Politik & Gesellschaft

Sieben Präsidentschaftsbewerber streiten über Frankreichs Wirtschaft

Beim ersten großen Schlagabtausch vor der Präsidentschaftswahl 2027 prallten vor dem Unternehmerverband Medef gegensätzliche Pläne für Schulden, Arbeit, Steuern und Renten aufeinander.

Paris – 28.08.2026: Sieben Bewerber für die französische Präsidentschaftswahl 2027 haben sich am Donnerstag erstmals einer gemeinsamen großen Wirtschaftsdebatte gestellt. Auf dem Court Philippe-Chatrier von Roland-Garros empfing der Unternehmerverband Medef Jean-Luc Mélenchon, Marine Le Pen, Bruno Retailleau, Édouard Philippe, Gabriel Attal, Raphaël Glucksmann und Marine Tondelier. Fünf Unternehmensvertreter befragten sie zu Staatsfinanzen, Industriepolitik, Arbeitskosten, Regulierung und Steuern.

Die mehr als dreistündige Debatte legte die wirtschaftspolitischen Gegensätze offen. Mélenchon verteidigte höhere Löhne, eine ökologische Wirtschaftsplanung und einen öffentlichen Bankenpol. Er erneuerte seinen Vorschlag, über jene Teile der Staatsschuld zu verhandeln, die von der Europäischen Zentralbank gehalten werden. Philippe warnte, dieser Kurs könne Frankreich den Zugang zu den Finanzmärkten versperren. Auch Attal und Glucksmann widersprachen Mélenchon.

Philippe warb für eine Sanierung der öffentlichen Finanzen. Er sprach sich für längere Lebensarbeitszeiten und niedrigere Produktionssteuern aus, zugleich aber für eine Kürzung der Unternehmenshilfen um 50 Milliarden Euro. Attal räumte wirtschaftspolitische Fehler während der Präsidentschaft Emmanuel Macrons ein. Er nannte den Wohnungsbau und die schleppende Vereinfachung von Vorschriften. Das öffentliche Defizit wolle er bis 2032 wieder unter die europäische Grenze von drei Prozent bringen.

Retailleau griff den Staat als übermäßig bürokratisch an. Nach einem Wahlsieg wolle er per Verordnung etwa hundert besonders belastende Vorschriften streichen. Zudem plädierte der Vorsitzende der Republikaner für niedrigere Abgaben auf Arbeit und flexiblere betriebliche Arbeitszeiten. Das Rentenalter möchte er an die Entwicklung der Lebenserwartung binden.

Le Pen bemühte sich vor dem traditionell wirtschaftsliberalen Publikum um finanzpolitische Glaubwürdigkeit. Die Vertreterin des Rassemblement National kündigte für die Zeit vor den parlamentarischen Beratungen über den nächsten Staatshaushalt einen Sparplan von 125 Milliarden Euro an. Beschäftigte mit frühem Berufseinstieg sollen nach ihren Vorstellungen ab 60 Jahren in den Ruhestand gehen können. Langfristig strebt sie ein gesetzliches Rentenalter von 62 Jahren und eine Beitragsdauer von 42 Jahren an.

Glucksmann verband Industrie- und Klimapolitik mit einer höheren Besteuerung großer Erbschaften. Tondelier verlangte die Rücknahme der 2025 ausgesetzten Rentenreform und verwies auf die wirtschaftlichen Kosten unterlassener Klimaanpassung. Beide lehnten eine pauschale Deregulierung ab.

Das Forum offenbarte zugleich die Konkurrenz im politischen Zentrum: Mit Philippe und Attal traten zwei frühere Premierminister aus dem Umfeld Macrons gegeneinander an. Le Pen, Mélenchon und Retailleau warben dagegen für deutliche Brüche mit der bisherigen Wirtschafts- und Sozialpolitik. Die Veranstaltung war kein offizielles Wahlkampfduell, aber die erste gemeinsame Konfrontation dieser sieben Bewerber vor der für Mai 2027 erwarteten Wahl.

Quellen

  • Medef
  • Le Monde
  • Public Sénat
  • LCP – Assemblée nationale

Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).

Ende des Artikels