Paris – 28.08.2026: Bruno Retailleau, Präsidentschaftskandidat der Republikaner für 2027, will das gesetzliche Rentenalter erneut anheben. In der Morgensendung "Les 4 Vérités" auf France 2 sagte der Parteivorsitzende am Freitag, er werde eine solche Entscheidung anders als viele andere politische Akteure offen vertreten. Damit rückt er die Rentenpolitik früh in das Zentrum seines Wahlkampfs.
Bereits am 27. August hatte Retailleau bei einer Debatte des französischen Arbeitgeberverbands Medef vorgeschlagen, das Renteneintrittsalter an die Entwicklung der Lebenserwartung zu koppeln. Die Republikaner treten seit Längerem für eine Altersgrenze von 65 Jahren ein. Retailleau begründet diese Linie mit der Finanzierung des umlagefinanzierten Systems und der demografischen Entwicklung: Immer weniger Beitragszahler müssen für eine wachsende Zahl von Rentnern aufkommen.
Seine Forderung fällt in eine neue Phase des seit Jahren erbittert geführten Rentenstreits. Die 2023 beschlossene Reform sollte das gesetzliche Mindestalter schrittweise von 62 auf 64 Jahre erhöhen und zugleich die für eine abschlagsfreie Rente erforderliche Versicherungsdauer verlängern. Teile dieses Fahrplans sind nun bis 2028 ausgesetzt. Für die Jahrgänge 1964 bis 1968 liegt das gesetzliche Mindestalter nach Angaben der französischen Verwaltung je nach Geburtsjahr zwischen 62 Jahren und neun Monaten und 63 Jahren und neun Monaten.
Die politische Auseinandersetzung über die langfristige Finanzierung ist damit lediglich vertagt. Frankreichs Rentensystem beruht im Kern auf den laufenden Beiträgen der Erwerbstätigen, aus denen die gegenwärtigen Renten bezahlt werden. Die höhere Lebenserwartung, der Ruhestand der geburtenstarken Jahrgänge und die gesunkene Geburtenrate belasten dieses Modell. Grundsätzlich bleiben drei Stellschrauben: höhere Beiträge, niedrigere Leistungen oder ein späterer Renteneintritt.
Retailleau entscheidet sich klar für die dritte Möglichkeit. Seine Position knüpft an die Haltung der konservativen Senatsmehrheit während der Reformdebatte von 2023 an. Offen ist allerdings, welche Regeln er für Menschen mit körperlich belastenden Berufen, frühem Berufseinstieg oder gesundheitlichen Einschränkungen vorsieht. In seinem Fernsehauftritt nannte er dazu keine Einzelheiten.
Im Präsidentschaftswahlkampf grenzt sich Retailleau damit von den linken Parteien ab, die ein niedrigeres Rentenalter fordern. Zugleich nimmt er eine Debatte in Kauf, die 2023 große Proteste und Streiks ausgelöst hatte. Die Mitglieder der Republikaner bestimmten ihn im April 2026 zum Kandidaten ihrer Partei für die Präsidentschaftswahl 2027. Einen Gesetzentwurf oder einen konkreten Zeitplan für die von ihm befürwortete Anhebung auf 65 Jahre hat er bislang nicht vorgelegt.
Quellen
- Franceinfo
- Service-Public.fr
- Les Républicains
- TF1 Info
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).