Paris – 02.10.2026: Die Blockaden an französischen Gymnasien richten sich gegen weit mehr als die zunächst geplanten Einschreibegebühren in höheren Bildungsgängen. Schülerinnen und Schüler kritisieren fehlende Lehrkräfte, überfüllte Klassen, marode Gebäude und belastende Stundenpläne. Hinzu kommt die Forderung, das zentrale Zulassungsverfahren Parcoursup abzuschaffen, das viele Abiturienten als Quelle von Unsicherheit und sozialer Auslese wahrnehmen.
Ausgangspunkt der Bewegung waren unbesetzte Lehrerstellen am Lycée Saint-Exupéry in Créteil, südöstlich von Paris. Seit Ende September haben sich die Aktionen auf zahlreiche Städte und unterschiedliche Schulformen ausgeweitet. Nach Angaben des Innenministeriums waren am 1. Oktober 1.027 Einrichtungen von der Mobilisierung betroffen; 222 davon wurden blockiert. Für den 2. Oktober sollten rund 400 Schulen geschlossen bleiben.
Bildungsminister Édouard Geffray reagierte am Abend des 1. Oktober mit einem ersten Zugeständnis. Die im Haushaltsentwurf für 2027 vorgesehene Einführung von Einschreibegebühren für Studierende ohne Stipendium in BTS-Studiengängen und Vorbereitungsklassen für die Grandes Écoles wird nicht weiterverfolgt. Die Regierung nahm damit eine Maßnahme zurück, die den Zugang zu zwei bislang weitgehend gebührenfreien Bildungswegen verteuert hätte.
Für die Organisatoren erfüllt dieser Schritt die zentralen Forderungen nicht. Die Schülergewerkschaft Union syndicale lycéenne verlangt mehr Personal und bessere Lernbedingungen. Sie verweist auf ausgefallenen Unterricht wegen unbesetzter Stellen, hohe Schülerzahlen je Klasse, unzureichende technische Ausstattung und sanierungsbedürftige Gebäude. An mehreren Schulen werden zudem lange Unterrichtstage und die Qualität der Verpflegung kritisiert. Der Protest verbindet damit eine konkrete Mängelliste mit grundsätzlicher Kritik an der französischen Bildungspolitik.
Parcoursup bildet den politischen Kern der Auseinandersetzung. Über die digitale Plattform bewerben sich Abiturienten und andere Studieninteressierte um Plätze an Hochschulen, in BTS-Studiengängen, Vorbereitungsklassen und weiteren Ausbildungsgängen. Das Bildungsministerium meldete für das Verfahren 2026 rund 660.000 Schülerinnen und Schüler sowie 206.000 Bewerber, die sich neu orientieren wollten. Die Regierung verweist auf Informations-, Beratungs- und Simulationsangebote. Die Protestierenden halten diese Hilfen jedoch nicht für einen Ersatz für einen weniger selektiven und besser nachvollziehbaren Hochschulzugang.
Auch studentische Organisationen haben den Forderungskatalog erweitert. Sie wenden sich gegen die steigenden Kosten des Studiums, gegen höhere Gebühren für zahlreiche Studierende aus Staaten außerhalb der Europäischen Union und gegen die geplante Aussetzung der Anpassung von Wohnbeihilfen. Nach einem Treffen mit Geffray am 2. Oktober riefen mehrere Schüler- und Studentenorganisationen dazu auf, die Mobilisierung trotz des Rückzugs bei den BTS-Studiengängen und Vorbereitungsklassen fortzusetzen.
Quellen
- Franceinfo
- Le Monde
- LCP – Assemblée nationale
- Ministère de l'Éducation nationale
- TF1 Info
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).