Paris – 30.09.2026: Der Finanzwissenschaftler Rayan Nezzar hat Frankreich zu einem neuen Vertrag zwischen den Generationen aufgerufen. In der Sendung "C Ce Soir" kritisierte der Professor für öffentliche Finanzen und Steuerrecht eine Politik, die gegenwärtige Ansprüche absichere, deren langfristige finanzielle und ökologische Folgen jedoch jüngeren Menschen überlasse. Eine solche Verteilung der Lasten gefährde den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Nezzar griff zu einem drastischen Bild: Er verwies auf Francisco de Goyas Gemälde "Saturn verschlingt seinen Sohn". Nach seiner Deutung droht eine Gesellschaft ihre eigene Zukunft aufzuzehren, wenn Kinder und Enkel für heutige Entscheidungen bezahlen müssen. Nötig sei deshalb ein erneuerter Ausgleich zwischen den Altersgruppen, der die Interessen kommender Generationen ausdrücklich berücksichtigt.
Seine Kritik verbindet Nezzar mit der Entwicklung der französischen Staatsfinanzen. In einem im Juni veröffentlichten Beitrag beschrieb er den Konflikt zwischen hohen laufenden Verpflichtungen und Investitionen in Schulen, Forschung, Wohnraum sowie den ökologischen Umbau. Schulden für laufende Ausgaben könnten künftige Handlungsspielräume stärker einschränken als Kredite für Vorhaben, die langfristig Werte schaffen und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit erhöhen.
Die Auseinandersetzung dürfe sich daher nicht auf das Rentensystem beschränken. Junge Erwerbstätige und Haushalte mit mittleren Einkommen seien zugleich mit hohen Wohnkosten, unsicheren Einkommensaussichten und den Folgen des Klimawandels konfrontiert. Nach Nezzars Auffassung müssen Altersvorsorge, Bildung, Familienpolitik, Löhne und öffentliche Infrastruktur gemeinsam verhandelt werden. Werden diese Bereiche getrennt betrachtet, geraten die konkurrierenden Ansprüche an den Staatshaushalt aus dem Blick.
Nezzar lehrt öffentliche Finanzen und Steuerrecht an der Universität Sorbonne Paris Nord. Zuvor arbeitete er als Berater in Ministerkabinetten in Bercy und Matignon. Anfang September stellte er zudem ein Online-Lernspiel zu Haushaltsentscheidungen vor. Darin übernehmen die Spieler die Rolle eines Budgetministers und müssen mehrere widersprüchliche Ziele verfolgen: das Defizit senken, ein Haushaltsgesetz durch das Parlament bringen und zugleich eine politische Mehrheit bewahren.
Der Vorstoß fällt in eine Phase intensiver Debatten über Frankreichs Staatsausgaben und die Verteilung knapper öffentlicher Mittel. Nezzar plädiert dabei nicht für einen einzelnen kurzfristigen Sparbeschluss. Er verlangt vielmehr transparente Prioritäten und eine Unterscheidung zwischen Ausgaben, die bestehende Verpflichtungen fortschreiben, und Investitionen, die späteren Generationen zugutekommen.
Ein neuer Generationenvertrag wäre nach dieser Logik mehr als eine Reform der Rentenfinanzierung. Er würde den Staat verpflichten, bei Haushaltsentscheidungen auch deren langfristige Verteilungswirkung zu prüfen. Maßstab wäre, ob öffentliche Mittel die Chancen künftiger Generationen verbessern oder gegenwärtige Lasten lediglich in die Zukunft verschieben.
Quellen
- Franceinfo
- Le Grand Continent
- LCP – Assemblée nationale
- Universität Sorbonne Paris Nord
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).