Aktuell · 21.07.2026 16:32
Pflaumenbauern im Lot-et-Garonne testen tropische Kulturen als Klimaanpassung
Nach wiederholten Hitzephasen geraten Pflaumenbetriebe im Lot-et-Garonne unter Druck. Einige Erzeuger prüfen Zitrusfrüchte und Bananen als mögliche Ergänzung zu ihren traditionellen Kulturen.
Agen – 21.07.2026: Nach mehreren Phasen extremer Hitze steht die Pflaumenernte im Lot-et-Garonne unter erheblichem Druck. Franceinfo berichtet, dass Erzeuger beträchtliche Ausfälle befürchten und nach neuen Kulturen suchen. Einige Betriebe prüfen den Anbau von Zitrusfrüchten, andere sogar von Bananen. Damit reagiert ein traditionelles Obstbaugebiet auf zunehmend unsichere Sommerbedingungen.
Die Pflaume d'Ente ist für den Südwesten Frankreichs wirtschaftlich besonders wichtig, weil sie die Grundlage für die Produktion von Agen-Pflaumen bildet. Wiederkehrende hohe Temperaturen können jedoch Früchte schädigen, ihre vorzeitige Abreife fördern und die Erntemenge mindern. Für spezialisierte Familienbetriebe erhöhen solche Verluste den Druck, Anbau, Bewässerung und Vermarktung gleichzeitig neu zu organisieren.
Die aktuelle Lage folgt auf einen außergewöhnlich heißen und trockenen Juni. Météo-France meldete für Juni 2026 mit einer landesweiten Durchschnittstemperatur von 22,7 Grad Celsius den wärmsten Juni seit Beginn der Messreihe. Zwischen dem 17. und 30. Juni traf eine frühe, lang anhaltende und sehr intensive Hitzewelle Frankreich. Die Niederschläge lagen im Monatsmittel deutlich unter dem üblichen Niveau.
Das Landwirtschaftsministerium verweist darauf, dass hohe Temperaturen oberhalb von 35 Grad Celsius für bestimmte Sorten im Obstbau Mengen und Qualität beeinträchtigen können. Hinzu kommen geringe Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht sowie eine sinkende Wasserverfügbarkeit. Diese Kombination erschwert es Obstbäumen, sich von Hitzestress zu erholen, besonders wenn trockene Böden die Wasserversorgung zusätzlich begrenzen.
Zitrusfrüchte oder Bananen gelten dabei nicht als kurzfristiger Ersatz für die Pflaume d'Ente. Neue Kulturen verlangen geeignete Böden, Wasser, Fachwissen, Investitionen und sichere Absatzwege. Sie müssen außerdem mehrere Jahre lang unter den lokalen Bedingungen erprobt werden. Die von Franceinfo beschriebenen Versuche zeigen daher vor allem, wie Betriebe ihr Produktionsrisiko breiter streuen wollen.
Für das Lot-et-Garonne steht mehr auf dem Spiel als eine einzelne Ernte. Die Region ist stark von Obst- und Gemüsebau geprägt, während die Pflaumenproduktion zahlreiche Arbeitsplätze in Anbau, Trocknung, Verarbeitung und Handel stützt. Wenn klimatische Risiken häufiger auftreten, können sich auch Kosten für Versicherungen, Bewässerung, Pflanzenschutz und Erneuerung der Obstgärten erhöhen.
Die Entwicklung unterstreicht den Anpassungsdruck für die französische Landwirtschaft. Neben hitzetoleranteren Sorten und einem sparsameren Wassermanagement setzen Betriebe auf mehr Vielfalt in den Kulturen. Ob tropischere Pflanzen im Südwesten Frankreichs dauerhaft wirtschaftlich tragfähig werden, muss sich erst in den kommenden Anbaujahren zeigen. Für die Pflaumenbauern ist die Suche nach Alternativen bereits Teil der laufenden Krisenvorsorge.
Quellen
- Franceinfo
- Météo-France
- Ministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Ernährungssouveränität