Paris – 06.10.2026: Die französische Regierung reagiert auf die anhaltenden Schülerproteste mit einem landesweiten Dialogangebot. Von Mittwoch, 7. Oktober, an soll jedes Gymnasium einen halben Unterrichtstag für Gespräche über die Schwierigkeiten und Erwartungen der Jugendlichen reservieren. Das Bildungsministerium kündigte außerdem eine digitale Konsultation bis zum 23. Oktober an. Der übrige Unterricht soll grundsätzlich stattfinden.
Die Ankündigung folgt auf einen Protesttag, der den Druck auf die Regierung erhöht hat. Nach Angaben des Bildungsministeriums war der Unterricht am Dienstag an 891 der rund 3.700 Gymnasien vollständig oder teilweise ausgesetzt. Das Innenministerium zählte bei etwa 30 Demonstrationen 266.000 Teilnehmer, darunter Schüler, Studierende, Eltern, Lehrkräfte und Gewerkschafter. Die organisierenden Verbände sprachen von 450.000 Demonstrierenden.
Maxime Reppert, nationaler Vizepräsident des Lehrerverbandes Snalc, erklärte nach den Protesten, bloße Zusagen reichten angesichts der Lage nicht aus. Erwartet würden konkrete, umsetzbare Entscheidungen. Die vorgesehenen Gesprächsformate schaffen zwar Raum für Beteiligung, enthalten bislang aber keine Zusagen zu zusätzlichen Stellen, Investitionen oder Änderungen in der Organisation des Schulalltags.
Die Proteste richten sich vor allem gegen überfüllte Klassen, nicht ersetzte Lehrkräfte und lange Stundenpläne. Schüler kritisieren zudem bauliche Mängel und hygienische Probleme an einzelnen Schulen. Unmut richtet sich auch gegen die Hochschulzulassungsplattform Parcoursup. Viele Jugendliche empfinden das Auswahlverfahren und die damit verbundene Bedeutung fortlaufender Bewertungen als zusätzlichen Leistungsdruck. Die Elternvereinigung FCPE unterstützt die Mobilisierung und verweist ebenfalls auf erheblichen Personalmangel.
Der Konflikt berührt mehrere staatliche Ebenen. Für Gebäude und Ausstattung der Gymnasien sind überwiegend die Regionen zuständig; Lehrpersonal, Lehrpläne und die zentrale Steuerung fallen dagegen in die Verantwortung des Staates. Viele der beanstandeten Probleme lassen sich deshalb nicht von einzelnen Schulleitungen beheben. Die Reform der gymnasialen Oberstufe von 2019, die den Unterricht stärker nach gewählten Schwerpunktfächern gliedert, hat nach Einschätzung vieler Betroffener die Stundenpläne zusätzlich verkompliziert.
Die Kundgebungen verliefen in den meisten Städten ohne größere Zwischenfälle. In Paris, Lyon, Nantes, Rennes und Toulouse kam es jedoch zu Auseinandersetzungen. Das Innenministerium meldete 488 Festnahmen und 43 verletzte Sicherheitskräfte. Schüler- und Studierendenorganisationen riefen bereits zu weiteren Kundgebungen für Donnerstag, 8. Oktober, auf.
Premierminister Sébastien Lecornu versucht mit dem Dialogangebot, die Auseinandersetzung von der Straße in die Schulen zu verlagern. Vertreter der Schulleitungen bezweifeln allerdings, dass sich die kurzfristig angesetzten Gesprächshalbtage in Schulen mit bereits gestörten Betriebsabläufen reibungslos organisieren lassen.
Quellen
- Franceinfo
- Französisches Bildungsministerium
- Französisches Innenministerium
- Associated Press
- TV5MONDE mit Agence France-Presse
- FCPE
- LCP – Assemblée nationale
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).