Lille – 17.10.2026: Ein Wildschwein im Gleisbett kann den Bahnverkehr binnen Sekunden zum Stillstand bringen. Nach einem Zusammenstoß muss der Lokführer anhalten, der Zug wird auf Schäden geprüft, bisweilen bleibt die Strecke vorübergehend gesperrt. SNCF Réseau reagiert auf die wachsende Zahl solcher Vorfälle mit Überwachung, Zäunen, technischen Warnanlagen und regionalen Vereinbarungen mit Jägerverbänden.
Besonders häufig kollidieren Züge mit Wildschweinen. Nach Angaben der SNCF wurden 2025 landesweit 1.404 solcher Zusammenstöße registriert, 27 Prozent mehr als im Vorjahr. Wildschweine waren damit an 43 Prozent der erfassten Kollisionen mit Tieren beteiligt. Im Durchschnitt wurden dadurch täglich rund 20 Züge verspätet oder gestrichen. Auch Rehe und Dachse geraten immer wieder auf die Trassen.
In der Region Hauts-de-France haben SNCF Réseau und der regionale Jagdverband am 29. September eine Partnerschaft vereinbart. Beide Seiten wollen Erkenntnisse über Wildwechsel und besonders gefährdete Gleisabschnitte zusammentragen. Das Abkommen gehört zu einem Programm, an dem auch Staat und Region beteiligt sind. Verringert werden sollen Störungen im Regionalverkehr sowie auf der stark befahrenen Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Paris und Lille.
Die Bahn setzt dabei nicht allein auf eine Regulierung der Wildbestände. In der Region kontrollieren 39 spezialisierte Beschäftigte vor allem die Trassen der Hochgeschwindigkeitszüge. Sie suchen nach Tierspuren, prüfen Zäune und beobachten gefährdete Stellen mit Infrarot- und Wärmebildkameras. Ausstiegshilfen sollen Tieren die Flucht aus eingezäunten Abschnitten ermöglichen. Verstärkte Einfriedungen und Leitsysteme sollen sie möglichst schon vor dem Betreten der Gleise ablenken.
In der Normandie erprobt SNCF Réseau zudem akustische Warntechnik. Auf einem Abschnitt der Strecke zwischen Rouen und Caen stehen die Geräte in Abständen von 50 Metern. Ein Radar erkennt einen herannahenden Zug und ermittelt dessen Geschwindigkeit. Kurz vor der Durchfahrt spielen solarbetriebene Lautsprecher natürliche Waldgeräusche ab, die Wildschweine zum Verlassen der Strecke bewegen sollen. Für den damit gesicherten Abschnitt berichtet die SNCF von einem deutlichen Rückgang der Kollisionen.
Hinter den Maßnahmen steht ein beträchtlicher betrieblicher Aufwand. Im gesamten französischen Schienennetz wurden 2024 nach Angaben der SNCF 2.562 Tiere von Zügen erfasst. Die Vorfälle summierten sich auf 302.343 Minuten Verspätung, umgerechnet mehr als 5.000 Stunden. Große Tiere können zudem Fahrzeuge und technische Anlagen erheblich beschädigen. Hinweise von Jägern, Landwirten und Anwohnern sollen der Bahn helfen, veränderte Wildbewegungen früher zu erkennen und Schutzvorkehrungen gezielter einzusetzen.
Quellen
- Franceinfo: Lösungen der SNCF gegen Kollisionen mit Tieren, 16.10.2026
- SNCF Réseau: Partnerschaft mit dem regionalen Jagdverband Hauts-de-France, 30.09.2026
- SNCF Groupe: Akustische Warnanlagen gegen Wildschweine, aktualisiert am 05.06.2026
- SNCF Groupe: Wildtierregulierer und Kollisionsbilanz 2024, aktualisiert am 05.03.2026
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).