Politik & Gesellschaft

Philippe und Mélenchon streiten in Mayotte über die Migrationspolitik

Édouard Philippe fordert für Mayotte weitreichende Ausnahmen im Asyl- und Staatsangehörigkeitsrecht. Jean-Luc Mélenchon hält den Kurs für undurchführbar und setzt auf Verhandlungen mit den Komoren.

Tsingoni – 22.08.2026: Édouard Philippe hat bei einem Besuch in Mayotte eine deutliche Verschärfung der Migrationspolitik gefordert und damit eine Kontroverse mit Jean-Luc Mélenchon ausgelöst. Der Vorsitzende der Mitte-rechts-Partei Horizons, der bei der Präsidentschaftswahl 2027 antreten will, lud den Gründer von La France insoumise ein, sich selbst ein Bild von der Lage im französischen Überseedepartement zu machen. Die Folgen der Migration seien dort bei der Wasserversorgung, in den Schulen und im Gesundheitswesen unmittelbar zu spüren, erklärte Philippe.

Auslöser des Streits ist ein Maßnahmenpaket, das der frühere Premierminister am Freitag, dem 21. August, vorgestellt hatte. Philippe fordert, die Bearbeitung von Asylanträgen und den Familiennachzug in Mayotte auszusetzen. Auch das Geburtsortsprinzip, nach dem unter bestimmten Voraussetzungen in Frankreich geborene Kinder ausländischer Eltern die französische Staatsangehörigkeit erwerben können, soll dort nach seinem Willen nicht mehr gelten. Zudem regte er ein Rückkehrzentrum in Ostafrika an. So solle der Anreiz für irreguläre Überfahrten nach Mayotte sinken.

Mélenchon bezeichnete die Vorschläge als absurd, provokativ und praktisch nicht umsetzbar. Der Linkspolitiker warnte vor Forderungen, deren rechtliche und organisatorische Umsetzung ungeklärt sei. Eine weitere Abschottung könne Menschen zudem auf noch gefährlichere Seewege drängen. Zugleich räumte er ein, dass die vom Zyklon Chido schwer getroffene Inselgruppe nur begrenzte Aufnahmekapazitäten besitzt. Statt einseitiger Einschränkungen verlangt Mélenchon Verhandlungen mit den benachbarten Komoren über die Migrationsbewegungen.

Mayotte liegt im Indischen Ozean zwischen Madagaskar und der ostafrikanischen Küste. Seine geografische Nähe und seine historischen Verbindungen zu den Komoren machen das Département seit Jahren zu einem Ziel irregulärer Migration. Nach Angaben des Statistikamts Insee leben dort rund 323.000 Menschen; nahezu die Hälfte besitzt eine ausländische Staatsangehörigkeit. Neben Menschen aus den Komoren erreichen zunehmend Schutzsuchende aus der Demokratischen Republik Kongo, Burundi und Ruanda die Inselgruppe, seit 2024 auch aus Somalia.

Die staatliche Bilanz gibt einen Eindruck vom Verwaltungs- und Sicherheitsaufwand. Nach Regierungsangaben wurden 2025 in Mayotte 23.421 ausreisepflichtige Ausländer abgeschoben. Dafür fielen Kosten von 9,8 Millionen Euro an. Zehn Jahre zuvor waren 18.763 Rückführungen und Ausgaben von 2,9 Millionen Euro verzeichnet worden. Die 2023 eingeleitete Operation Wuambushu kostete weitere 8,9 Millionen Euro; täglich waren dafür etwa 400 Polizisten und Gendarmen im Einsatz.

Der Streit eröffnet zugleich eine frühe programmatische Auseinandersetzung vor der Präsidentschaftswahl 2027. Philippe verbindet die Krise in Mayotte mit der Forderung nach einem grundsätzlich strengeren französischen Migrationsrecht. Mélenchon setzt dagegen auf Diplomatie mit den Komoren und den Schutz der Menschen auf den Migrationsrouten. Auch der Vorsitzende der Sozialisten, Olivier Faure, kritisierte Philippes Vorstoß und warf ihm vor, andere politische Aufgaben wie den Klimaschutz zurückzustellen.

Quellen

  • Franceinfo
  • AFP via Boursorama
  • TF1 Info
  • Französischer Senat
  • Franceinfo La 1ère
  • Le Monde
  • Euronews
  • Europe 1

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

Ende des Artikels