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Paris verliert Einwohner – und das nicht zu knapp

Paris, die Stadt der Liebe, verliert ihren Glanz – zumindest demografisch. Laut den aktuellen Prognosen des französischen Statistikamts Insee wird die Einwohnerzahl der Hauptstadt bis 2040 stetig sinken. Dann sollen nur noch rund 2,064 Millionen Menschen in Paris leben – 82.000 weniger als 2020. Und das ist kein kurzfristiger Trend, sondern Teil einer anhaltenden Entwicklung,…

Foto Lukáš Konvica

Paris, die Stadt der Liebe, verliert ihren Glanz – zumindest demografisch. Laut den aktuellen Prognosen des französischen Statistikamts Insee wird die Einwohnerzahl der Hauptstadt bis 2040 stetig sinken. Dann sollen nur noch rund 2,064 Millionen Menschen in Paris leben – 82.000 weniger als 2020. Und das ist kein kurzfristiger Trend, sondern Teil einer anhaltenden Entwicklung, deren Ursachen tief verwurzelt sind.

Warum kehren die Menschen Paris den Rücken?

Die Gründe für den Bevölkerungsrückgang sind vielfältig. Einer der Haupttreiber ist das negative Wanderungssaldo – mehr Menschen verlassen Paris, als neu hinziehen. Aber warum eigentlich?

Da ist zunächst die Wohnungskrise. Viele Wohnungen werden inzwischen lieber an Touristen vermietet oder als Zweitwohnsitze genutzt – ein Albtraum für Familien oder Alleinstehende auf Wohnungssuche. Der Wohnraum, der bleibt, ist meist klein und teuer. Vor allem Familien flüchten ins Umland, weil Paris schlicht nicht genug Platz bietet – oder besser gesagt: keinen bezahlbaren.

Dazu kommt ein weiteres Problem: Das klassische Familienbild hat sich gewandelt. Immer mehr Menschen leben allein – durch Trennungen, längere Lebensspannen oder den bewussten Wunsch nach Unabhängigkeit. Diese Ein-Personen-Haushalte blockieren Wohnraum und führen dazu, dass sich die Wohnsituation weiter zuspitzt.

Und als wäre das nicht genug, sinkt auch die Geburtenrate drastisch. Von 32.000 Geburten im Jahr 2022 ging es 2023 runter auf 22.000 – ein Rückgang von satten 18 Prozent seit 2020. Ein alarmierender Trend, der durch den demografischen Wandel zusätzlich befeuert wird: Die Pariser Bevölkerung wird älter und gebiert weniger Kinder.

Wenn Schulen leer bleiben und soziale Gräben wachsen

Diese Entwicklung bleibt nicht folgenlos – vor allem nicht für das Bildungssystem. Öffentliche Schulen verzeichnen einen kontinuierlichen Rückgang der Schülerzahlen. Das führt zu Schulschließungen und gekürzten Budgets.

Doch ein Blick auf die Privatschulen zeigt ein ganz anderes Bild: Dort steigen die Anmeldungen weiter an. Bis 2034 soll der Anteil der Sechstklässler in Privatschulen auf 51,5 Prozent steigen. Was bedeutet das? Ganz einfach: Wer es sich leisten kann, bringt seine Kinder in private Bildungseinrichtungen. Der Rest bleibt zurück. Eine soziale Spaltung bahnt sich an – still, aber deutlich.

Hoffnungsschimmer: Der Wille zur Veränderung ist da

Doch es gibt auch Licht am Ende des Tunnels – zumindest theoretisch.

Die Stadt Paris hat erkannt, dass man gegensteuern muss. Eine der ersten Maßnahmen betrifft die touristischen Vermietungen, die reguliert werden sollen. Ziel ist es, Wohnraum wieder dem ursprünglichen Zweck zuzuführen: dem Wohnen.

Auch beim sozialen Wohnungsbau will man ambitionierter vorgehen. Bis 2035 soll der Anteil von derzeit 25 auf 30 Prozent steigen. Das wäre ein Schritt in Richtung Durchmischung und Gerechtigkeit – wenn es denn gelingt.

Eine weitere Hoffnung liegt in der Zusammenarbeit auf regionaler Ebene. Die Métropole du Grand Paris – also die Region rund um Paris – könnte zum entscheidenden Akteur werden. Denn urbane Probleme machen nicht an Stadtgrenzen halt. Eine koordinierte Strategie in Sachen Wohnungsbau, Infrastruktur und Verkehr wäre der Schlüssel zu echter Veränderung.

Und jetzt?

Bleibt die Frage: Kann Paris den Trend umkehren – oder wird die Stadt langfristig zur Kulisse für Touristenselfies, während die echten Pariser ins Umland ziehen?

Klar ist: Es braucht mehr als gute Absichten. Die Maßnahmen müssen umgesetzt werden – konsequent und koordiniert. Die Stadt, die einst für alle offen war, steht an einem Wendepunkt. Jetzt geht es darum, ob sie lebendig, gerecht und inklusiv bleibt – oder ob sie sich weiter entvölkert.

Denn eines steht fest: Paris darf nicht zur Stadt werden, in der zwar alles glänzt, aber niemand mehr lebt.

Von Andreas M. Brucker