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Riss im RN: Marine Le Pen stichelt gegen Bardella – Machtkampf im Vorfeld der Präsidentschaftswahl 2027

Marine Le Pen sorgt erneut für Aufsehen – diesmal mit einem Seitenhieb, der die ganze Partei erschüttert. Bei einem Besuch Ende Mai 2025 in Neukaledonien ließ sie, angesprochen auf die Rolle ihres Nachfolgers Jordan Bardella bei den dortigen institutionellen Konsultationen, beiläufig fallen: „Ich bin nicht sicher, ob Jordan die Problematiken Neukaledoniens wirklich gut kennt. Wir…

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Marine Le Pen sorgt erneut für Aufsehen – diesmal mit einem Seitenhieb, der die ganze Partei erschüttert. Bei einem Besuch Ende Mai 2025 in Neukaledonien ließ sie, angesprochen auf die Rolle ihres Nachfolgers Jordan Bardella bei den dortigen institutionellen Konsultationen, beiläufig fallen: „Ich bin nicht sicher, ob Jordan die Problematiken Neukaledoniens wirklich gut kennt. Wir teilen unsere Talente, sagen wir mal so.“ Ein Satz, der sich wie ein Nadelstich durch das politische Gefüge des Rassemblement National zieht.

War das nur eine flapsige Bemerkung – oder steckt mehr dahinter?

Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Bardella, Präsident des RN und inoffiziell als Le Pens Erbe für die Präsidentschaft 2027 gehandelt, spielte den Kommentar herunter. Keine Lust auf ein „Wettrennen um die bessere Spitzelei“, sagte er, und versicherte, mit den „ultramarinen Dossiers“ bestens vertraut zu sein.

Doch die Fassade der Einigkeit bröckelt.

Die Atmosphäre innerhalb des Rassemblement National wirkt seit einiger Zeit angespannt. Während Marine Le Pen trotz einer fünfjährigen Unwählbarkeit wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder weiterhin mitreden will, wenn es um die Zukunft der Partei geht, schiebt sich Bardella unaufhaltsam ins Rampenlicht. Die Rollenverteilung ist unklar – und gerade das ist der Kern des Problems.

Was passiert, wenn eine Parteigründerin nicht loslassen kann und der Nachfolger sich seinen Platz erst erkämpfen muss?

Der Konflikt zeigt sich subtil, aber unübersehbar. Le Pens Bemerkung in Neukaledonien wirkt wie ein Déjà-vu: Immer wieder hat sie in der Vergangenheit Personen im RN infrage gestellt, die zu eigenständig oder zu ehrgeizig auftraten. Bardella hingegen agiert bedächtig, fast schon stoisch – ein Kontrast, der nicht nur stilistisch spürbar ist, sondern auch strategisch.

Denn der Machtkampf ist nicht nur ein zwischenmenschliches Duell, sondern auch ein Streit um die Richtung.

Während Le Pen das RN in ihrer klassischen nationalistischen Linie zu halten versucht, setzt Bardella zunehmend auf Modernisierung – zumindest in der Rhetorik. Jünger, präsidialer, internationaler soll das RN wirken. Ein Spagat zwischen Tradition und Imagepflege.

Ein Parteiveteran formulierte es kürzlich so: „Marine ist das Herz der Partei – aber Bardella wird ihr Gesicht.“ Eine bildhafte Beschreibung, die das Spannungsverhältnis gut trifft. Doch was passiert, wenn das Herz nicht aufhören will zu schlagen?

In diesem Kontext wird der verbale Seitenhieb Le Pens fast schon zur politischen Kampfansage. Ihre Aussage in Neukaledonien ist nicht bloß eine persönliche Meinung – sie ist ein Statement über Kompetenz, Führungsanspruch und Machtverteilung. Zwischen den Zeilen: Misstrauen.

Und genau das bringt Unruhe.

Denn das RN steht vor wichtigen Weichenstellungen: Europawahl, Regionalwahlen – und natürlich die Präsidentschaft 2027. Le Pen, trotz juristischer Stolpersteine, gibt sich kämpferisch. Ihre Unterstützer träumen von einer Rückkehr. Bardella hingegen plant, als legitimer Nachfolger aufzutreten – falls Le Pen endgültig aus dem Rennen ausscheidet.

Doch mit jedem kleinen Konflikt, mit jeder Spitze, steigt die Gefahr einer Spaltung. Was einst als reibungsloser Übergang geplant war, entwickelt sich zu einer stillen Machtprobe. Und das in einer Partei, die gerade dabei ist, ihre gesellschaftliche Akzeptanz zu festigen.

Werden sich die beiden Führungsfiguren arrangieren – oder ist der nächste große Knall nur eine Frage der Zeit?

Ein Blick in die RN-Geschichte zeigt: Harmonie war nie die Stärke der Partei. Vom Bruch mit der Vaterfigur Jean-Marie Le Pen über interne Machtkämpfe bis zur jetzigen Lage – Konflikte sind Teil der DNA.

Doch diesmal steht mehr auf dem Spiel.

Denn nicht nur die Parteibasis beobachtet die Spannungen. Auch das französische Publikum, das nach Stabilität und klaren Verhältnissen sucht, wird zunehmend kritischer. Gerade in Zeiten politischer Umbrüche braucht es überzeugende Figuren – keine Schaukämpfe.

Die nächsten Monate dürften zeigen, ob das RN seine interne Zerreißprobe übersteht oder ob der Machtkampf zwischen Le Pen und Bardella zum offenen Konflikt wird.

Vielleicht war Le Pens Seitenhieb nur ein kleiner Satz. Aber einer mit großer Sprengkraft.

Von C. Hatty

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