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Paris setzt auf Grün: Wie der „bioklimatische“ Stadtentwicklungsplan die Hauptstadt verändern soll

Ein neuer Weg für Paris: Der Rat der Stadt hat einen bahnbrechenden Stadtentwicklungsplan verabschiedet, der Klimaanpassung, sozialen Wohnungsbau und mehr Grünflächen in den Fokus rückt. Aber ist das ambitionierte Vorhaben tatsächlich umsetzbar? Ein Plan mit Weitblick Nach vier Jahren intensiver Debatten und über 50.000 Bürgerideen hat Paris am 20. November seinen „bioklimatischen“ lokalen Entwicklungsplan (PLUb)…

Foto Hyukjoon Sohn

Ein neuer Weg für Paris: Der Rat der Stadt hat einen bahnbrechenden Stadtentwicklungsplan verabschiedet, der Klimaanpassung, sozialen Wohnungsbau und mehr Grünflächen in den Fokus rückt. Aber ist das ambitionierte Vorhaben tatsächlich umsetzbar?

Ein Plan mit Weitblick

Nach vier Jahren intensiver Debatten und über 50.000 Bürgerideen hat Paris am 20. November seinen „bioklimatischen“ lokalen Entwicklungsplan (PLUb) beschlossen. Dieser verfolgt vier zentrale Ziele: Klimaschutz, Schaffung von mehr bezahlbarem Wohnraum, Förderung lokaler Geschäfte und Erhalt des architektonischen Erbes.

„Wir wollen, dass Paris eine Stadt bleibt, in der man auch in Zukunft gerne lebt“, erklärte Bürgermeisterin Anne Hidalgo, die nach der Abstimmung viel Applaus von ihrer Mehrheit erhielt.

Die Vision ist ehrgeizig: Bis 2050 soll Paris klimaneutral werden. Dabei greift der Plan Themen auf, die die Stadt seit Jahren plagen – von überhitzten Sommern bis zum Abwanderungstrend der Bevölkerung.

Mehr Grün für eine heißere Stadt

Einer der auffälligsten Aspekte des PLUb ist das Ziel, 300 Hektar neue Grünflächen zu schaffen. Dies soll den Pariser:innen endlich die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen 10 Quadratmeter Grünfläche pro Kopf bringen – derzeit sind es nur 8,6 Quadratmeter.

Doch das Vorhaben stößt auf Skepsis. „300 Hektar? Das ist doch utopisch!“, kommentierte der Oppositionspolitiker David Alphand und zog den Vergleich zu 420 Fußballfeldern, die in einer der dichtesten Städte Europas gefunden werden müssten. Seine Kritik mag scharf klingen, aber sie wirft eine berechtigte Frage auf: Wo soll all dieses Grün entstehen?

Charles-Antoine Depardon, einer der Architekten des Plans, bleibt optimistisch. „Es ist ambitioniert, aber machbar“, erklärt er. Er verweist auf Projekte an den Stadträndern sowie die Umwandlung von Straßen und Schulhöfen in grüne Oasen. Selbst die Ufer der Seine sollen zu einem durchgehenden Park umgestaltet werden.

Ein Highlight: Einige große, bisher geschlossene Gärten – wie der des Val-de-Grâce im 5. Arrondissement – sollen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Ein kleines Detail, das viel bewegen könnte: Zugang zu versteckten grünen Schätzen.

Sozialer Wohnungsbau: Mehr als nur ein Tropfen auf den heißen Stein?

Ein weiteres Kernziel des Plans ist es, bis 2035 40 % der Immobilien als öffentliche Wohnungen zu klassifizieren, davon 30 % als sozialen Wohnraum. Besonders der Osten der Stadt, wo bisher ein Mangel herrscht, soll profitieren. Neue Bauvorhaben sollen dort verpflichtend 50 % sozialen Wohnraum umfassen.

Diese Maßnahmen könnten helfen, die wachsende Ungleichheit zwischen Ost und West der Stadt auszugleichen. Außerdem wird der Fokus stärker auf Wohngebäude gelegt – Bürokomplexe, besonders in den zentralen und westlichen Vierteln, dürfen nur noch in gemischter Nutzung entstehen.

Die Opposition sieht jedoch Gefahren: Einschränkungen könnten den Immobilienmarkt ausbremsen und Investoren abschrecken. Jean-Baptiste Olivier von den Republikanern bezeichnete den Plan sogar als „Angriff auf das Privateigentum“. Aber ist es nicht an der Zeit, den sozialen Zusammenhalt über rein wirtschaftliche Interessen zu stellen?

Kampf gegen Airbnb und Co.

Eine weitere Stellschraube ist die Regulierung von Ferienwohnungen. Ab 2025 sollen in zentralen Stadtteilen – darunter Montmartre und die Arrondissements 1 bis 11 – keine neuen Kurzzeitvermietungen mehr erlaubt sein. Ein klarer Wink in Richtung Airbnb und ähnliche Plattformen, deren Einfluss auf die Wohnsituation der Pariser:innen immer kritischer betrachtet wird.

„Zu viele Wohnungen werden zweckentfremdet – aus Hauptwohnsitzen werden Zweitwohnungen oder Ferienunterkünfte“, erklärt Depardon. Beispiele aus Städten wie Wien, wo 60 % des Wohnraums öffentlich sind, zeigen, dass sozialer Wohnungsbau nicht nur soziale Probleme lindern, sondern auch die Lebensqualität einer ganzen Stadt heben kann.

Ein mutiger Schritt in die Zukunft

Der bioklimatische Stadtentwicklungsplan ist zweifellos ehrgeizig und stößt nicht ohne Grund auf Kritik. Doch mit einem klaren Fokus auf Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit könnte er als Modell für andere Metropolen dienen. Die Herausforderungen – von der Finanzierung bis zur Umsetzung – sind groß, aber der Plan zeigt: Paris will nicht stehenbleiben.

Könnte dies der erste Schritt sein, die Stadt der Liebe wieder zu einer Stadt des Lebens zu machen?