Paris – 01.08.2026: Der Serienaugust beginnt in Frankreich mit einer kleinen Revanche des Buches. Während die Bildschirme im Sommer gern leichte Ferienkost versprechen, setzen mehrere große Starts auf Romane, deren Nachhall weit über einen Strandtag hinausreicht. Netflix, Disney+ und france.tv nehmen im Laufe des Monats Stoffe ins Programm, die von Familienmythen, sozialem Aufstieg, Jugendangst und organisierter Gewalt erzählen.
Am 5. August veröffentlicht Netflix den zweiten und abschließenden Teil von "Hundert Jahre Einsamkeit". Die kolumbianische Serie nach Gabriel García Márquez setzt die Geschichte der Familie Buendía in dem erfundenen Ort Macondo fort. Der Roman von 1967 gilt als Schlüsselwerk des magischen Realismus, jener Erzählweise, in der Wunderbares und Alltägliches ohne erklärende Trennlinie nebeneinanderstehen. Erneut führen Laura Mora und Carlos Moreno Regie.
Dass ausgerechnet dieses Buch zur Serie wurde, ist kulturgeschichtlich keineswegs selbstverständlich. García Márquez hatte einer Verfilmung lange skeptisch gegenübergestanden; zu groß schien die Gefahr, die innere Musikalität und die verschlungenen Zeitläufe seines Romans zu glätten. Die erste Staffel setzte deshalb auf kolumbianische Schauplätze und eine Erzählform, die Wiederholungen, Erinnerungen und Vorahnungen nicht hastig auflöst. Der zweite Teil muss nun die von Einsamkeit, Begehren und Wiederkehr geprägte Geschichte der Buendías zu Ende führen.
Einen anderen Ton schlägt "The Shards" an, das am 6. August bei Disney+ startet. Ryan Murphy hat Bret Easton Ellis' gleichnamigen Roman adaptiert, eine düstere, teilweise autobiografische Geschichte über einen Jugendlichen namens Bret im Los Angeles des Jahres 1981. Hinter der glatten Oberfläche einer privilegierten Highschoolwelt wachsen Beobachtungslust, Angst und Gewaltfantasien ineinander. Murphy bewegt sich damit auf vertrautem Terrain: schöne Fassaden mit auffällig vielen Rissen.
Am 21. August folgt auf france.tv die neue Miniserie "Rot und Schwarz", bevor sie später bei France 2 ausgestrahlt wird. Gaël Morel erzählt in vier Folgen von Julien Sorel, dem ehrgeizigen jungen Mann, der im Frankreich der Restauration gegen die Grenzen seiner Herkunft anrennt. Victor Belmondo übernimmt die Rolle, die Stendhal 1830 als ebenso verführerische wie gefährlich selbsttäuschende Aufstiegsfigur angelegt hatte. Der Stoff verbindet Liebesgeschichte und Gesellschaftsanalyse mit einer bis heute verständlichen Frage: Wie weit kann Ehrgeiz tragen, wenn Herkunft über Lebenschancen entscheidet?
Auch "Gomorrha: Die Ursprünge" arbeitet mit einer bekannten Vorlage. Die für den 24. August bei Canal+ angekündigte Serie führt ins Neapel der 1970er Jahre und zu den frühen Jahren Pietro Savastanos. Sie erweitert das von Roberto Savianos Werk geprägte kriminelle Universum um dessen Vorgeschichte. So entsteht ein Augustprogramm, das weniger auf sommerliche Zerstreuung als auf literarisch grundierte Erzählwelten setzt.
Quellen
- Franceinfo
- Netflix
- Disney+
- France Télévisions
- Canal+
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).