Paris – 03.10.2026: Wenige Tage vor der ersten Abstimmungsrunde der sozialdemokratischen Vorwahl verschärft ein veröffentlichtes Video den Streit in der französischen Linken. Darin ist Raphaël Glucksmann während eines Gesprächs mit Unterstützern zu hören. Die Plattform Le Média verbreitete am Freitag Auszüge aus dem Austausch, der nach übereinstimmenden Medienberichten nicht für die Öffentlichkeit bestimmt war.
Glucksmann äußert sich in der Sequenz in grober Sprache über Jean-Luc Mélenchon und Marine Le Pen. Ségolène Royal wirft er vor, sich Emmanuel Macron politisch angedient zu haben. Die frühere Präsidentschaftskandidatin der Sozialisten reagierte am Samstag und nannte seine Worte Ausdruck eines bedrückenden Sexismus. Royal tritt ebenso wie Glucksmann in der Vorwahl an.
Auch Mélenchon protestierte gegen die Äußerungen. Seine Bewegung La France insoumise beteiligt sich zwar nicht an dem Auswahlverfahren, prägt dessen Verlauf aber erheblich. Kaum eine Frage trennt die Kandidaten so deutlich wie der künftige Umgang mit der radikalen Linken. Glucksmann lehnt eine Vereinbarung mit Mélenchons Partei vor der Präsidentschaftswahl 2027 ab und begründet dies mit dem Ziel, Wähler über das linke Lager hinaus zu erreichen.
Die Veröffentlichung trifft die Bewerber in einer bereits angespannten Kampagnenphase. Neben Glucksmann und Royal kandidieren der sozialistische Parteichef Olivier Faure, der Abgeordnete Jérôme Guedj und Emmanuel Maurel von der Gauche républicaine et socialiste. In den bisherigen Fernsehdebatten ging es vor allem um Bündnisse, den Krieg im Gazastreifen und das Verhältnis zu La France insoumise. Bei sozial- und wirtschaftspolitischen Fragen waren die Unterschiede weniger ausgeprägt.
Glucksmanns Umfeld äußerte sich zunächst nicht zu den Videoauszügen. Der Kandidat von Place publique hatte in den Debatten wiederholt gewarnt, eine politische Nähe zu Mélenchon erschwere einen Wahlsieg gegen die extreme Rechte. Royal wirbt dagegen für eine breitere Sammlung linker Wähler, ohne La France insoumise vorbehaltlos zu folgen. Die Kontroverse gibt ihr nun Gelegenheit, zugleich über politischen Stil, Sexismus und die Machtverteilung innerhalb der Linken zu sprechen.
Die letzte Debatte der fünf Kandidaten ist für Sonntag, den 4. Oktober, bei BFM-TV angesetzt. Die erste elektronische Wahlrunde soll am 9. und 10. Oktober stattfinden. Erreicht niemand die erforderliche Mehrheit, folgt am 16. und 17. Oktober eine Stichwahl. Abstimmungsberechtigt sind Mitglieder der beteiligten Organisationen sowie registrierte Unterstützer der Plattform Choisir2027.
Für Glucksmann berührt der Streit den Kern seiner Kandidatur. Er will eine eigenständige sozialdemokratische Kraft zwischen dem Macron-Lager, Mélenchons Bewegung und der nationalen Rechten aufbauen. Nun muss er diesen Anspruch in einer Debatte verteidigen, die wenige Tage vor der Wahl stärker von seinen vertraulichen Worten als von seinem politischen Programm bestimmt wird.
Quellen
- Franceinfo
- Le Progrès
- Le Monde
- Raphaël Glucksmann – Kampagnenseite
- Ségolène Royal – Kampagnenseite
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).