Paris – 24.09.2026: Die Umweltorganisation Pollinis warnt vor wachsendem finanziellem und politischem Druck auf die französische Agentur für Lebensmittelsicherheit, Umwelt- und Arbeitsschutz, kurz Anses. In einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht wirft sie Akteuren aus Politik und Agrochemie vor, wissenschaftliche Bewertungen von Pflanzenschutzmitteln stärker an wirtschaftlichen Interessen ausrichten zu wollen. Nach Darstellung der Organisation gerät die Behörde dadurch zunehmend in ihrer Unabhängigkeit unter Druck.
Die Anses prüft in Frankreich Risiken für Gesundheit und Umwelt. Seit Juli 2015 entscheidet sie außerdem darüber, ob Pflanzenschutzmittel und deren Zusatzstoffe zugelassen werden, ob bestehende Genehmigungen geändert werden oder ob Produkte vom Markt genommen werden müssen. Damit kommt ihr eine Schlüsselrolle zwischen wissenschaftlicher Risikobewertung, landwirtschaftlicher Praxis und staatlicher Regulierung zu. Angaben zu zugelassenen Mitteln und ihren jeweiligen Verwendungszwecken veröffentlicht sie in der Datenbank E-Phy.
Pollinis beschreibt die Agentur als eine Institution, die zwischen unzureichender Finanzierung und Forderungen nach schnelleren oder weniger strengen Zulassungsverfahren eingeklemmt sei. Als Beleg verweist die Organisation auf ihre eigene Auswertung von Entscheidungen der Anses: Von Januar bis August 2026 seien 47 neue Zulassungen für Pflanzenschutzmittel und Zusatzstoffe sowie 138 Ausnahmegenehmigungen erteilt worden. Die Zahlen stammen von Pollinis; eine unabhängige amtliche Bewertung der daraus gezogenen Schlussfolgerungen liegt nicht vor.
Die Auseinandersetzung reicht über den aktuellen Bericht hinaus. Das Berufungsverwaltungsgericht Paris stellte am 3. September 2025 Mängel bei der staatlichen Bewertung und Zulassung von Pflanzenschutzmitteln fest. Es verpflichtete den französischen Staat, die Verfahren an den aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand und die europäischen Vorgaben zum Umweltschutz anzupassen. Geklagt hatten neben Pollinis die Organisationen Notre Affaire à Tous, Biodiversité sous nos pieds, ANPER-TOS und ASPAS.
Auch neue Zulassungsregeln sorgen für Streit. Ein Dekret vom 8. Juli 2025 enthält Bestimmungen für Pflanzenschutzmittel und nimmt Bezug auf europäische Verfahren zur Risikobewertung. Pollinis hält die damit verbundene Entwicklung für einen Eingriff in den wissenschaftlichen Handlungsspielraum der Anses und hat nach eigenen Angaben den Staatsrat angerufen, um die Regelung überprüfen zu lassen.
Die Vorwürfe betreffen damit zwei Ebenen: die personellen und finanziellen Arbeitsbedingungen der Behörde sowie die politischen Regeln, nach denen sie Zulassungsentscheidungen trifft. Eine Bestätigung der von Pollinis behaupteten Einflussnahme durch eine staatliche Ermittlungs- oder Kontrollstelle ist bislang nicht bekannt. Belastbar dokumentiert sind hingegen der Bericht der Organisation, die Zuständigkeit der Anses und das Urteil des Pariser Berufungsverwaltungsgerichts.
Quellen
- Franceinfo
- Pollinis
- Anses
- Légifrance
- Berufungsverwaltungsgericht Paris
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).