Zürich – 04.10.2026: Die Gletscher der Schweiz haben 2026 mehr als fünf Prozent ihres verbliebenen Eisvolumens verloren. Das Schweizerische Gletschermessnetz GLAMOS und die Schweizerische Akademie der Naturwissenschaften veröffentlichten ihre vorläufige Jahresbilanz am 1. Oktober. Seit 2021 ist das Gletschervolumen des Landes demnach um nahezu ein Fünftel geschrumpft.
Die Messperiode 2025/2026 zählt nach Angaben der Fachleute zu den verlustreichsten seit Beginn der Beobachtungen und liegt nur knapp hinter dem Rekordjahr 2022. Auf einzelnen Gletschern verringerte sich die mittlere Eisdicke um 2,5 bis vier Meter. An manchen Gletscherzungen schmolzen während des Sommers bis zu zehn Meter Eis ab.
Verantwortlich für den starken Rückgang waren vor allem ein schneearmer Winter und wiederholte Hitzeperioden zwischen Mai und September. Der Winter 2025/2026 gehörte bei der mittleren Schneehöhe zu den zehn schneeärmsten seit Messbeginn. Damit fehlte den Gletschern eine wichtige Schutzschicht: Schnee reflektiert einen großen Teil der Sonnenstrahlung und bewahrt das darunterliegende, dunklere Eis vor rascher Erwärmung. Zugleich bildet er den Ausgangsstoff für neues Gletschereis.
Besonders hohe Verluste verzeichneten unter anderem der Allalin-, der Clariden-, der Große Aletsch- und der Rhonegletscher. Bei einigen von ihnen war der Rückgang so stark wie nie zuvor seit Beginn der jeweiligen Messreihen. Kleine Gletscher reagieren noch empfindlicher, weil ihre geringe Fläche und Eisdicke selbst einzelne ungünstige Jahre kaum ausgleichen können. Der Bella-Tola-Gletscher im Kanton Wallis sowie Griessfiren und Plattalvafirn im Kanton Glarus sind den wissenschaftlichen Angaben zufolge bereits verschwunden oder nahezu vollständig zerfallen.
Die Entwicklung verändert auch die Landschaft und erhöht örtlich die Risiken. Wenn sich das Eis zurückzieht, werden steile Felsflanken entlastet und zuvor gefrorene Hänge freigelegt. Dadurch können Felsstürze und andere Bewegungen im Hochgebirge wahrscheinlicher werden. Wege, Berghütten und technische Anlagen müssen deshalb häufiger an veränderte Bedingungen angepasst werden.
Zwischen Juli und September setzten die Schweizer Gletscher rund 2.200 Milliarden Liter Wasser frei. Dieses Schmelzwasser kann sommerliche Engpässe vorübergehend mildern und teilweise zur Stromerzeugung genutzt werden. Die zusätzliche Wassermenge ist jedoch kein dauerhaftes Reservoir. Mit jeder starken Schmelzsaison schrumpft der Eisvorrat, aus dem Flüsse in späteren trockenen Sommern gespeist werden können.
Das betrifft neben der Energieversorgung auch Landwirtschaft, Ökosysteme und Gemeinden in alpinen Tälern. Kurzfristig führen hohe Schmelzraten mehr Wasser, langfristig nimmt diese Pufferwirkung ab. Die Bilanz seit 2021 zeigt das Tempo des Verlusts: Innerhalb von fünf Jahren verschwand nahezu ein Fünftel des Schweizer Gletschereises.
Quellen
- Franceinfo
- Schweizerisches Gletschermessnetz GLAMOS
- Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL
- Schweizerische Akademie der Naturwissenschaften
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).