Paris – 03.08.2026: Vor dem Eiffelturm hat sich Boris Nadeschdin an seine Anhänger gewandt. In einem auf Telegram veröffentlichten Video erklärte der russische Oppositionspolitiker, er habe Russland verlassen. Er sei "am Leben und frei", sagte der 63-Jährige. Zunächst wolle er seine Lage beurteilen und später über seine nächsten Schritte informieren.
Nadeschdin zählt zu den wenigen russischen Politikern, die über Jahre hinweg öffentlich gegen den Angriffskrieg gegen die Ukraine Stellung bezogen haben. 2024 wollte er bei der Präsidentschaftswahl gegen Wladimir Putin antreten. Die Zentrale Wahlkommission ließ seine Kandidatur jedoch wegen angeblicher Fehler in den Listen mit Unterstützerunterschriften nicht zu. Seine Kampagne mobilisierte dennoch zahlreiche Menschen, die ein Ende des Krieges forderten. Lange Schlangen vor den Sammelstellen für Unterschriften wurden damals zu einem seltenen sichtbaren Zeichen des Protests.
Zuletzt war der staatliche Druck auf Nadeschdin erheblich gewachsen. Das russische Justizministerium setzte ihn am 10. Juli 2026 auf die Liste sogenannter ausländischer Agenten. Die politisch stigmatisierende Einstufung ist mit umfassenden Kennzeichnungspflichten, bürokratischen Auflagen und staatlicher Kontrolle verbunden. Drei Tage später wurde Nadeschdin nach eigenen Angaben in Dolgoprudny bei Moskau vorübergehend von der Polizei festgehalten und zu einem Gerichtstermin vorgeladen.
Am 17. Juli befand ihn ein Gericht des Zeigens extremistischer Symbole für schuldig. Berichten von Nachrichtenagenturen zufolge bezog sich das Verfahren auf ein älteres Onlineinterview, in dem kurz ein Bild des verstorbenen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny zu sehen gewesen sein soll. Nadeschdin wies den Vorwurf zurück. Die Verwaltungsverurteilung verhinderte zugleich seine unabhängige Kandidatur bei der russischen Parlamentswahl im September 2026.
Seine Ausreise überrascht auch deshalb, weil Nadeschdin Mitte Juli erklärt hatte, die Behörden hätten ihm verboten, Russland zu verlassen. Wann, auf welchem Weg und unter welchen Umständen er nach Frankreich gelangte, war am Montag nicht bekannt. Französische Behörden machten zunächst keine Angaben zu seinem Aufenthaltsstatus. Nadeschdin selbst nannte weder den konkreten Anlass seiner Ausreise noch Einzelheiten zu möglichen Schutzmaßnahmen.
Ob er in Frankreich Asyl beantragt hat, blieb ebenfalls offen. Politische Aktivitäten aus dem Ausland kündigte er zunächst nicht an. Sein Auftritt in Paris folgt allerdings auf eine Reihe juristischer und administrativer Maßnahmen, die seinen Handlungsspielraum in Russland binnen weniger Wochen stark eingeschränkt haben. In seiner ersten öffentlichen Botschaft aus Frankreich beschränkte er sich auf die Mitteilung, dass er sich außerhalb Russlands befinde und in Freiheit sei.
Quellen
- Franceinfo
- El País
- Associated Press
- Interfax
- Reuters via Internazionale
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).