Mulhouse – 20.10.2026: Nach den landesweiten Demonstrationen gegen hohe Lebenshaltungskosten liegen der französischen Polizeiaufsicht sechs Fälle zur Prüfung vor. Die Inspection générale de la Police nationale (IGPN) untersucht nach Angaben von Franceinfo mögliche Gewalt durch Einsatzkräfte am 17. und 18. Oktober. Die Vorgänge ereigneten sich in Mulhouse, Straßburg, Saint-Étienne und Paris. Die Ermittlungen stehen am Anfang; eine strafrechtliche Verantwortung ist bislang nicht festgestellt.
Besonders schwer wiegt der Fall einer 17-Jährigen in Mulhouse im Département Haut-Rhin. Sie wurde am Rande der Demonstration am 17. Oktober am Auge verletzt und verlor nach Angaben der Staatsanwaltschaft auf diesem Auge die Sehkraft. Die Staatsanwaltschaft eröffnete ein Ermittlungsverfahren wegen schwerer Gewalt und beauftragte die regionale IGPN-Dienststelle in Metz mit den Untersuchungen. Wie die Verletzung entstand und welches Einsatzmittel sie verursachte, ist öffentlich noch nicht geklärt.
In Saint-Étienne wurde ein ebenfalls 17 Jahre alter Jugendlicher schwer an der Hand verletzt. Franceinfo zufolge wurde ihm eine Hand abgerissen; geprüft wird, ob die Verletzung durch eine von Sicherheitskräften eingesetzte Granate verursacht wurde. Die Staatsanwaltschaft betraute sowohl die IGPN als auch die Aufsicht der Gendarmerie, die Inspection générale de la Gendarmerie nationale, mit der Rekonstruktion des Geschehens. Der Jugendliche wurde in das Universitätsklinikum von Saint-Étienne gebracht.
Weitere Prüfungen betreffen Einsätze in Straßburg und Paris. Zu den Betroffenen, möglichen Verletzungen und beteiligten Einheiten liegen bislang keine gesicherten Einzelheiten vor. Die Ermittler müssen nun unter anderem Bildaufnahmen, Funkprotokolle, Zeugenaussagen und medizinische Befunde auswerten. Auf dieser Grundlage soll geklärt werden, welche Mittel eingesetzt wurden und ob Einsatzkräfte gegen dienstliche Vorschriften oder Strafgesetze verstießen.
An den Protesten vom 17. Oktober beteiligten sich nach Angaben des Innenministeriums landesweit rund 550.000 Menschen; die Organisatoren nannten eine höhere Zahl. Viele Kundgebungen verliefen friedlich, in mehreren Städten kam es jedoch zu Ausschreitungen, Sachbeschädigungen und Festnahmen. Die mutmaßliche Gewalt durch Einsatzkräfte wird unabhängig von den Verfahren wegen möglicher Straftaten aus den Demonstrationszügen untersucht.
Die IGPN führt administrative und strafrechtliche Untersuchungen, wenn Angehörige der Nationalpolizei verdächtigt werden, ihre Dienstpflichten verletzt oder rechtswidrig Gewalt angewandt zu haben. Ihre Einschaltung ist weder ein Beleg für Schuld noch eine Entlastung der beteiligten Beamten. In Mulhouse und Saint-Étienne müssen die Ermittler zunächst eine belastbare Chronologie erstellen und die genaue Ursache der schweren Verletzungen bestimmen. Nach früheren Berichten waren zunächst vier Ermittlungen bekannt geworden; Franceinfo berichtete am 20. Oktober von insgesamt sechs Fällen.
Quellen
- Franceinfo
- Associated Press
- Le Monde
- TF1 Info
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).