Montaigu-Vendée – 15.10.2026: Für einen damaligen Fünftklässler in Montaigu-Vendée fielen innerhalb eines Schuljahres 239 Stunden Pflichtunterricht aus. Weil er keinen ausreichenden Ersatz für fehlende Lehrkräfte organisierte, muss der französische Staat der Mutter des Schülers nun 1.200 Euro zahlen. Das Verwaltungsgericht Nantes sprach der Familie die Summe als Ausgleich für den entstandenen schulischen Nachteil zu.
Der Fall betrifft das Schuljahr 2021/2022 an einem öffentlichen Collège in der Vendée. Laut Gerichtsentscheidung fehlten Unterrichtsstunden in Mathematik, Musik, Kunst, Französisch und Technologie. Insgesamt kamen 239 nicht erteilte Stunden zusammen. Das entspricht bei einer üblichen Schulwoche deutlich mehr als zwei Monaten Unterricht.
Mehrere Ausfälle beruhten demnach auf längeren Krankmeldungen von Lehrkräften. Im Fach Technologie war eine Pensionierung der Grund dafür, dass Unterricht nicht stattfand. Besonders schwer wogen 129 verlorene Stunden im Fach Französisch. Die Rektorin der Akademie Nantes hatte vor Gericht argumentiert, die wiederholten kurzen Krankmeldungen der Französischlehrkraft seien nicht vorhersehbar gewesen.
Das Gericht folgte dieser Darstellung nicht. Wegen ihrer Dauer und ihres Umfangs hätten die Fehlzeiten einen dauerhaften Charakter angenommen, heißt es in der juristischen Bewertung, über die französische Medien berichteten. Der Staat habe damit seine Pflicht verletzt, den vorgesehenen Unterricht sicherzustellen. Die Entscheidung erging am 8. Oktober 2026 und wurde eine Woche später öffentlich bekannt.
Die Anwältin der Familie, Joyce Pitcher, bezeichnete das Urteil als Anerkennung dafür, dass der Schüler während des betreffenden Schuljahres weitgehend alleingelassen worden sei. Sie vertritt zugleich das Elternkollektiv On veut des profs, das Familien bei Klagen wegen fehlender Vertretungslehrkräfte unterstützt. Nach ihren Angaben sind für verschiedene Schuljahre rund 400 vergleichbare Verfahren anhängig.
Das Urteil betrifft ein seit Langem bekanntes Problem des französischen Bildungssystems. Wenn Lehrkräfte kurzfristig oder für längere Zeit ausfallen, gelingt es Schulen nicht immer, Ersatz zu finden. Für betroffene Klassen bedeutet das Freistunden, gekürzte Lehrpläne und Lücken bei der Vorbereitung auf Prüfungen. Schülerinnen und Schüler führen fehlende Vertretungen derzeit auch bei Protesten an französischen Schulen als zentrale Forderung an.
Einen pauschalen Anspruch auf Entschädigung für jede ausgefallene Stunde begründet die Entscheidung allerdings nicht. Maßgeblich waren der konkrete Umfang des Unterrichtsausfalls, seine Ursachen und die lange Dauer, während der keine Vertretung organisiert wurde. Auch die Höhe der zugesprochenen Summe bezieht sich auf den festgestellten individuellen Schaden.
Der Schüler besucht inzwischen eine höhere Klassenstufe. Für seine Mutter endet mit dem Urteil ein Verfahren über ein Schuljahr, in dem der vorgesehene Unterricht in erheblichem Umfang ausblieb. Der Staat muss ihr dafür 1.200 Euro zahlen.
Quellen
- Franceinfo
- RTL
- TF1 Info
Artikel mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt (Transparenzhinweis im Sinne von Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 – EU AI Act).