Paris – 20.09.2026: Das Musée Jacquemart-André eröffnet seine Herbstsaison mit der Ausstellung "Éternel Tintoret". Bis zum 24. Januar 2027 versammelt das Pariser Haus rund vierzig Gemälde und grafische Arbeiten von Jacopo Robusti, genannt Tintoretto, aus öffentlichen und privaten Sammlungen Europas. Nach Angaben des Museums ist es die erste Ausstellung in Frankreich, die seine gesamte Laufbahn in einem größeren Überblick nachzeichnet.
Tintoretto, 1518 oder 1519 in Venedig geboren und dort 1594 gestorben, gehörte zu den eigensinnigsten Malern der italienischen Renaissance. Sein Beiname verweist auf den Beruf seines Vaters, eines Färbers. Die Schau folgt dem Künstler von den frühen Erfolgen der 1540er Jahre bis zu den großen Aufträgen seiner späten Werkstattzeit. Seine Bilder prägen das Erscheinungsbild Venedigs bis heute.
Der Parcours konzentriert sich auf jene Unruhe, die Tintorettos Malerei unverwechselbar macht: Figuren geraten in Bewegung, Räume kippen in steile Perspektiven, Licht fällt wie eine dramatische Regieanweisung auf Körper und Gesichter. Das Museum fasst diese energische Arbeitsweise mit dem italienischen Begriff "prestezza". Gemeint ist eine malerische Rasanz, die nicht auf Flüchtigkeit beruht, sondern auf sicherer Beherrschung der Mittel und einem ausgeprägten Sinn für Wirkung.
Zu sehen sind religiöse Kompositionen wie das zwischen 1547 und 1549 entstandene "Wunder des heiligen Augustinus" aus dem Palazzo Chiericati in Vicenza und die auf 1561 oder 1562 datierte "Trinität" aus der Galleria Sabauda in Turin. Solche Bilder lösen biblische Erzählungen aus feierlicher Starre. Die Heiligen erscheinen als Handelnde in einer Welt aus Schatten, Glanz und jähen Blickachsen.
Tintorettos Kunst entstand aus produktiver Reibung. Er bewunderte Michelangelos kraftvolle Zeichnung und maß sich mit dem venezianischen Kolorismus Tizians, seines großen Rivalen. Aus körperhafter Form und leuchtender Farbe entwickelte er eine Bildsprache, die bereits auf den Barock vorausweist. Die Ausstellung verfolgt außerdem seinen Nachhall in der französischen Malerei des 19. Jahrhunderts.
Viele seiner monumentalen Werke können ihren angestammten Ort nicht verlassen. Tintoretto arbeitete für den Dogenpalast und die Scuola Grande di San Rocco, wo seine großen Bildzyklen fest mit der Architektur verbunden sind. Die Pariser Auswahl setzt deshalb auf transportable Gemälde und Zeichnungen, an denen sich seine Erfindungskraft im kleineren Format studieren lässt.
Kuratiert wurde die Ausstellung von Giovanni Carlo Federico Villa, Neville Rowley und Pierre Curie; die Inszenierung stammt von Hubert Le Gall. Das Museum am Boulevard Haussmann öffnet montags bis donnerstags von 10 bis 18 Uhr, freitags bis 22 Uhr und am Wochenende bis 19 Uhr. Der reguläre Eintritt für Sammlung und Ausstellung beträgt 19 Euro.
Quellen
- Musée Jacquemart-André
- Franceinfo Kultur
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