene Männer ihre Kenntnisse aus früheren Coups, um einen Raub auf Weltniveau zu organisieren.
Es ist kein Zufall, dass dieser Fall weltweit für Schlagzeilen sorgt. Die Opferrolle einer der bekanntesten Frauen der Welt, gepaart mit der Dreistigkeit der Tat, ergibt eine brisante Mischung, die an Filmszenen erinnert. Doch das ist keine Fiktion – das war bitterer Ernst.
Wie sicher sind Prominente in Paris?
Neben der strafrechtlichen Aufarbeitung wirft der Fall größere Fragen auf – zum Beispiel zur Sicherheit von Berühmtheiten in der französischen Hauptstadt. Paris ist ein Magnet für die Reichen und Schönen. Doch dieser Vorfall zeigt: Glanz und Glamour schützen nicht vor skrupellosen Tätern.
Wie kann es sein, dass eine international gefeierte Ikone derart verwundbar ist – mitten in einem bewachten Hotel?
Das letzte Wort steht noch aus
Am Donnerstag wird die Verteidigung das Wort ergreifen, bevor am Freitag das Urteil fällt. Was bleibt, ist ein Fall, der tief in die Mechanismen der organisierten Kriminalität blicken lässt – und die Abgründe einer Welt, in der selbst Senioren zu Drahtziehern werden können.
So kurios es klingt: Der Überfall auf Kim Kardashian durch die „Papys braqueurs“ ist längst zu einem Lehrstück über Planung, Machtstrukturen und die Grenzen von Sicherheit geworden.
Von Andreas M. Brucker