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Präsident aus Wachs – eine Botschaft aus Beton: Greenpeace protestiert gegen Frankreichs Russlandpolitik

Was wie ein Drehbuch für eine schräge Politkomödie klingt, war am 2. Juni 2025 pure Realität in Paris: Vier Greenpeace-Aktivisten entführten in einer spektakulären Aktion die Wachsfigur von Präsident Emmanuel Macron aus dem berühmten Musée Grévin und platzierten sie – wohin sonst? – direkt vor der russischen Botschaft. Zwischen Bannern, die den französischen Energiehandel mit…

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Was wie ein Drehbuch für eine schräge Politkomödie klingt, war am 2. Juni 2025 pure Realität in Paris: Vier Greenpeace-Aktivisten entführten in einer spektakulären Aktion die Wachsfigur von Präsident Emmanuel Macron aus dem berühmten Musée Grévin und platzierten sie – wohin sonst? – direkt vor der russischen Botschaft. Zwischen Bannern, die den französischen Energiehandel mit Russland anprangerten, stand der Präsident aus Wachs sinnbildlich für eine Politik voller Widersprüche.

Ein Coup mit Charme und Chuzpe

Die Aktivisten agierten clever. Erst als Touristen, dann als Museumsmitarbeiter getarnt, bugsierten sie die 40.000 Euro teure Statue durch die engen Gänge des Museums und auf die Straßen der Hauptstadt. Ziel: die russische Botschaft im 16. Arrondissement.

Und was macht man mit einem französischen Präsidenten aus Wachs? Man stellt ihn dorthin, wo’s wehtut – und zwar mitten in die Debatte um Frankreichs widersprüchliche Russlandpolitik. Die Aktion sollte laut Greenpeace ein grelles Schlaglicht auf die Tatsache werfen, dass Frankreich sich zwar solidarisch mit der Ukraine zeigt, gleichzeitig aber weiterhin russisches Gas, Düngemittel und Uran importiert.

Jean-François Julliard, der Geschäftsführer von Greenpeace Frankreich, brachte es auf den Punkt: Macron inszeniere sich als Unterstützer der Ukraine, während französische Unternehmen im Hintergrund weiter lukrative Geschäfte mit Russland abschlössen. Treffender lässt sich Doppelmoral kaum darstellen.

https://twitter.com/Kazdal95/status/1929578614003028031

Energieimporte trotz Krieg?

Frankreich hat seine Importe aus Russland nicht etwa reduziert – ganz im Gegenteil. 2024 war das Land der größte Abnehmer von russischem Flüssiggas (LNG) in der gesamten EU. Ein Plus von satten 80 Prozent im Vergleich zu 2023. Auch bei Düngemitteln schießt die Kurve steil nach oben: Zwischen 2021 und 2023 wuchs der Import russischer Produkte um 86 Prozent.

Und dann ist da noch Rosatom – der russische Atomgigant. Während Europa Russland mit Sanktionen belegt, kooperiert Frankreich mit dessen staatlichem Nuklearkonzern, liefert wiederaufbereitetes Uran und beteiligt sich an Projekten zum Bau von Atomkraftwerken in Ungarn.

Klingt das nach kohärenter Außenpolitik? Oder eher nach einem Tanz auf zwei Hochzeiten?

https://twitter.com/nexta_tv/status/1929575364365365310

Der Präsident als Kunstfigur

Manche nannten die Wachsfigur ohnehin eine Karikatur – jetzt ist sie zur politischen Satire geworden. Die Figur, 2018 ohne Mitwirkung Macrons erstellt, war schon damals wegen ihrer unvorteilhaften "Ähnlichkeit" mit dem echten Präsidenten verspottet worden. Vielleicht war es genau dieser unfreiwillige Humor, der sie zur perfekten Symbolfigur machte.

Das Musée Grévin bestätigte den „Diebstahl“ – Greenpeace sprach hingegen von einem „temporären Ausleihen“. Wann die Figur zurückkommt, ist unklar. Ob man sie im Museum überhaupt wiederhaben möchte? Wer weiß.

Ein Bild sagt mehr als tausend Pressemitteilungen

Die Wachsfigur vor der russischen Botschaft ist mehr als eine Protestaktion – sie ist ein visuelles Manifest. Ein Mahnmal für verfehlte Politik, ein satirischer Spiegel der Realität. Greenpeace hat es geschafft, komplexe geopolitische Themen greifbar zu machen, indem es sie buchstäblich plastisch dargestellt hat.

Und die Regierung? Schweigt bisher. Vielleicht, weil sie weiß, dass man gegen Bilder kaum anreden kann. Vielleicht auch, weil man sich keine Blöße geben will. Oder, ganz banal: weil man schlicht nicht weiß, wie man mit dieser Form von Protest umgehen soll.

Das politische Erdbeben hinter der Skulptur

Der Fall zeigt, wie schwer es für Staaten ist, politische Prinzipien mit wirtschaftlichen Interessen in Einklang zu bringen. Frankreich will Teil der „guten Seite“ im Ukraine-Krieg sein, doch wirtschaftlich hängt es weiter am Tropf des russischen Energiesektors. Das passt nicht zusammen – und genau darauf wollte Greenpeace hinweisen.

Ist es nicht höchste Zeit, dass politische Entscheidungen auch wirtschaftlich konsistent umgesetzt werden? Dass man nicht nur die richtigen Dinge sagt, sondern sie auch tut?

Das Bild von Macron vor der russischen Botschaft bleibt – zumindest symbolisch – haften. Und erinnert daran, dass politische Glaubwürdigkeit eben keine Wachsfigur ist. Sondern etwas, das man sich jeden Tag aufs Neue verdienen muss.

Von C. Hatty

https://www.youtube.com/watch?v=qrSCCinmjeM

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