Paris – 17.09.2026: Ein freies Zimmer, feste Zeiten, gemeinsame Mahlzeiten: Seit sechs Monaten bestimmt Mathéo den Alltag von Gérald und Lydie mit. Der 17-Jährige wurde dem Ehepaar im Rahmen einer gerichtlichen Maßnahme anvertraut. In einem am Donnerstag veröffentlichten Fernsehbericht von Franceinfo erzählen die beiden von ihrer Aufgabe. Mathéo war zuvor strafrechtlich verurteilt worden; nähere Angaben zu den Taten macht der Bericht nicht.
Die Pflegeeltern verstehen ihre Rolle als Verbindung von Zuwendung und klaren Regeln. Ein Jugendlicher, der bereits Brüche erlebt habe, brauche einen verlässlichen Alltag. Gérald und Lydie setzen deshalb auf kleine Schritte: morgens aufstehen, Termine einhalten, miteinander sprechen. Mathéo bleibt während der Unterbringung unter der Aufsicht der französischen Jugendgerichtshilfe Protection judiciaire de la jeunesse (PJJ).
Eine solche Aufnahme ist kein privates Hilfsprojekt ohne staatliche Kontrolle. Sie beruht auf einer gerichtlichen Entscheidung und wird von Fachkräften begleitet. Pflegefamilien der PJJ nehmen Minderjährige für einen begrenzten Zeitraum bei sich auf, wenn ein familiäres Umfeld für die pädagogische Arbeit geeigneter erscheint als eine gemeinschaftliche Einrichtung. Als Ziele nennt die Justizverwaltung einen stabilen Alltag, Schulbildung und berufliche Eingliederung.
Das französische Justizministerium hatte Anfang 2026 erneut um Pflegefamilien geworben. Bewerber müssen unter anderem ein einwandfreies Führungszeugnis vorlegen, ein eigenes Zimmer für den Jugendlichen bereitstellen und die Zustimmung aller Haushaltsmitglieder einholen. Die PJJ übernimmt die fachliche Begleitung; Ansprechpartner können nach Angaben des Ministeriums rund um die Uhr erreichbar sein. Die Familien öffnen damit ihren privaten Alltag für eine Aufgabe, die zugleich Teil des staatlichen Jugendstrafvollzugs ist.
Der Bericht über Gérald, Lydie und Mathéo erscheint in einer Phase des Umbaus der französischen Jugendstrafjustiz. Seit dem 1. September 2026 wurden landesweit 85 neue gerichtliche Einheiten mit pädagogischem Schwerpunkt eröffnet. Sie sollen frühere geschlossene Erziehungseinrichtungen und andere kollektive Unterbringungsformen im staatlichen Bereich schrittweise ablösen. Auch individuelle Wohnformen wie Pflegefamilien können Teil eines solchen Betreuungswegs sein.
Die neuen Einheiten sollen gerichtliche Auflagen mit Bildung, Ausbildung und sozialpädagogischer Begleitung verbinden. Je nach richterlicher Entscheidung gelten für die Jugendlichen unterschiedliche Vorgaben, darunter Ausgangsbeschränkungen oder eine engmaschige Kontrolle. Die Unterbringung bei einer Familie hebt die Sanktion daher nicht auf. Sie verlagert sie in einen Alltag, in dem feste Bezugspersonen Vertrauen aufbauen und Fortschritte unmittelbar begleiten können.
Nach sechs Monaten lässt sich noch nicht beurteilen, ob Mathéo dauerhaft Fuß fassen wird. Der Bericht dokumentiert eine frühe Etappe. Die PJJ verfolgt mit solchen Maßnahmen das Ziel, Rückfälle zu verhindern und den Jugendlichen den Weg zurück in Schule, Ausbildung und ein geregeltes Leben zu erleichtern.
Quellen
- Franceinfo
- Französisches Justizministerium
- La Justice recrute
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).