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Pariser Dachkunst: Handwerk der Zinkdachdecker und Ornamenteure wird UNESCO-Kulturerbe

Die Dächer von Paris – ein Symbol der Stadt, das nicht nur das berühmte Stadtbild prägt, sondern auch die Geschichte und das Können von Generationen widerspiegelt. Seit dem 4. Dezember 2023 gehören die Fertigkeiten der Pariser Zinkdachdecker und Ornamenteure offiziell zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO. Eine Anerkennung, die die Bedeutung dieses Handwerks unterstreicht und den…

Foto Nil Castellví

Die Dächer von Paris – ein Symbol der Stadt, das nicht nur das berühmte Stadtbild prägt, sondern auch die Geschichte und das Können von Generationen widerspiegelt. Seit dem 4. Dezember 2023 gehören die Fertigkeiten der Pariser Zinkdachdecker und Ornamenteure offiziell zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO. Eine Anerkennung, die die Bedeutung dieses Handwerks unterstreicht und den Blick auf die Herausforderungen der Zukunft lenkt.

Von Haussmann bis heute: Die Geburt einer Dachkunst

Die Zinkdachdecker verdanken ihren Namen dem grauen Metall, das etwa 80 % der Pariser Dächer bedeckt. Dieses Handwerk entstand im 19. Jahrhundert, als Georges-Eugène Haussmann unter Napoleon III. die Stadt neu gestaltete. Zink und Schiefer, damals erschwinglicher geworden durch die industrielle Revolution, wurden zu den bevorzugten Materialien. Die Dachflächen, gekrönt von kunstvollen Ornamenten, wurden zu einem unverkennbaren Markenzeichen der französischen Hauptstadt.

„Paris ohne seine Dächer wäre wie Paris ohne den Eiffelturm“, bringt es Delphine Bürkli, Bürgermeisterin des 9. Arrondissements, auf den Punkt. Doch die Eintragung ins UNESCO-Kulturerbe ist nicht nur eine Hommage an die Vergangenheit – sie soll auch eine Brücke in die Zukunft schlagen.

Anerkennung und Herausforderung

Die Entscheidung der UNESCO geht auf eine Initiative aus dem Jahr 2014 zurück. Was ursprünglich als Antrag für die Aufnahme der Pariser Dächer als Weltkulturerbe begann, wurde später zu einem Antrag für die Anerkennung der Handwerkskunst selbst. Laut Mériadec Aulanier, Vertreter des Verbands der Zinkdachdecker, war das Ziel klar: „Wir wollten die Geste bekannt machen – dieses Handwerk, das von Generation zu Generation weitergegeben wird.“

Doch das Handwerk steht vor Herausforderungen. In Paris gibt es nur noch 5.000 bis 6.000 aktive Zinkdachdecker, und der Beruf leidet unter einem Nachwuchsmangel. Die Anerkennung durch die UNESCO soll das ändern. „Wir hoffen, dass mehr junge Menschen diesen Beruf entdecken und sich für diese ‚Haute Couture‘ des Bauwesens begeistern“, so Aulanier.

Anpassung an den Klimawandel

Die Pariser Dächer stehen nicht nur für Ästhetik und Geschichte, sondern sind auch Schauplatz moderner Herausforderungen. Der Klimawandel stellt Zinkdachdecker und Ornamenteure vor neue Aufgaben. Die Dächer müssen wärmeresistent und umweltfreundlich gestaltet werden, ohne das historische Stadtbild zu beeinträchtigen.

Ein zentrales Thema ist das sogenannte Albedo-Effekt: Helle Dächer reflektieren Sonnenlicht und helfen, die Erhitzung der Stadt zu reduzieren. Laut einem Bericht des Pariser Stadtplanungsinstituts Apur sind derzeit nur etwa die Hälfte der Pariser Dächer hell genug, um diesen Effekt optimal zu nutzen. Zusätzlich erschweren die sommerlichen Hitzewellen das Arbeiten auf den Dächern – die Temperaturen erreichen oft über 45°C.

Die Lösungen? Isolierung, begrünte Dächer, helle Beschichtungen und neue Technologien. „Dieses Handwerk hat sich immer angepasst“, sagt Aulanier. Doch er betont: „Die Grenzen des Handwerks werden getestet. Jetzt ist die Zeit für Innovation.“

Ein Beruf mit Stolz und Zukunft

Die UNESCO-Anerkennung bringt nicht nur Prestige, sondern auch Hoffnung. „Es gibt eine große Ehre für die Handwerker, dass ihr Beruf international gewürdigt wird“, erklärt Gilles Mermet, ein Fotograf und Unterstützer der Bewerbung. Mit der Sichtbarkeit steigt auch das Bewusstsein für die Bedeutung der Handwerkskunst, die oft im Verborgenen bleibt – hoch oben auf den Dächern, weit entfernt von den Augen der Passanten.

Für Paris ist die Anerkennung ein doppeltes Geschenk: Sie bewahrt ein Stück Kultur und ebnet den Weg für eine nachhaltige urbane Zukunft. Wie Delphine Bürkli es ausdrückt: „Die Dächer sind die urbane Baumkrone von Paris – ein Symbol, das genauso lebendig ist wie die Stadt selbst.“

Mit dieser neuen Anerkennung beginnt eine weitere Etappe für die Dächer von Paris und ihre stillen Hüter. Denn die Zukunft der Stadt hängt auch von ihnen ab – den Handwerkern, die Paris vor Sonne, Regen und der Zeit schützen.

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